HSG-Skandal

Plagiatsaffäre noch nicht abgeklärt – Institutsleitung entzogen

05.06.2023, 19:01 Uhr
· Online seit 05.06.2023, 11:46 Uhr
Die Universität St.Gallen zieht weitere Konsequenzen und entzieht Wolfgang Stölzle die Leitung des Instituts per sofort. Zu den Hauptvorwürfen des Plagiats gegen einen weiteren Professor gibt es noch keine Resultate.

Quelle: TVO

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Wolfgang Stölzle ist per sofort nicht mehr Leiter des Instituts für Supply Chain Management (ISCM). Die Führung übernimmt bis auf Weiteres Thomas Friedli, der bereits im Februar als Beistand des Instituts eingesetzt worden war.

«Nicht alle Vorwürfe, die von verschiedenen Seiten gegen Wolfgang Stölzle erhoben worden sind, konnten erhärtet werden», sagt HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller. Aber: «Einzelne schwere Vorwürfe haben sich bestätigt oder es besteht Grund zur Annahme, dass sie zutreffen könnten.»

«Aus den Ereignissen lernen und handeln»

Die Prüfgruppe unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundesrichters Niklaus Oberholzer kam zum Schluss, dass «die Einordnung des Instituts in gesamtuniversitäre Abläufe fehlte», weiter «bestand eine problematische Führungskultur» und «es gab eine starke Vermischung dienstlicher und privater Interessen».

Ehrenzeller sagt: «Wir bedauern es zutiefst, dass es zu einem solchen Missbrauch der Vertrauenskultur kommen konnte. Ich kann versichern, dass das Rektorat aus den Ereignissen lernt und handelt.»

Derzeit laufen noch weitere Abklärungen, künftige Massnahmen sind nicht ausgeschlossen. «Zudem hat der Universitätsrat das Rektorat beauftragt, bis im Herbst Lösungsansätze zu den Themenkomplexen Professoren unternehmungen, Nebenbeschäftigungen sowie Beschäftigung von Familienmitgliedern sowie Partnerinnen und Partnern zu entwickeln und vorzulegen.»

Mehrere Beschwerden anonym eingereicht

Im Zuge des HSG-Skandals wurde für drei Monate eine weitere anonyme Beschwerdestelle bei einer Zürcher Anwaltskanzlei eingerichtet. Dort kamen zwischen Januar und März insgesamt 37 Meldungen ein.

«Keine der Meldungen hat eine Sofortmassnahme erfordert», heisst es. Die meisten Fälle betraf die Situation der Doktorierenden, hier erhofft sich die Uni Verbesserungen durch die kürzlich verabschiedete Doktoratsreform. In Einzelfällen wurden die Betroffenen um Stellungnahmen angefragt.

Im Herbstsemester ist eine Informationskampagne geplant, um die internen Stellen, die Ombudsstelle und die Meldestelle für Missstände bei den Leuten besser bekannt zu machen.

Die Medienkonferenz kannst du im Liveticker nachlesen.

Schwierige Suche nach Experten

Langsamer als geplant laufen die Abklärungen zu den Plagiatsvorwürfen gegen einen weiteren Professor der HSG. «Es stellte sich als schwierig heraus, geeignete, unabhängige Fachleute für die Überprüfung zu finden», heisst es. Erst Ende April konnten zwei Fachpersonen für die Mitarbeit in der Kommission gewonnen werden.

«Die HSG wird zum Gesamtergebnis der Überprüfung so rasch wie möglich kommunizieren. Zudem steht sie mit der Technischen Universität Darmstadt in Kontakt, welche bereits im Februar 2022 eine Kommission zur Überprüfung der dort eingereichten Dissertation des Professors eingesetzt hat.»

Die Vorwürfe waren teilweise massiv: Ein Professor der Universität St.Gallen soll bei seiner Arbeit abgeschrieben haben, auch Arbeiten von Studierenden soll er unter seinem eigenen Namen publiziert haben. Ebenfalls in den Fall verwickelt ist der HSG-Institutsleiter Wolfgang Stölzl, der den Kollegen bei der Habilitation betreute. Stölzl wurde zudem eine zu starke Vermischung von privaten und universitären Interessen vorgeworfen.

Im Video gibt es die Reaktionen aus der Politik zum Untersuchungsbericht der HSG:

Quelle: TVO

(red.)

veröffentlicht: 5. Juni 2023 11:46
aktualisiert: 5. Juni 2023 19:01
Quelle: FM1Today

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