Anzeige
St.Gallen

Pflege, Gastro, Detailhandel: Der 1. Mai im Zeichen der Pandemie

1. Mai 2021, 19:47 Uhr
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: tvo

Die Lohnschere geht immer weiter auf und die Arbeitsverhältnisse vieler Branchen werden immer prekärer. Am 1. Mai forderten die Ostschweizer Gewerkschaften und rund 500 Menschen in St.Gallen die soziale Wende. Berufe, die am meisten unter der Pandemie leiden, bräuchten dringend Hilfe.

«Respektiert uns, schützt uns, bezahlt uns!» – Eines der Transparente, die am Samstag von Demonstrierenden durch die Stadt St.Gallen getragen wurden. Mit Banner und lauthals Parolen schreiend, zogen rund 500 Personen friedlich, mit Masken und – wo möglich – mit Abstand durch die Innenstadt.

Reiche immer reicher

Ihre Forderung: Die Ungleichheit muss aufhören. Während die Reichen immer reichen würden, kämpfe die Arbeiterklasse mehr denn je, sagt Barbara Gysi, Präsidentin des Gewerkschaftsbundes Kanton St.Gallen: «Man hat gesehen, dass gerade Menschen mit tiefem Einkommen ganz besonders durch die Pandemie gefährdet sind. Sie erkranken häufiger, das steht in einer Studie der Universität Bern.» Es gelte, die Lebensbedingungen von Menschen in prekären Situationen zu verbessern. Das heisst im Klartext: Höhere Löhne, bessere Sozialleistungen und gute Gesamtarbeitsverträge.

Der Bund braucht eine Strategie

Ähnlich klingt es auch im Nachbarkanton. Im Murgpark in Frauenfeld tritt mit Pierre-Yves Meillard der oberste Gewerkschafter der Schweiz ans Rednerpult. Er nimmt den Bund in die Verantwortung. Es gelte nicht nur, das Virus zu bekämpfen, sondern auch mehr Unterstützung zu leisten für Menschen, die aufgrund der Umstände ihren Lebensunterhalt verloren haben: «Der Staat braucht nicht nur eine Strategie für die Bekämpfung der Krankheit, sondern auch eine für die Öffnung und die Zukunft unseres Landes.» Für die stark gebeutelten Branchen wie den Einzelhandel oder die Gastronomie brauche es Massnahmen. In dieser Hinsicht erhofft sich Meillard stärkere Intervention seitens Regierung.

Klatschen als Lohn ist nicht genug

Eine dieser Branchen ist auch die Pflege. Fatime Zekjri vertritt in der Unia die Pflegeberufe und berichtet vom Personal am Anschlag, das zu schlechtesten Bedingungen um das Leben von Covid-Patienten kämpft. Der Dank dafür war Beifall aus der Bevölkerung. Diese Aktion hinterlässt beim Pflegepersonal einen schalen Beigeschmack, sagt Zekjri: «Sie haben sich gefreut, doch dann haben sie sich auch verarscht gefühlt. Sie haben gemerkt: Es war nur ein Applaus, mehr gibt es nicht.» Wichtig sei daher, dass früher oder später ein Gesamtarbeitsvertrag in der Pflege eingeführt werde. «Dann kann man Verbesserungen niederschreiben und er gilt dann für jede und jeden.»

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 1. Mai 2021 19:45
aktualisiert: 1. Mai 2021 19:47