Wegen Corona und Krieg

Olma-Messen brauchen 20 Millionen Franken – und wollen deshalb zur AG werden

17. August 2022, 19:46 Uhr
Die Olma-Messen brauchen Geld. Nach coronabedingt schwierigen Jahren will sich die Genossenschaft deshalb in eine Aktiengesellschaft umwandeln und sich damit «dem Publikum öffnen». Die Coronagelder von Stadt und Kanton St.Gallen sollen derweil in Eigenkapital umgewandelt werden. Das Vorhaben ruft auch Kritiker auf den Plan.

Quelle: TVO

Was die finanzielle Situation der Olma Messen angehe, sei er «nicht entspannt», liess Olma-Verwaltungsratspräsident Thomas Scheitlin im März 2022 verlauten. Es ist kein Geheimnis, dass die Corona-Zeit der Messen-Genossenschaft massiv zugesetzt hat. Der Umsatz brach in den Jahren 2020 und 2021 auf circa ein Drittel des prä-pandemischen Ertrags ein.

Gebeutelt durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg

Rund fünf Monate später gibt sich Scheitlin wesentlich gelassener: «Wenn ich sehe, was wir bis heute für Massnahmen erarbeitet haben, bin ich merklich entspannter», sagt er gegenüber FM1Today. Über diese Massnahmen haben die Messen-Verantwortlichen um Scheitlin und Direktorin Christine Bolt am Mittwochvormittag informiert.

Der Plan sieht vor, dass die Olma-Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird. Hauptziel des Rechtsformwechsels: Die Beschaffung von rund 20 Millionen Franken Eigenkapital. Geld, dass die Olma-Messen dringend nötig haben, denn nicht nur die Coronapandemie sorgte für finanzielle Einbussen, auch der Ukraine-Krieg hat Folgen.

Dies insbesondere beim Bau der neuen Halle 1 über der Autobahn, wie Olma-Direktorin Christine Bolt erklärt: «Der Ukraine-Krieg hat die Baukosten für die Halle 1 massiv verteuert.» Laut Bolt sollen zehn Millionen Franken des neu generierten Geldes die Bauteuerungen ausgleichen.

Coronagelder sollen in Eigenkapital umgewandelt werden

Eine weitere Massnahme sieht vor, dass die gesprochenen Corona-Darlehen von Stadt und Kanton in Eigenkapital umgewandelt werden. Das waren im Jahr 2020 jeweils 8,4 Millionen Franken und damit gesamthaft 16,8 Millionen Franken. In den Jahren 2021 und 2022 erhielten die Olma-Messen keine staatlichen Unterstützungsgelder mehr.

Nun müssen Stadt und Kanton diesem Vorhaben noch zustimmen (siehe Box). Scheitlin und Bolt zeigen sich zuversichtlich: Die Olma-Messen spielen für die Standortattraktivität St.Gallens eine äusserst wichtige Rolle, betonen beide mehrfach.

Mit der Umwandlung der Olma-Messen in eine Aktiengesellschaft würde neu zudem gelten: Wer mehr Anteile besitzt, hat mehr zu sagen – mit den zusätzlichen 8,4 Millionen Franken Eigenkapital würde also beispielsweise die Stadt St.Gallen, welche bereits jetzt grösster Genossenschafter ist, wesentlich mehr Einfluss als bisher erhalten. Bisher galt das Prinzip der Kopfstimme: Es spielte keine Rolle, wie viele Anteile ein Genossenschafter hatte, jeder hatte nur eine Stimme zur Verfügung. Laut Scheitlin eine Konstellation, die «nicht ganz fair» ist.

Skepsis aus linken Kreisen

An der DNA der Olma soll sich derweil nichts ändern, so Scheitlin. «Nur das Kleid der Olma wechselt, der Inhalt soll derselbe bleiben», so der ehemalige St.Galler Stadtpräsident. Er zeigt sich überzeugt, dass dies realistisch ist. Man übernehme einen Grossteil der Genossenschafs-Statuten in jene der Aktiengesellschaft.

Weniger überzeugt davon sind die SP-Fraktionen von Stadt und Kanton St.Gallen. Sie befürchten durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft das Gegenteil – eine Entfernung von der Bevölkerung und befürworten einen Verbleib der Olma Messen in der Genossenschafts-Form.

Eine Öffnung für das breite Publikum sei auch so möglich: «Dann hätten alle die gleichen Rechte und die Olma wäre wirklich eine Institution der Bevölkerung», heisst es in einer Medienmitteilung. Kritisch sehen die Sozialdemokraten auch die Umwandlung der Coronagelder in Eigenkapital – auf diesem Weg finanziere die öffentliche Hand die Entwicklung einer bald privaten AG.

«Spüren richtige Aufbruchstimmung»

Gerade in den Parlamenten dürfte es damit im Herbst noch Diskussionsstoff geben. Für Olma-Direktorin Christine Bolt ist der Ausblick auf diese Zeit derweil vor allem eines – erfreulich: «Ich bin sehr zuversichtlich, wir haben sehr viele Anfragen, im Kongress- und Eventbereich so viele wie noch nie.» Auch die Messen seien bereits gut gebucht, die Zahlen bewegten sich annähernd im Bereich der Zeit vor der Pandemie. «Wir spüren eine richtige Aufbruchstimmung», so Bolt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. August 2022 17:14
aktualisiert: 17. August 2022 19:46
Anzeige