Kanton St.Gallen

Rund 400 Firmen bei Betriebstestungen dabei

14. April 2021, 07:16 Uhr
In St.Galler Betrieben werden wiederholte Speicheltests durchgeführt. Bisher gab es rund 400 Anmeldungen.
© KEYSTONE/Peter Schneider
Die Kantone sind aktuell dran, die Testoffensive des Bundesrates umzusetzen. Diese sieht unter anderem Betriebstestungen vor. Im Kanton St.Gallen laufen die Betriebstestungen seit den Ostern – 400 Unternehmen sind dabei. Die Hürden sind gemäss Industrie- und Handelskammer St.Gallen Appenzell aber zu hoch.

«Seit den Ostern laufen die regulären Betriebstestungen. Bisher haben sich 400 Unternehmen angemeldet», schreibt der Kanton St.Gallen auf Anfrage von FM1Today. Der Kanton St.Gallen wurde mit der Umsetzung der Betriebstestungen beauftragt, nachdem der Bundesrat eine offensive Teststrategie beschlossen hatte. Alle Unternehmen, die sich angemeldet haben, sind automatisch bei den Betriebstestungen dabei. Die Tests sind für alle Mitarbeitenden freiwillig und es werden Speicheltests dafür eingesetzt. Bund und Kantone übernehmen die Kosten.

Rund ein Zehntel der St.Galler Arbeitnehmenden dabei

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen Appenzell begrüsst die offensive Teststrategie des Bundesrates. Bereits vor dem Bundesratsbeschluss sei ein grosses Bedürfnis nach Betriebstestungen festzustellen gewesen, sagt Jan Riss, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Medienverantwortlicher der IHK St.Gallen: «Wir haben uns anfangs Jahr stark dafür eingesetzt, dass die Hürden für Betriebstestungen sinken. Wir sind überzeugt, dass repetitives Testen der mobilen Bevölkerung hilft, die Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen.»

Ein Teil der Forderungen der IHK wurden erhöht und Betriebstestungen sind nun für alle Unternehmen im Kanton St.Gallen möglich. Dennoch seien die Hürden teilweise immer noch zu hoch: «Aktuell ist rund ein Zehntel der Arbeitnehmenden im Kanton St.Gallen bei den Betriebstestungen dabei. Dieser Wert ist viel zu tief. Ein Grund liegt in der Abwicklung des PCR-Pooling-Verfahrens.» Jan Riss erklärt: Mitarbeitende, die bei den Tests mitmachen, müssen wöchentlich eine Speichelprobe abgeben, die Speichelproben von jeweils zehn Mitarbeitern werden gemischt und dann im Labor ausgewertet. «Ist eine solche Pool-Probe positiv, müssen alle zehn Mitarbeiter für einen Einzeltest noch zum Arzt.» Sinnvoller wäre es, wenn die Labore bei einem positiven Pool-Resultat Rückstellungen der einzelnen Speichelproben nachtesten und so die infizierte Person direkt identifizieren könnten. Gemäss Angaben des St.Galler Gesundheitsdepartements sind die Labore derzeit jedoch bereits «gut ausgelastet».

Mehr Unternehmen sollen motiviert werden

Als weitere Hürde erachtet die IHK das Unverständnis über die verschiedenen Testtypen. «Unternehmen fragen sich teilweise, welche Tests zweckmässig sind. Die Selbsttests oder die PCR-Speicheltests.» Gemäss Jan Riss wäre eine duale Strategie sinnvoll. So sollen Unternehmen zwischen PCR-Tests und Selbsttests entscheiden können. «Selbsttests sind zwar weniger zuverlässig – dafür aber handlicher in der Logistik, einfacher in der Anwendung, kostengünstiger und liefern sofort ein Resultat. Deshalb könnten dadurch mehr Unternehmen motiviert werden, mitzumachen.» Mit einer häufigeren Durchführung der Selbsttests könne deren Aussagekraft zudem stark erhöht werden.

«Es ist als ob man zwei verschiedene Teesiebe vergleich: Das grobmaschigere Sieb ist unzuverlässiger und es gelangen mehr Teeblätter in die Tasse. Aber ist allemal besser als keines», sagt Riss. Der Kanton St.Gallen jedoch findet einzig PCR-Tests bei Unternehmen sinnvoll: «Gemäss BAG sind PCR-Spucktests, die für Firmentestungen verwendet werden, genauer als die Selbsttests.»

Keine flächendeckenden Tests an Schulen

Betriebstestungen müssen gemäss IHK mehr mit Anreizen verbunden werden. So macht sich die IHK unter anderem dafür stark, dass Unternehmen, die bei den Betriebstestungen mitmachen, von der Homeoffice-Pflicht befreit werden. Ausserdem wurde beteiligten Unternehmen bereits in Aussicht gestellt, dass Mitarbeitende nicht mehr in Quarantäne müssen, wenn eine Kontaktperson positiv getestet wurde.

Auf flächendeckende Tests an Schulen werde zurzeit übrigens im Kanton St.Gallen verzichtet. Das Gesundheitsdepartement orientiere sich da an der kantonalen Teststrategie. «Diese sieht in Schulen keine präventiven Massentests vor, sondern nur gezielte Ausbruchstestungen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. April 2021 07:13
aktualisiert: 14. April 2021 07:16