Mit Online-Anwalt zum Lehrabschluss

Nina Müller, 22. September 2018, 14:29 Uhr
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Schweizer Anwälte haben ein neues Geschäftsmodell entdeckt: Für 300 Franken können Lehrlinge und Studenten einen Anwalt beauftragen. Dieser reicht Rekurs gegen ihre Prüfungsresultate ein. Das Geschäft boomt.

Vor kurzem hat ein Zürcher Start-up Unternehmen die Website fragdenanwalt.ch lanciert. Die Plattform vermittelt Beratungsgespräche mit Anwälten. Die Juristen sparen so Zeit und Geld und können günstigere Angebote machen. Besonders beliebt ist das Anfechten von Prüfungsresultaten. Im Kanton St. Gallen ist die Zahl der Beschwerden deutlich angestiegen. Im Jahr 2012 wurden beim Bildungsdepartement 85 Beschwerden eingereicht. 2017 waren es schon 111 Beschwerden.

Geschäft läuft so gut wie noch nie

«Ab der Note 3,7 sehe ich eine Chance, dass die Beschwerde durch kommt», sagt der Online-Anwalt Didier Kipfer gegenüber Schweiz am Wochenende. Ab 300 Franken erhalten Schüler ein Beratungsgespräch mit einem Online-Anwalt. Bis zur Einreichung der Beschwerde müssen die Studenten und Lehrlinge 800 Franken ausgeben. Das Angebot wird stark genutzt: «Aktuell läuft dieses Geschäft so gut wie noch nie. Diesen Sommer habe ich fast fünfzig Beratungsgespräche durchgeführt», sagt Didier Kipfer.

Angebot zum Dumping-Preis

Wenig verwunderlich, wenn man den Dumping-Preis dieses Angebotes betrachtet. Ein üblicher Anwalt würde viel mehr verlangen. So ein tiefer Preis ist nur möglich, weil die Beschwerden der Online-Anwälte relativ simpel gemacht sind. Teilweise bestehen die Anträge aus zusammenkopierten Textbausteinen, schreibt die Schweiz am Wochenende

Nina Müller
Quelle: nm
veröffentlicht: 22. September 2018 07:58
aktualisiert: 22. September 2018 14:29