«ViaVelo.sg»

Nach zwei Jahren: Kaum Nachfrage für St.Galler Öko-Lieferdienst

28. April 2022, 16:43 Uhr
Ein Velolieferdienst hätte die ökologische Verkehrswende in der Stadt St.Gallen einläuten sollen. Trotz Werbung durch die Stadtpräsidentin stösst er kaum auf Nachfrage. Statt das Projekt als gescheitert zu erklären, wagt die Stadt nun einen letzten Versuch und macht den Dienst gratis.
Totz Lächeln auf dem Gesicht, «viaVelo.sg» stösst kaum auf Nachfrage und könnte bald eingestampft werden.
© zVg

Noch vor einigen Monaten lächelte uns die St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa zufrieden von den Werbeplakaten entgegen. Darunter stand der konsumfreundliche Spruch: «Lokal einkaufen war noch nie bequemer». Offenbar war der Stadtbevölkerung das beworbene Produkt doch zu unbequem, denn nach zwei Jahren Betrieb verzeichnet der Velolieferdienst «ViaVelo.sg» kaum Nutzerinnen und Nutzer.

Vom Vorreiter für Öko-Lieferung zum kaum beachteten Sorgenkind

Eigentlich wäre das Prinzip einfach. Wer nach dem Einkauf nicht schwer tragen will, bestellt sich einen Lieferdienst, der alles nachhause fährt. Für das wurde eigens eine App entwickelt.

«Leider sind auch nach zwei Jahren unsere Nutzerzahlen verschwindend gering», sagt Karin Hungerbühler, Leiterin Mobilität bei Umwelt und Energie Stadt St.Gallen. Im letzten halben Jahr verzeichnete die App nur 180 Nutzerinnen und Nutzer. «Wir wünschen uns klar mehr, die das Angebot brauchen», so Hungerbühler.

Letzter Belebungsversuch: Gratis Lieferungen für alle

Wieso das Angebot gescheitert ist, kann man sich bei der Stadt nicht wirklich erklären. «Zum Beispiel in Burgdorf funktioniert das System sehr gut und wieso sollte es in der Stadt St.Gallen nicht auch funktionieren?», fragt die Leiterin für Mobilität. Das Angebot sei einfach zu unbekannt in der Stadtbevölkerung und müsse mehr beworben werden.

Deshalb hat sich die Stadt dazu entschieden, noch mehr in den Lieferdienst zu investieren und das ganze Angebot gratis zu machen. «Der «Viavelo.sg»-Lieferdienst ist bis Ende Juli gratis, für alle, die das gerne ausprobieren wollen», sagt Hungerbühler. Man hoffe so, der App nochmals einen Schub zu geben. Wieso das erst nach zwei Jahren Laufzeit passiere, kann die Leiterin für Mobilität nicht sagen.

Wie viel Geld im Projekt steckt, bleibt unklar

Finanziert wird der Lieferdienst zum Teil aus dem St.Galler Energiefonds. Wie viel die Stadt dafür ausgibt, kann Karin Hungerbühler nicht beziffern. «Eigentlich leisten wir nur eine Anschubfinanzierung und das Projekt muss sich in einem Jahr selbstständig tragen – da muss aber noch viel passieren.» Und sollte der Lieferdienst bis in einem Jahr nicht deutlich mehr Nutzerinnen und Nutzer bekommen, dann droht dem Projekt das Aus.

(noh)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. April 2022 11:01
aktualisiert: 28. April 2022 16:43
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