Ostschweizer Heime

«Rechnen mit Ansturm» – Weihnachts- und Corona-Haustiere bald wieder im Heim?

Sandro Zulian, 4. Januar 2021, 14:23 Uhr
Die Erfahrungen in Tierheimen im FM1-Land sind unterschiedlich. (Symbolbild)
© iStock/djgunner
Ein Kätzchen als Weihnachtsgeschenk oder ein Welpe gegen die Corona-Einsamkeit: In manch einem Tierheim bemerkt man, dass gewisse Menschen mit ihrem neuen Kompagnon bereits überfordert sind. Während der Pandemie macht sich zudem ein neues, unangenehmes Phänomen breit.

Noch immer sind süsse Katzenbabys oder herzige Welpen gern gesehene «Geschenke» unter dem Christbaum. Im Pandemie-Jahr 2020 haben sich viele Menschen im Homeoffice zudem ein Haustier gegen die Einsamkeit angeschafft. Manche dieser Käufe entpuppen sich als Überforderung für die eine oder den anderen Neuling unter den Haustierhaltern. Hört man sich in den hiesigen Tierheimen um, könnten die Erfahrungen jedoch kaum gegensätzlicher sein.

Viele kaufen wörtlich die «Katze im Sack»

«Wir hatten vor allem während der Coronazeit viele Anfragen von Leuten, die eine Katze adoptieren wollten», sagt Jeannine Meister von der Katzenstation in Buchs. Sie geht davon aus, dass den Leuten im Homeoffice langweilig wurde und sie sich Gesellschaft wünschten. Einige davon merken aber schnell, dass das Tier mehr Zuwendung braucht, als angenommen.

Dass Katzen immer wieder unter dem Weihnachtsbaum landen, sieht Meister als problematisch an: «Wir schliessen grundsätzlich schon vor den Festtagen bis Anfang Januar und geben keine Katzen heraus.» Dass es immer noch flauschige «Weihnachtsgeschenke» gibt, liege daran, dass Privatpersonen ihre Katzen oder Katzenbabys «loswerden» wollen und diese dann bei Bekannten als Geschenke enden.

Bislang verzeichnet die Katzenstation Buchs fünf sogenannte «Verzichtstiere», also Tiere, die wieder abgegeben wurden. Das sei für ihre Verhältnisse nicht wenig, gibt Meister zu bedenken. Sie appelliert an die Bevölkerung, an Weihnachten keine Tiere zu verschenken und sich nicht aufgrund von Einsamkeit unüberlegt ein Fellknäuel zuzulegen, wenn man nicht weiss, worauf man sich einlässt.

Nachfrage nach kleinen Hunden steigt

«Seit zwei bis drei Monaten ist die Nachfrage nach kleinen Hunden grösser geworden, die sind sehr gesucht», sagt Heinz Staub vom Tierheim «Sitterhöfli» in Engelburg bei St.Gallen. Bis dato hat Staub allerdings nicht bemerkt, dass es sich dabei um Corona-Impulsivkäufe handelte: «Ich weiss nicht, wie es ausschaut, wenn die Pandemie erst einmal durch ist.» Im «Sitterhöfli» wurden bis jetzt keine Tiere wieder abgegeben.

Offenbar wussten viele Tierhalter ihren Begleiter im vergangenen Jahr mehr zu schätzen als auch schon: Im Vergleich verzeichnet Staub im vergangenen Jahr einen Rückgang von Verzichtstieren von 20 Prozent gegenüber 2019.

Im Kanton Thurgau sieht es ähnlich aus wie in St.Gallen. Auf Anfrage beim Tierheim Altnau bestätigt die Leiterin des Ressorts Katzen, Elisabeth Gmünder, dass bislang noch keine Verzichtstiere abgegeben worden seien.

Bis jetzt nicht spürbar – aber bald

Ähnlich klingt es auch aus Graubünden: «Bei uns ist das noch nicht spürbar. Es könnte sein, dass sich diese Entwicklung wegen Corona noch ein bisschen nach hinten verschiebt», sagt Silja Patt vom Tierheim und Tierhotel Arche in Chur. Bislang seien noch keine Verzichtstiere eingegangen.

Patt rechnet allerdings fest damit, dass das noch passieren wird: «Wenn die Corona-Massnahmen gelockert werden, die Menschen vermehrt wieder zur Arbeit gehen können und dementsprechend weniger Zeit zu Hause verbringen, rechnen wir mit einem ziemlichen Ansturm von Verzichts- und Abgabetieren.»

Vor allem der Anstand hat in der Pandemie gelitten

Bei der Katzenstation in Buchs ist zudem ein weiteres, unangenehmes Phänomen zu beobachten, wie Jeannine Meister sagt: «Wir haben gemerkt, dass die Leute extrem penetrant und auch frech geworden sind.» Dies passiere meist, wenn Leuten der Kauf einer Katze verwehrt werde.

Meist entstehe ein negativer Bescheid zum Katzenkauf allerdings aus gutem Grund, denn die Katzenstation hat Regeln bei der Anschaffung eines Haustieres. Beispielsweise sollten Katzen wenn möglich immer zu zweit abgegeben werden und nur in Haushalte kommen, die eine genug grosse Wohnung haben.

Was alle angefragten Tierheimbetreiber unisono der Bevölkerung ins Gedächtnis rufen wollen, ist, dass ein Haustier sehr viel Hingabe und Zeit braucht. Der Kauf eines süssen Welpen oder einer herzigen Katze sollte darum wohlüberlegt sein. Ein kopfloser Schnellkauf ist zwar fix unter dem Weihnachtsbaum – aber genau so schnell auch wieder im Tierheim.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 5. Januar 2021 05:34
aktualisiert: 4. Januar 2021 14:23