Wil

Rufbusse Salü ersetzen das Wiler Abendtaxi

22. Februar 2022, 11:28 Uhr
In Wil wird das ÖV-Angebot am Abend ausgebaut. Kleinbusse fahren künftig über 100 Haltestellen in der Region an. Via App können die Fahrten gebucht werden. Für den Kanton St.Gallen und die Stadt Wil ist der neue Shuttle eine Möglichkeit, das On-Demand-Angebot zu testen.
Das Wiler Abendtaxi wird am 1. März durch den Rufbus Salü abgelöst.
© Collage: St.Galler Tagblatt/Hans Suter/salue-mobile.ch/FM1Today

Das Wiler Abendtaxi wird am 1. März durch den Rufbus Salü abgelöst. Dies schreibt die Betreiberin Bus Ostschweiz AG in einer Medienmitteilung. Mit Salü, das via App bedient wird, werden Fahrgäste nicht nur – wie beim Abendtaxi – vom Bahnhof nach Hause gefahren, sondern auch von virtueller Haltestelle zu virtueller Haltestelle in der Region Wil. Zum Beispiel von einer Haltestelle in der Nähe der eigenen Wohnung zum Bahnhof.

Salü ist ein On-Demand-Shuttle, was bedeutet, dass Fahrgäste die Fahrten auf Abruf buchen – ähnlich wie bei einem Taxi. Dabei gibt es keinen Fahrplan, keine fixen Linien und keine festgelegten Abfahrtszeiten. Dafür gibt es feste Abfahrtsorte: Innerhalb des Betriebsgebietes in Wil, Wilen, Bronschhofen und Rossrüti wird es über 100 virtuelle Haltestellen geben. Salü gehört zum Angebot von Wil Mobil, das von der Bus Ostschweiz betrieben wird.

Das bisherige Angebot am Abend werde mit dem On-Demand-Shuttle ausgeweitet, sagt Roland Ochsner, Unternehmensleiter von Bus Ostschweiz. «Wir können mit dem Shuttle verschiedene Verkehrsbeziehungen bedienen, nicht mehr nur die Richtung vom Bahnhof nach Hause.» Den Busbetrieb am Abend auszuweiten, hätte zu hohe Kosten verursacht. Mit wenig Mehraufwand habe man nun eine Qualitätssteigerung, sagt Ochsner.

Gäste mit gleicher Fahrtrichtung steigen unterwegs zu

Was unterscheidet Salü noch vom Taxi? Bei Salü können unterwegs andere Fahrgäste zusteigen, die in dieselbe Fahrtrichtung reisen. Fahrten müssen über die Salü-App gebucht werden. Die App bündelt verschiedene Anfragen und generiert die Route so, dass mehrere Leute das gleiche Fahrzeug benützen können. Der Nachteil: Eine Buchung muss zwingend online erfasst werden. Telefonische Anfragen können nicht entgegen genommen werden, wie der Unternehmensleiter sagt.

Seit vergangenem Freitag bis Ende Monat finde eine Pilotphase statt, bei der das neue System ohne Fahrgäste getestet werde, sagt Ochsner. Ab März stehen dann vier Fahrzeuge, zwei davon sind Elektroautos, für die Kundschaft bereit. Es handelt sich dabei um die Fahrzeuge, die auch bisher im Abendtaxi von Umwelttaxi Schwendimann im Einsatz waren. Dieses Unternehmen bot zusammen mit Wil Mobil das bisherige Abendtaxi an. Die Zusammenarbeit werde nun in anderer Weise fortgeführt, wie Ochsner sagt.

Neuheit für den öffentlichen Verkehr

Vor zwei Jahren stellte die Stadt Wil das neue Buskonzept 2021 vor. Dieses sah zum Beispiel Verbesserungen bei der Pünktlichkeit vor. Wie der Stadtrat und das Parlament damals entschieden, sollte bei der Behandlung des Buskonzepts auf eine Ausweitung des ÖV-Angebots am Abend verzichtet werden. Nun gibt es doch ein angepasstes Angebot. Die Kantone St.Gallen und Thurgau haben Salü im ordentlichen Verfahren für den öffentlichen Verkehr bestellt.

Das Angebot sei ihnen von Bus Ostschweiz unterbreitet worden, sagt Markus Schait, Angebotsplaner beim Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen. «Das neue Angebot ist attraktiver als das jetzige und bietet mehr Verbindungsmöglichkeiten», sagt Schait. Ebenfalls seien die Mehrkosten für den Kanton gering. «Wir möchten zudem Erfahrungen sammeln, wie das On-Demand-Angebot bei den Leuten ankommt und wie es genutzt wird.» Der Unternehmensleiter von Bus Ostschweiz sagt, dass der Shuttle Salü eines der ersten On-Demand-Angebote sei, das für den öffentlichen Verkehr bestellt wurde.

Im kleinen Rahmen testen

Als einen riesigen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Angebot, bezeichnet es Andreas Breitenmoser, Stadtrat und Vorsteher des Departements Versorgung und Energie. Der Shuttle Salü biete ein weit grösseres Haltestellennetz als das herkömmliche Busnetz. Zudem: «Wir hoffen, dass der Shuttle die Mobilität der ganzen Region beeinflusst und das Angebot noch besser ausgelastet wird.»

Möglich wurde das Projekt durch das Programm Monamo (Modellstadt für nachhaltige Mobilität), welches von den Technischen Betrieben Wil (TBW) und Energie Schweiz unterstützt wird. Breitenmoser sagt:

Für die Initialisierung des Angebots waren 20 Fachpersonen involviert, darunter Personen aus der Wiler Verkehrsplanung, dem öffentlichen Verkehr, den Technischen Betrieben Wil, von nationalen Anbietern von On-Demand-Systemen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Forschung. An den Kosten für die Betriebssoftware des On-Demand-Systems und Entwicklung der App habe sich die Stadt und Energie Schweiz über das Programm Monamo gemeinsam mit 100'000 Franken massgeblich beteiligt, sagt Stadtrat Andreas Breitenmoser.

Quelle: St.Galler Tagblatt/Sabrina Manser
veröffentlicht: 22. Februar 2022 11:28
aktualisiert: 22. Februar 2022 11:28
Anzeige