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St.Gallen

Neue Methode: Alzheimer-Nachweis per Bluttest

Christoph Thurnherr, 27. September 2021, 11:46 Uhr
Der medizinische Nachweis einer Alzheimer-Erkrankung ist aufwendig und bei einer nötigen Punktierung des Rückenmarks auch schmerzhaft. Eine neue, schmerzfreie Methode per Bluttest könnte durch Forschungsergebnisse aus St.Gallen entstehen.
Ein einfacher Bluttest könnte in Zukunft für den Alzheimer-Nachweis reichen.
© imago

Verhaltensstörungen, Gedächtnisverlust, Mühe beim Sprechen und weitere Symptome: Eine Alzheimer-Erkrankung kann für Betroffene und Angehörige eine grosse Belastung darstellen. Doch besteht einmal der Verdacht einer Erkrankung, kann sich die medizinische Diagnose trotzdem noch lange hinziehen. Dafür sind langwierige und mitunter schmerzhafte Tests nötig, etwa bei der Punktierung des Rückenmarkkanals.

Dies möchte der Empa-Forscher Peter Nirmalraj ändern. Zusammen mit der Klinik für Neurologie des Kantonsspital St.Gallen hat er eine Nachweismethode entwickelt, auf deren Basis ein einfacher Bluttest entstehen könnte.

Erfolgreiche Pilotstudie

Im Zentrum von Alzheimer-Erkrankungen stehen Proteine. Genauer: Beta-Amyloid-Peptine und Tau-Proteine. Mit gängigen Verfahren können diese Proteine im Blut zwar grundsätzlich nachgewiesen werden, nur bringt das hinsichtlich der Diagnose nicht so viel, weil Angaben über Zusammensetzung und Menge bisher nicht möglich waren.

Mittels Rasterkraftmikroskop untersuchten Nirmalraj und die St.Galler Neurologen die Beschaffenheit der Proteine und es gelang ihnen, deren Grösse, Struktur und Beschaffenheit zu vermessen, ohne die Proteine zu zerstören.

In einer Pilotstudie untersuchte Nirmalaj Proben von gesunden und erkrankten Probanden und konnte feststellen, dass Alzheimerpatienten grosse Mengen der erwähnten Proteine aufweisen. Darüber hinaus erkannte er auch, dass sich die Proteine zu Fasern zusammenfügen, die mehrere hundert Nanometer lang sind. Bei gesunden Personen gibt es jedoch kaum zusammengefügte Fasern.

Bluttest in Arbeit

Das Muster der fasrigen Proteine passt mit dem Krankheitszustand der Versuchspersonen zusammen. Durch das Pilotprojekt konnten die Forscher um Nirmalaj demzufolge beweisen, dass der Nachweis durch eine Analyse mit dem Rasterkraftmikroskop grundsätzlich machbar ist.

Bis ein einfacher Bluttest im Spital zur Verfügung steht, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Das Team widmet sich als nächstes einer grösseren Studie mit weiteren Versuchspersonen in verschiedenen Krankheitsstadien.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. September 2021 11:46
aktualisiert: 27. September 2021 11:46