Ostschweizerin erfindet das Motorrad neu

Sarah Lippuner, 2. Februar 2019, 14:59 Uhr
Motorräder sind ihre Leidenschaft - darum hat die ETH-Studentin Ronja Fäh aus Oberuzwil ein neues Motorrad entwickelt und gebaut. Zusammen mit acht Männern war sie die einzige Frau im Team.

«Es war schon ein mega gutes Gefühl, als unser Töff endlich auf der Rennstrecke fuhr», sagt eine strahlende Ronja Fäh im Interview mit FM1Today. Ein Jahr lang entwickelte und baute die 24-jährige Oberuzwilerin mit ihren Studienkollegen das neuartige Motorrad. Von Grund auf wurde es von den ETH-Studenten designt. Die Neuigkeit dabei: Das Fahrgestell besteht aus Carbon, dem leichten Gewebe aus Kohlenstofffasern, das man vor allem aus der Flugzeugbranche kennt.

«Wir wollten mit dem Projekt zeigen, dass es möglich ist, ein Motorrad mit einem Fahrgestell aus Carbon herzustellen. Schon vor uns gab es einige Versuche, ein solches zu entwickeln, diese wurden aber nie vollendet.» Sie haben es nun geschafft: Der Carbon-Töff der ETHler fährt tiptop.

«Bin es mir als einzige Frau gewohnt»

Dass die Oberuzwilerin die einzige Frau im Team war, ist sie sich schon seit sechs Semestern gewohnt. «Wenn man Maschinenbau an der ETH studiert, ist es normal, die einzige Frau zu sein. Ich schätze, wir haben nur etwa zehn Prozent Frauenanteil.» Obwohl sie sich auf Sprüche gefasst gemacht hatte, blieben diese aus. «Ich glaube, es wird heute als normal angesehen, dass auch Frauen Töff fahren.» Fäh selbst fährt seit gut vier Jahren Motorrad.

Töfffahren gehört zu Ronjas Alltag. (Bild: zVg)
Töfffahren gehört zu Ronjas Alltag. (Bild: zVg)

Im Rennen mit 71 Universitäten

Carbon ist trotz seiner Leichtigkeit in der Motorradindustrie nicht sehr gefragt, da das Material relativ steif ist. Um ihr Motorrad wendiger zu machen, entwarf das ETH-Racing-Team ein komplett neues Fahrgestell. Im Oktober 2018 trat das Team als erstes aus der Schweiz an der internationalen «MotoStudent Competition» an. Auf einer Rennstrecke in Aragón behauptete sich ihr Motorrad gegen jene von 71 Universitäten aus 17 Ländern, und das mit Erfolg: «Das Feedback von professionellen Motorradrennfahrer war sehr positiv», sagt Fäh. In einer Kategorie gewann das Team den dritten Platz.

Projekt kostete über 100'000 Franken

Die grösste Herausforderung für die Studentengruppe war die Finanzierung des Projekts. Die ETH stellt abgesehen von der Infrastrukur nichts zur Verfügung. «Ohne Sponsorings hätten wir es nicht geschafft. Die theoretischen Kosten würden sich auf über 100'000 Franken belaufen. Die «Swiss Moto» hat uns gerettet, nur dank ihrem Sponsoring brachten wir das Motorrad fertig.» An der «Swiss Moto», der jährlichen Motorradmesse in Zürich, wird der Töff vom 21. bis 24. Februar ausgestellt.

Ronja Fähs Zukunft steht für sie aber lieber in den Sternen als auf zwei Rädern. «Mein Lieblingsziel wäre ein Job in der Weltraumindustrie», sagt die frischgebackene Masterstudentin. Dafür würde sie auch in die USA gehen, noch lieber aber in Europa bleiben.

Sarah Lippuner
veröffentlicht: 2. Februar 2019 14:59
aktualisiert: 2. Februar 2019 14:59