Auswanderer

Rheintaler Familie vermietet Traumvilla auf Bali

Vanessa Kobelt, 21. Januar 2020, 06:50 Uhr
Jannine Carreras hat es gewagt: Mit Kind und Kegel ist sie nach Bali ausgewandert, um dort ein neues Leben zu beginnen. Sie liebt die Natur auf Bali, aber mit übergrossen Gekos und Spinnen hat sie noch etwas Mühe.

Jannine Carreras ist in Oberriet aufgewachsen und hat hier ihre ganze Kindheit und Jugend verbracht. Noch heute fühlt sich die 33-Jährige durch und durch als Rheintalerin, lebt aber in Ubud, einer Kleinstadt auf Bali. Vor zehn Monaten ist sie mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter dorthin ausgewandert. Gemeinsam haben sie für drei Jahre eine Villa gepachtet und vermieten diese an Touristen. Im Interview erzählt Jannine, wie es bisher läuft und wie die Familie auf Bali ihren Alltag gestaltet.

Was hat euch nach Bali «verschlagen»?
Wir waren schon immer gerne auf Reisen. Immer nach der Regel, niemals einen Ort zweimal zu besuchen. Bei Bali war es dann aber anders. Die Magie und die Stimmung auf der Insel haben uns in ihren Bann gezogen. Wir waren zweimal dort in den Ferien und nun leben wir dort.

Warum wolltet ihr überhaupt auswandern?
Für mich war der Spagat zwischen Karriere, Weiterbildung, Mama sein, Ehe und Haushalt einfach zu stressig. Ich sah meine Tochter abends nur für zwei Stunden und wenn mein Mann von der Arbeit kam, schlief sie oft schon. Als Familie hatten wir lediglich den Sonntag gemeinsam. Wir wollten eine andere Work Live Balance und ein idyllisches Familienleben. Als sich dann eine Villa-Vermietung in Bali ergab, packten wir die Gelegenheit beim Schopf. Wir verkauften unser ganzes Hab und Gut und sind mit 120 Kilogramm Reisegepäck nach Bali ausgewandert.

Wie lebt es sich in Bali?
In Bali ist die Putzfrau zweimal wöchentlich in der Miete inbegriffen, das Kilo Wäsche kann man für umgerechnet einen Franken waschen und perfekt bügeln lassen. Wir essen oft auswärts, weil zuhause kochen teurer ist. Wenn wir um 10 Uhr abends noch Lust auf eine Massage haben, dann kommt direkt jemand vorbei. Was will man mehr?  Das Leben hier ist zwar einfach und nicht so gehoben wie in der Schweiz, aber man hat viel mehr Zeit füreinander. Das schätzen wir sehr.

Jannine Carreras geniesst es, mehr Zeit für ihre Familie zuhaben.
© instagram.com

Wie regelt ihr euren Alltag?
Unsere Tochter geht am Morgen in eine Spielgruppe und wir haben dann Zeit für unsere Arbeit in der Villa. Dazu gehören Buchungen, Werbung auf Social Media, der Unterhalt der Villa und den Austausch mit den Mitarbeitern. Langweilig wird es uns nicht.

Was sind die schönen Seiten am Leben in Bali?
Wir lieben das Klima und die unglaubliche Natur hier. Bali ist auch überhaupt nicht gefährlich und die Balinesen sind sehr kinderlieb. Wir haben noch lange nicht alles gesehen. Mindestens einmal pro Woche fahren wir ans Meer, das ist purer Luxus für uns. Wir treffen dort viele Familien, die auch ausgewandert sind, oder sich eine Auszeit für einige Monate nehmen.

Was nervt dich an Bali?
Bali ist im Moment ein unglaublicher Hype. Die Strassen hier sind sehr schmal gebaut und wegen dem Ansturm der Touristen braucht man für kurze Strecken viel Zeit. Ich fahre zum Glück Scooter, so kann ich mich im Verkehr durchschlängeln.

Was macht dir sonst noch zu schaffen?
Es gibt auf Bali Schlangen, Spinnen, Frösche und ganz viele Gekos. Die Schlangen gehen dir zum Glück aus dem Weg, man sieht sie nur, wenn man nachts durch ein Reisfeld fährt. Auch die Frösche und die kleinen Gekos machen mir nichts aus, nur die ganz grossen will ich nicht in der Wohnung. (Da hatte ich auch schon den einen oder anderen Schreikrampf). Wegen der Spinnen hab ich immer einen Insektenspray griffbereit. An gewisse Sachen muss ich mich wohl noch gewöhnen.

In welchen Situationen hast du Heimweh?
Dank WhatsApp, Instagram und Facebook haben wir ja heute zum Glück die Möglichkeit, am Leben der anderen teilzunehmen, auch wenn sie weit weg sind. Das macht alles viel einfacher. Klar, an Weihnachten wäre ich natürlich schon gerne bei meiner Familie und bei Freunden. In Zukunft wäre es vielleicht schön, einmal im Jahr in die Schweiz zu fliegen.

Willst du für immer auf Bali bleiben?
Wir haben schon Träume und weitere Projekte im Hinterkopf, denn Bali ist momentan noch super preiswert. Letztlich ist unser Business aber vom Tourismus abhängig. Falls es aber wieder Erdbeben oder Tsunamis gäbe, wäre das schlecht. So lange es gut läuft, bleiben wir und nehmen alles wie es kommt.

Die dreijährige Tochter geht morgens in die Spielgruppe und die Eltern nutzen die Zeit, um zu arbeiten.

© FM1Today

Wie läuft es bis jetzt? Habt ihr viele Gäste?
Seit der Eröffnung im Juni ist unsere Villa fast jeden Monat zu 80 Prozent belegt. Wir hatten einen tollen Start und bis jetzt läuft es grossartig. Bis Mitte Mai sind wir sogar ausgebucht. Ich denke, zurzeit sind wir mit unserem Style und dem Auftritt der Villa einzigartig. Trotzdem: Die Konkurrenz schläft nicht, und Bali hat viele schöne Hotels und Resorts zu bieten. Wir versuchen, so gut wie möglich aus der Masse rauszustechen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Januar 2020 06:50
aktualisiert: 21. Januar 2020 06:50