Panzerübungen sorgen für Staus

Lara Abderhalden, 23. März 2017, 22:27 Uhr
Viele Wege führen nach Rom, leider aber nicht ins Toggenburg. Wer zu den Churfirsten will, braucht auf der Strasse im Moment Geduld. Die Fahrt nach und aus dem Toggenburg wird nicht nur von Bahnübergängen und Baustellen erschwert, jetzt kriechen auch noch Panzer zu den Stosszeiten durchs Tal.

«Ich habe heute Morgen von Wil nach Wattwil 36 Minuten länger für die Fahrt benötigt als normalerweise», schreibt uns FM1Today-Reporter Miawa. «Warum müssen die Panzer zu den Stosszeiten durch das Toggenburg fahren?» Miawa ist nicht die einzige Person, die sich das fragt. Zahlreiche Autofahrer standen diese Woche schon im Stau und dies an Stellen, an denen der Verkehr normalerweise fliesst. Schuld an den Verzögerungen sind Panzerverschiebungen, welche diese und auch nächste Woche stattfinden.

«Wir versuchen Stosszeiten zu umgehen»

Bei der Schweizer Armee ist man sich bewusst, dass die Panzerverschiebungen Staus verursachen können: «Die Armee macht halt manchmal ein wenig Lärm, dafür bietet sie Schutz. Wir sind darauf angewiesen, die öffentlichen Strassen zu benutzen, die heute sowieso schon stark befahren sind», sagt Lukas Graf, Presse und Informationsoffizier der Art Abt 10. Dass es bei den Panzerverschiebungen vereinzelt zu Wartezeiten für Autofahrer komme, sei bedauerlich aber unvermeidlich. «Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis».

Die Art Abt 10 absolviert im Raum Frauenfeld und Toggenburg im Moment den Wiederholungskurs 2017. Damit die Panzer zu den Schiessplätzen (zum Beispiel in der Schwägalp) und wieder zurück gelangen, sind die Verschiebungen notwendig. «Wir erleben es nicht so, dass sich die Leute über die Verschiebungen nerven. Im Gegenteil: Viele haben Verständnis für die Situation», sagt Graf.

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«Die Panzer haben eine Schiessbewilligung bis 18.00 Uhr». Normalerweise würde darauf geachtet, dass die Panzer die Stosszeiten umgehen können. «Wir versuchen alles Mögliche, um die Wartezeiten zu verringern.» Unter anderem würden die Fahrzeuge von Verkehrssoldaten begleitet und fahren mit einem Abstand von 50 respektive bei grossen Panzern 100 Metern hintereinander. So bestehe stets die Möglichkeit, die Panzer zu überholen. Kritisch ist die Situation am Morgen und am Abend, wenn die Menschen zur und von der Arbeit kommen.

Mit 30km/h unterwegs

«Am Mittwoch konnten wir wegen des Nebels lange nicht schiessen», sagt Graf. Deshalb habe sich die Panzerverschiebung verzögert. Am Donnerstag beispielsweise wird auf der Schwägalp früher geschossen, sodass die Panzer früher wieder auf dem Rückweg sind. Trotzdem kann sich auch die Verschiebung am Donnerstag hinziehen.

«Die Panzer sind mit 30 Stundenkilometer unterwegs. In den einzelnen Dörfer sind sie sogar noch langsamer.» Vier bis fünf grosse Panzer mit Rohren sind jeweils unterwegs, ausserdem drei Schützenpanzer und diverse «Pneufahrzeuge». Die Schiessübungen und damit die Verschiebungen dauern noch bis am kommenden Mittwoch.

Fahren zu Stosszeiten erlaubt?

«Dürfen Panzer überhaupt vor 8.00 Uhr und zu den Stosszeiten auf Autobahnen und Autostrassen unterwegs sein?», fragt uns Miawa. Ja, dürfen sie. Wie der Chef Kommunikation Verteidigung Daniel Reist auf Anfrage sagt, gibt es eine Sperrzeit, die von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr morgens dauert. «Es kann sein, dass man die Motoren schon vor 6.00 Uhr hört.» Zu diesem Zeitpunkt würden sie aber erst angelassen. «Ansonsten waren die Panzer nie vor 6.00 Uhr unterwegs.»

Der Graus mit den Staus wird in den nächsten Tagen also weitergehen, die Rohre werden sich auch zu Stosszeiten durch das Toggenburg bohren und verboten ist das Befahren der Autobahnen zu Stosszeiten nicht.

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 23. März 2017 17:20
aktualisiert: 23. März 2017 22:27