Abgesagter Festivalsommer

OASG-Direktor: «Kann mir nicht vorstellen, Ende Juni zu Hause zu sein»

Lara Abderhalden, 29. April 2020, 18:24 Uhr
Es wird keinen Festivalsommer geben: Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen werden bis Ende August verboten. Davon betroffen sind sämtliche Konzerte und Openairs - darunter auch das OpenAir St.Gallen, das Frauenfelder Openair und das Openair Lumnezia.

Lange wurden die Festivals geplant, nun ist klar: Diesen Sommer wird es keine grossen Festivals geben. Das Openair Frauenfeld kündigt für nächstes Jahr (7. bis 10 Juli 2021) ein grosses Festival mit einem zusätzlichen Tag an. Das Line-Up werde wenn möglich übernommen. Auch das Openair Lumnezia findet nächstes Jahr analog zu diesem Jahr am 22. Bis 24. Juli 2021 statt. Ebenfalls werde versucht, das Line-Up zu übernehmen. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Das OpenAir St.Gallen wird auf den 1. bis 4. Juli 2021 verschoben. Der OASG-Direktor Christoph Huber war für ein Interview nach der Medienkonferenz erreichbar.

Herr Huber, heute folgte vom Bundesrat ein Entscheid, auf den Sie schon lange gewartet haben. Wie haben Sie darauf reagiert?
Wir haben die letzten Wochen funktioniert und uns auf Szenarien eingestellt. Wir waren emotional darauf vorbereitet. Jetzt fühlen wir eine Leere. Zwar wissen wir, was Fakt ist und fühlen eine Erleichterung, weil wir für das nächste Jahr planen können, aber die Emotionen sind gross. Ich bin seit 30 Jahren jedes Wochenende Ende Juni im Sittertobel und kann mir nicht vorstellen, Ende Juni einfach zu Hause zu sein.

Haben Sie bereits viele Reaktionen von Fesivalbesuchern bekommen?
Ja, wir haben gespürt, dass die Besucher in den letzten Wochen mit uns mitgefiebert haben. Die Solidarität und der Support waren sehr gross auch von den Sponsoren, Partnern und Künstlern. Wir haben die Leute lange warten lassen, weil wir auf eine Entscheidung des Bundesrates angewiesen waren. Nun ist die höhere Gewalt gegeben. Wir möchten den Besuchern jetzt signalisieren, dass sie sich auf das nächste Jahr freuen können. Dass es dann viele Veränderungen wie den Daydance oder die Newcomer-Bühne geben wird. Wir werden viele Dinge ins nächste Jahr mitnehmen und die Ausführung 2021 zum besten Openair machen.

Wird das OpenAir St.Gallen nächstes Jahr das gleiche Line-Up haben?
Wir werden viele positive Elemente übernehmen. Mit den Künstlern sind wir derzeit im Dialog und zuversichtlich, dass wir einen Grossteil des Line-Ups im nächsten Jahr übernehmen können. Es wird aber Veränderungen geben und Künstler wegfallen, aber auch Künstler dazukommen. Solche, die beispielsweise neue Musik veröffentlichen oder nächstes Jahr wieder einen Slot frei haben.

Was passiert mit den gekauften Tickets?
Grundsätzlich wollen wir die Besucher dazu aufrufen, ihr Ticket zu behalten. Es behält nächstes Jahr seine Gültigkeit. Wir denken auch, dass sich viele Leute sagen werden: ‹Gut, dann gehe ich halt nächstes Jahr.› Es gibt aber auch die Möglichkeit einer Rückerstattung. Darüber werden wir in den nächsten Tagen informieren.

Dennoch ist ein Verlust vermutlich unausweichlich. Ist das 2020 ein Festivaljahr zum Vergessen?
Ein substantieller Verlust wird bleiben. Es gibt zwar Mittel des Bundes mit Kurzarbeit oder den Covid-19-Krediten und auch die Behörden und Kantone arbeiten an Lösungen. Dennoch müssen alle Festivalveranstalter einen gewissen Verlust verkraften können. Es wurde ein Jahr lang gearbeitet und jetzt findet kein Festival statt.

Ist die Zukunft des OpenAirs St.Gallen gefährdet?
Wir werden alles daran setzen, dass es das OpenAir St.Gallen in Zukunft in gleichem Umfang geben wird. Es wird ein hartes Jahr für die Eventindustrie, Konzert- und Festivalveranstalter. Schlussendlich brauchen wir nächtes Jahr einfach ein erfolgreiches und gutes Festival. Wir konnten bereits dieses Jahr einen guten Teil der Tickets verkaufen und hoffen, den Rest nächstes Jahr absetzen zu können. Da braucht es sicher auch Vertrauen in den Markt, dass die Leute wieder gewillt sind, an grössere Veranstaltungen zu gehen.

Die Existenz des Openairs ist aber nicht in Gefahr?
Die Situation ist nicht einfach, aber wir sind zuversichtlich, dass wir einen Weg finden werden.

Was gilt für das Summerdays Festival in Arbon?
Auch dort werden wir einen Teil der Künstler übernehmen können. Das Summerdays wird 2021 vom 3. bis am 4. September stattfinden. Wichtig war, dass wir bei den Festivals nicht irgendeine Lösung durchzwängen, die im Moment von den Besuchern gar nicht erwünscht ist.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. April 2020 18:24
aktualisiert: 29. April 2020 18:24