Reisefieber

Mit St.Galler Autonummer einmal quer durch Afrika

Fabienne Engbers, 2. Dezember 2019, 08:28 Uhr
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Quelle: FM1Today, zVg

Von Wartau über Spanien nach Marokko und dann der Küste entlang bis in den Kongo – das ist die Reiseroute des St.Gallers Fabian Freuler. Unterwegs hat er Stunden und Tage an Zöllen verbracht, weil er sich weigert, Schmiergeld zu zahlen. In seinen neun Monaten unterwegs hat er gerade einmal zehn Touristen getroffen.

Sein Auto hat er einem Mörschwiler Paar abgekauft, seit über acht Monaten tuckert er damit quer durch Afrika. Gestartet ist Fabian Freuler in Wartau, am 8. März. «Ich habe in den Ferien in Afrika ein paar Leute kennengelernt, die vom Norden in den Süden Afrikas gefahren sind», sagt der frisch gebackene 26-Jährige. «Da dachte ich mir: Das will ich auch mal machen.»

Auto auf Ricardo ersteigert

Auf Ricardo suchte der Wartauer danach nach einem für den Roadtrip geeigneten Fahrzeug. Fündig wurde er bei einem Paar aus Mörschwil, welches ein Auto verkaufte, das sie von Nord- nach Südamerika gebracht hatte. «Als ich das Auto kaufte, wusste ich, jetzt gibt es kein Zurück mehr.»

Und so machte er sich im Frühling auf den Weg, seine Reise führte ihn über Frankreich und Spanien mit dem Boot nach Marokko und von dort der Küste entlang, immer in Richtung Süden. Knapp neun Monate später ist Fabian Freuler mit seinem St.Galler Auto im Kongo angekommen. «Hier ist es schwierig, die Menschen sind arm und es fehlt an den einfachsten Dingen wie Strom und fliessend Wasser.»

Vom Biologen zum Handwerker

Dies ist in vielen Städten der Fall, nur wenige Länder in Afrika sind – hauptsächlich aufgrund von Öl-Handel – sehr reich und besitzen deshalb gute Infrastruktur in den Städten.

Dies zeigt sich auch am Ausbau der Strassen, in vielen Ländern sind die Strassen nur schwer befahrbar. «Weil die Länder kein Interesse an Handel untereinander haben, sind die Strassen vor allem immer schlechter, je näher man der Grenze kommt.»

Nicht selten hat Fabian Freuler deshalb unterwegs eine Autopanne. «Fast in jeder Stadt, in der ich bin, muss ich etwas am Auto flicken», sagt er. Ursprünglich hat der 26-Jährige Biologie und Umweltwissenschaften studiert. Mittlerweile ist er aber ein halber Automechaniker. «Ich habe sehr viel gelernt, von dem ich vor der Reise keine Ahnung hatte. Weil die Stundenlöhne hier so tief sind, wird alles geflickt. Man lötet mit einem heissen Nagel, oft gibt es nicht mehr Werkzeug als ein Schraubenzieher und einen Hammer.» Er schaue den Handwerkern immer zu, so kann Freuler mittlerweile selbst einiges reparieren.

«Viele denken, ich sei vom Roten Kreuz»

Mit seinem Auto mit Schweizer Autonummer fällt der St.Galler auf. «Wenn ich unterwegs bin, sprechen mich viele Leute an. Wegen des Kreuzes auf rotem Grund glauben die Einheimischen, ich sei vom Roten Kreuz oder einem Spital. Ich glaube nicht, dass die Leute die Schweiz oder gar St.Gallen kennen.»

Probleme bereitet Fabian Freuler seine ausländische Autonummer nicht. Nur dass er seine Nummer vorne vor vier Monaten verloren hat, lässt die Beamten stutzig werden.

«Ich bezahle grundsätzlich keine Bussen»

Oft wird der 26-Jährige von ihnen angehalten, unterwegs und an den Grenzübergängen. «Pro Tag rechne ich etwa 40 Minuten Zeit ein für Diskussionen mit Polizei, Militär und Gendarmerie. Ich falle auf, nicht nur wegen des Nummernschildes, sondern auch wegen des vielen Gepäcks und natürlich weil ich weiss bin.»

Die Beamten suchen einen Grund, warum sie den St.Galler zu einer Busse verdonnern wollen, die Einwände sind aber fast immer fadenscheinig. So sollte Freuler beispielsweise zahlen, weil er keinen Feuerlöscher in seinem Auto hat. «Ich habe noch nie etwas bezahlt, das tue ich grundsätzlich nicht. Deshalb muss ich oft lange mit den Beamten diskutieren, bis sie mich gehen lassen.»

Besonders hartnäckig sind die korrupten Beamten an den Grenzübergängen. Bis zu sechs Nächte hat Fabian Freuler schon einmal an einer Landesgrenze ausgeharrt. «Die Beamten verlangen Geld für einen Stempel in meinem Pass.» Freuler wehrt sich dagegen, die rund 30 Franken zu bezahlen. «Es geht mir darum, ein Zeichen zu setzen. Viele Einheimische wissen gar nicht, dass man sich gegen die Schmiergelder wehren kann.» Noch nie hat man dem St.Galler deswegen aber mit Gewalt gedroht oder ihm etwas angetan.

«Das beste an Afrika sind die Menschen»

So fährt Fabian Freuler immer weiter gen Süden. An der eindrücklichen Natur faszinieren ihn als Biologen vor allem die unterschiedlichen Lebensräume. «Ich war unter anderem in einem Nationalpark, der Dschungel und Küste in sich vereint. Dort habe ich mit anderen Reisenden campiert und gefischt. Es gab Elefanten am Strand und wir sahen eine Schildkröte, die Eier legte.»

Nebst den Tieren sind es auch die Menschen, welche den St.Galler inspirieren. «Die Leute sind arm, aber sie sind immer gut gelaunt, wahnsinnig neugierig und sehr hilfsbereit.» Wird der 26-Jährige nicht von korrupten Beamten angehalten, fühlt er sich im Allgemeinen sehr sicher. «Niemand würde sich trauen, uns etwas zu stehlen, die Leute sind wahnsinnig gastfreundlich.»

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Quelle: FM1Today, zVg

Wann geht es zurück in die Schweiz?

Ursprünglich wollte Fabian Freuler so lange durch Afrika reisen, bis ihm das Geld ausgeht. «Ich komme aber sehr gut durch, brauche in etwa 25 Franken am Tag.»

Da sein Geld also reicht, plant der St.Galler, durch die Demokratische Republik Kongo zu reisen und dann über Umwege nach Tansania zu fahren. Dort möchte er irgendwann sein Auto verkaufen und zurück in die Schweiz fliegen. Wie lange dieses Unterfangen allerdings noch dauert, weiss der Wartauer selbst nicht so genau.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 1. Dezember 2019 12:11
aktualisiert: 2. Dezember 2019 08:28