St.Gallen

Noch nicht genug behindertengerechte Bushaltestellen

Marc Sieger, 29. August 2019, 18:10 Uhr
Gerade mal 100 von 1300 Bushaltestellen im Kanton St.Gallen sind behindertengerecht.
© zVg
Der Kanton St.Gallen ist mit dem behindertengerechten Ausbau der Bushaltestellen im Hintertreffen. Dies ist dem neuesten Bericht zum öffentlichen Verkehr zu entnehmen. Bis 2024 müssten alle Haltestellen barrierefrei sein.

Rund 1300 Bushaltestellen gibt es im Kanton St.Gallen. Bis am 1. Januar 2024 müssten diese für Menschen mit eingeschränkter Bewegung barriefrei sein. Dies schreibt das Schweizer Behindertengleichstellungsgesetz vor, das seit 2004 gilt. 

909 von 1300 Haltestellen nicht behindertengerecht 

Mit der Umsetzung der Massnahmen für behindertengerechte Bushaltestellen ist der Kanton St.Gallen jedoch im Hintertreffen, wie dem Bericht zum öffentlichen Verkehr von 2019 zu entnehmen ist. So heisst es im Bericht, dass von den 1300 Bushaltestellen gerade mal bei 100 Haltekanten ein hindernisfreier Einstieg in Bus und Bahn möglich ist. 909 Haltestellen seien noch nicht «normenkonform». Das heisst: Unter anderem entspricht die Höhe der Haltekanten nicht den vorgegebenen 22 Zentimetern. Von über 350 Stellen kennt der Kanton den Stand der Umsetzung nicht.

Einhalt der Frist kaum möglich 

Selbsterklärter «Kümmerer» in Sachen behindertengerechte Bushaltestellen ist das Amt für öffentlicher Verkehr des Kanton St.Gallen. «Wir sind bei weitem nicht auf Kurs», sagt Amtsleiter Patrick Ruggli. Er glaube nicht, dass die Frist bis Januar 2024 eingehalten werden könne. «Wir können aber lediglich die verantwortlichen Strasseneigentümer darauf aufmerksam machen, dass sie die Haltestellen umbauen müssen», sagt Ruggli.

Die Strasseneigentümer, das sind die Gemeinden und der Kanton. Bei letzterem ist das Baudepartement zuständig.

Grosse Projekte verzögern Massnahmen 

Wie es beim Tiefbauamt des Kanton St.Gallen heisst, seien viele der Massnahmen Bestandteil grösserer baulicher Projekte auf den Kantonsstrassen. «Dabei sind viele Personen involviert, es gilt Einsprachen abzuarbeiten, Partizipationsverfahren durchzuführen und Bedürfnisse abzuklären. Dies führt zu einem langen Zeithorizont», sagt Manfred Huber, Leiter Strassen- und Kunstbauten des Tiefbauamtes. Die Haltestellen würden nach einer Kosten-Nutzen-Analyse beurteilt. Die wichtigsten Haltestellen im Kanton wolle man innerhalb der Frist des Behindertengleichstellungsgesetz anpassen, sagt Huber. «Alle sind aber nicht möglich, das dauert länger.» Wie lange kann Huber nicht sagen. Zurzeit seien gut 160 Projekte auf St.Galler Kantonsstrassen in Arbeit.

Behindertenrechte Haltestellen «auf die leichte Schulter genommen» 

Beim Amt für öffentlicher Verkehr pocht man darauf, diese rasch voranzutreiben. Amtsleiter Ruggli: «Das Thema behindertengerechte Haltestellen wurde die vergangenen Jahre etwas auf die leichte Schulter genommen.» Auch wenn es unrealistisch sei, dass bis 2024 alle Bushaltestellen im Kanton barrierefrei sind, gelte es voranzumachen. Könne die Frist nicht eingehalten werden, müsse man damit rechnen, dass Private und Behindertenorganisationen auf dem rechtlichen Weg Druck machen würden. 

 

 

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. August 2019 18:02
aktualisiert: 29. August 2019 18:10