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Impfwoche

Nach Sabotage-Aktion: Unsicherheit vor dem Impfkonzert in St.Gallen

10. November 2021, 21:14 Uhr
Unter anderem mit Gratiskonzerten sollen Unentschlossene von der Impfung überzeugt werden. Die Tickets für das St.Galler Konzert vom Freitag sind vergriffen – doch wie viele Personen kommen tatsächlich?
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Quelle: tvo

Nachdem massnahmenkritische Kreise Tickets gehamstert haben und auf dem Konzert in Lausanne am Dienstag nur rund 100 von 500 Personen erschienen sind, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagiert. Wer eines oder mehrere Tickets für die gesamte Konzertreihe im Rahmen der nationalen Impfwoche reserviert hat, muss seine Wunschlocation angeben – um die restlichen Tickets für andere Interessierte freizugeben.

Genützt hat es offenbar wenig, gemäss Medienberichten sahen sich auch am Mittwoch in Sion nur etwas mehr als hundert Personen das Impfkonzert an. Zwölf Leute liessen sich vor Ort impfen.

BAG ist «enttäuscht»

Gegenüber TVO teilt das BAG mit: «Grundsätzlich sind wir enttäuscht von Personen, die Tickets reservieren und nicht erscheinen, um so den Diskurs zu verhindern.» Härtere Worte für die Sabotage-Aktion findet Musiker Stress, der auf der Konzertreihe unter dem Motto «Back on Tour» in Lausanne vor fast leeren Rängen spielen musste: «Ich finde es lächerlich», sagt er gegenüber «Blick». «Die Leute sprechen von Freiheitsentzug und nehmen anderen die Freiheit weg.»

«Ziemlich enttäuscht» ist auch Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes und Ostschweizer Impfbotschafter. Es stellt sich die Frage, wie viele Personen zum St.Galler Impfkonzert erscheinen werden – das BAG hat keine Antwort. Die Tickets sind jedenfalls allesamt weg. Schon vor der Impfwoche äusserte der St.Galler Gesundheitsdirektor Bruno Damann (Die Mitte) Bedenken: «Wir haben Respekt vor der Sicherheit. Da der Bund die Konzerte organisiert, müssen wir schauen, wie wir an die Infos kommen.»

«Unsympathische Aktion für guten Zweck»

Bereits kurz nachdem der Bund bekanntgegeben hatte, dass zu seiner 100-Millionen-Impfoffensive auch Gratiskonzerte gehören, machten Gegnerinnen und Gegner der Coronapolitik Stimmung auf Social Media – und riefen dazu auf, Tickets zu reservieren, ohne jedoch das Konzert zu besuchen. «Die Leute haben ja eigentlich nichts davon», erklärt der Sozialwissenschaftler Marko Ković das Verhalten. Die Leute seien der Meinung, etwas gegen die vorherrschende «Diktatur» oder Ungerechtigkeit tun zu müssen. «Durch solch unsympathische Aktionen haben sie schliesslich das Gefühl, für eine gute Sache zu kämpfen.»

(lag)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. November 2021 19:10
aktualisiert: 10. November 2021 21:14