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St.Gallen

Nach tödlichen Schüssen auf Pfannen-Angreifer: Zwei Polizisten müssen vor Gericht

Christoph Thurnherr, 11. Oktober 2021, 13:46 Uhr
Zwei St.Galler Polizisten erschossen im September letzten Jahres einen Mann, der im Rausch eine Frau zu Tode prügelte. Nun müssen sie sich wegen der tödlichen Schüsse vor Gericht verantworten, die Staatsanwaltschaft verlangt jedoch einen Freispruch.

Dieser Fall erschütterte im September letzten Jahres die Ostschweiz: Ein 22-jähriger Mann erschlägt im Drogenrausch eine 46-jährige italienische Kinderbetreuerin und wird von zwei St.Galler Stadtpolizisten erschossen, die ihn aufhalten wollen.

Für die Frau kommt jede Hilfe zu spät, sie stirbt an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma, ausgelöst durch die äusserst brutalen Schläge auf ihren Kopf. Die beiden Stadtpolizisten, die den Mann erschossen haben, müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Aus Klinik entlassen

Der Streife wurde ein Streit zwischen einem Mann und einer Frau gemeldet, doch als sie die Wohnung betraten, bot sich ihnen ein schreckliches Bild, heisst es in der Anklageschrift, welche dem Blick vorliegt.

Später stellte sich heraus, dass der junge Mann gerade aus einer psychatrischen Klinik entlassen wurde und Drogen konsumiert hatte. In seinem Rausch achtete er wohl nicht auf die Rufe der Polizisten, endlich aufzuhören. Sie eröffneten das Feuer und töteten ihn.

Staatsanwaltschaft fordert Freispruch

Der tödliche Schusswaffeneinsatz zieht eine Beurteilung des Kreisgerichts nach sich. Der Prozess findet Ende November statt. Weil unklar ist, wer den tödlichen Schuss abgegeben hat, sind beide wegen versuchter Tötung und schwerer Körperverletzung angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft zeigt sich hier etwas gegensätzlich: Einerseits verlangt sie einen Freispruch für die beiden Polizisten, in einer Alternativanklage allerdings auch 13 Monate Gefängnis bedingt.

Das Gericht muss beurteilen, ob die Gesetzeshüter anders hätten handeln können. Klar ist aber auch, dass ihnen kaum andere Zwangsmittel zur Verfügung standen: Einer der Polizisten hatte zwar eine Taser-Ausbildung, das Gerät war allerdings in der Wartung und nicht auf Mann.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Oktober 2021 13:45
aktualisiert: 11. Oktober 2021 13:46