St.Gallen

Neueröffnung des Corso: Kulinarik statt Kino

Stefanie Rohner, 29. November 2019, 06:24 Uhr
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Quelle: tvo

Wo früher Filme über die Leinwand flimmerten, wird heute gekocht und gegessen: Das Restaurant Corso empfängt nächste Woche die ersten Gäste.

Während oben die ersten Gäste ihren Kaffee geniessen, wird unten in der Küche bereits fleissig gearbeitet. Es riecht nach Zwiebeln, in der Pfanne zischt und brutzelt es. Offiziell wird das Corso erst am 3. Dezember eröffnet, doch der Chef Markus Schenk kann die Küche auch für das Lokal Barz, welches er in St.Gallen führt, nutzen. «Im Barz haben wir eine kleine Küche, deshalb bin ich froh, im Corso eine zweite zu haben, in der ich für beide Lokale kochen kann», sagt Schenk. Der Koch mit 14 Gault-Millau-Punkten bereitet seine Menüs mit regionalen und saisonalen Produkten zu.

«Am Mittag bedienen sich die Gäste selbst, Suppe und Salat können sie vom Buffet schöpfen. Den Hauptgang holen sie direkt in der Showküche ab», sagt Schenk. Ihm ist das nachhaltige Denken in der Gastronomie wichtig, bei allen Produkten, die er verwendet. Das Fleisch kauft er am Stück und verwertet alles vom Tier. Auch beim Wein bleibt das Corso regional, die meisten der 200 bis 300 Weinsorten stammen aus dem Alpenraum mit dem Schwerpunkt Schweiz. Die Küche und der Sommelier arbeiten eng zusammen, damit geschmacklich alles passt.

«Gehen mit Mut in die Zukunft»

Noch ist nicht alles fertiggestellt - die Baustellen in den Büroräumen und im Restaurantsaal dauern noch etwas an. Der Innenraum aber ist fertig. Das Restaurant ist schlicht und elegant eingerichtet. Befindet man sich in den neuen Räumen, erinnert eigentlich gar nichts mehr an das alte Stadtkino. Wo einst die Kinoleinwand war, befindet sich heute ein riesiges Wandbild des Künstlers Franz Ackermann.

«Dass es genau dort ist, hat etwas Nostalgisches», sagt Ackermann. Er respektiere die Emotionen der St.Gallerinnen und St.Galler, die ihre Jugend im Kino Corso verbracht haben.  «Ich hoffe, sie können diese Geschichten in guter Erinnerung behalten. Der bauliche Eingriff in die Vergangenheit war so stark, dass ich keine Notwendigkeit sah, eine Referenz zum Kino herzustellen. Wir gehen mit Mut in die Zukunft.» Der Künstler mag aber Kinos und in seiner Jugend waren sie sehr wichtig für ihn. «Da sind wir immer mit dem Töffli hingefahren und haben uns gemeinsam einen Film angeschaut. Heute sehe ich die Gefahr, dass hervorragende Filme durch die portablen Medien vermehrt einzeln geschaut werden - das gemeinsame Erlebnis fällt dann weg», sagt er.

Kreissägen, Staub und Kunst

Der Künstler, der in Berlin und Karlsruhe lebt und arbeitet, fand sich in einem speziellen Setting wieder. «Wenn ich Ölbilder male, ist das meist eine sehr einsame Arbeit im Atelier. Hier während der Bauarbeiten zu malen, war sehr spannend. Man muss sich darauf einstellen, dass es staubig ist oder dass mal den ganzen Tag eine Kreissäge läuft. Aber ich muss sagen, es war sehr wohltuend, so zu arbeiten», sagt Ackermann. Die Arbeiten an den beiden Wandbildern im Treppenhaus und der Bar mussten immer mit den Arbeiten auf der Baustelle abgesprochen werden. Die Bilder sind sehr farbig, starke und warme Farben dominieren. «Vielfarbig, nicht bunt», sagt er gerne. Betritt man das Lokal, sticht das Bild gleich ins Auge, man wird mit Kunst konfrontiert. «Kunstinteressierte gehen sonst gezielt in Ausstellungen, hier erleben sie Kunst im Alltag.»

«Wir wollen eine gute Atmosphäre»

Johannes Senn, Geschäftsführer der Senn Gruppe, die Inhaberin des Corsos ist, zeigt sich begeistert über die Wandbilder. «Wir arbeiten bei der Kunstwahl eng mit dem Kunstmuseum zusammen und Franz Ackermann wurde uns empfohlen. Und ich muss sagen, das hat trotz Baustelle wunderbar funktioniert», sagt Senn. Er und seine Mitarbeitenden werden im Februar 2020 die Büroräumlichkeiten im oberen Stock beziehen und jeden Tag an den Kunstwerken vorbeikommen.

«Zuvor hatten wir weisse Wände, das ist daher eine tolle Abwechslung. Wir wollen eine gute Atmosphäre erzeugen und die Leute sollen sich beim Kaffeetrinken im Restaurant erholen können», sagt Senn. Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, das alte Kino in das neue Restaurant zu verwandeln. «Nun hoffen wir, dass wir mit unserem Angebot das Quartier gut ergänzen können und freuen uns auf die kommende Zeit», sagt Senn. 

Johannes Senn, Geschäftsführer der Senn Gruppe

© St.Galler Tagblatt/Urs Bucher

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. November 2019 18:35
aktualisiert: 29. November 2019 06:24