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St.Galler Fürstenlandbrücke

Nach Bus-Einbruch: «Die Leitungen waren alt»

Nico Conzett, 19. August 2021, 08:13 Uhr
Wegen eines Wasserrohrbruchs musste am Mittwochmorgen die St.Galler Fürstenlandbrücke gesperrt werden. Der genaue Auslöser für den Rohrbruch ist zwar noch unbekannt. Fakt ist aber, dass es sich um alte Leitungen im betroffenen Strassenstück handelte – die Sanierung dieser war bereits geplant.

Die möglichen Gründe für einen Rohrbruch seien vielfältig, sagt Ulrich Häfliger, Abteilungsleiter Netz Gas und Wasser bei den Stadtwerken St.Gallen. Ein gemeinsames Merkmal gebe es aber bei praktisch allen Rohrbrüchen: ein schlechter Materialzustand der Leitungen.

Sanierung der betroffenen Leitung war bereits geplant

Dieses Merkmal war auch beim Ereignis an der Fürstenlandbrücke gegeben: «Fakt ist, dass die Leitungen im betroffenen Gebiet alt sind», sagt Häfliger. «Was letzten Endes für den Bruch verantwortlich war, können wir noch nicht sagen – wir rätseln diesbezüglich noch.»

Gemäss Häfliger handelt es sich lediglich um ein Teilstück von 30 bis 40 Metern alten Rohren, welche noch nicht saniert wurden – genau in diesem Teilstück kam es zum Bruch. Auf beiden Seiten der Fürstenlandbrücke seien in den vergangenen Jahren zahlreiche Leitungssanierungen vorgenommen worden. Einzig das nun betroffene Teilstück erhielt noch keine Generalüberholung.

Sanierungsprojekt liegt zur Freigabe beim Kanton

Es habe bereits ein Projekt gegeben, das für die Erneuerung der betroffenen Stelle sorgen soll. Dieses liegt derzeit allerdings noch beim Kanton und bedarf der Freigabe, wie Häfliger erklärt. Nach dem Rohrbruch vom Mittwoch rechnet er mit einer raschen Entscheidung, wie die Sanierung an der Fürstenlandstrasse genau vorgenommen werden soll.

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Quelle: FM1Today

Das Gesamtsystem an Leitungen und Rohren in der Stadt sei ansonsten in einem sehr guten Zustand. «Wir haben in den letzten Jahren viel saniert und konnten die Rohrbruch-Rate stark herunterschrauben», so Häfliger.

«Ganzer Krater wird rausgeschwemmt»

Beschäftigen wird die Stadt der Rohrbruch vom Mittwochmorgen ohnehin noch länger – die Instandsetzungsarbeiten stehen an. «Bei einem Rohrbruch mit so viel Wasserausfluss wird ein ganzer Krater herausgeschwemmt», erklärt Häfliger. Die Strasse wird geradezu unterhöhlt – dieser Leerraum muss zwingend wieder aufgefüllt werden, um die Stabilität der Strasse zu gewährleisten.

Wie stark in die Gesamtsanierung investiert wird, ist derzeit noch nicht klar. Häfliger ist aber der Ansicht, dass diese umfangreich ausfallen sollte. «Wir sollten wohl besser klotzen und nicht kleckern bei der Sanierung.»

Aus Versorgungsperspektive gibt es keinen Druck: Die Leitung kann vom Netz genommen werden, ohne dass Gebäude auf die Wasserzufuhr verzichten müssen. Einzig mit Verkehrsbehinderungen muss aufgrund der Instandsetzung gerechnet werden.

Bei der Strassensanierung müssen vor allem sogenannte Setzungen verhindert werden: Zu diesen kommt es, wenn der Untergrund nicht sauber aufgefüllt ist und die Fahrbahn durch schwere Fahrzeuge – wie die Stadtbusse – eingedrückt wird. Besonders bei stark befahrenen Wegen wie der Fürstenlandbrücke ist es wichtig, dass die Fahrbahn einwandfrei ist, so Häfliger. Denn Setzungen wären einerseits unangenehm zu befahren, weil sie Schläge verursachen und andererseits besonders im Winter auch gefährlich, da sich in solchen Gruben rasch Lachen und damit Eisflächen bilden.

Buschauffeur reagierte richtig 

Dem Buschauffeur kann beim Vorfall vom Mittwochmorgen kein Vorwurf gemacht werden. «Er hatte wirklich einfach Pech, denn er hat eigentlich richtig reagiert, indem er auf das Trottoir ausgewichen ist, als er gemerkt hat, dass es einen Rohrbruch gegeben hatte.»

Normalerweise seien grosse Rohre unterhalb der Strasse eingebettet, ausgerechnet an der Fürstenlandstrasse würden die Leitungen aber unterhalb des Gehsteigs verlaufen. «Wäre er auf der Strasse geblieben, wäre nichts passiert, aber das konnte er nicht wissen», so Häfliger.

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. August 2021 18:14
aktualisiert: 19. August 2021 08:13