Schlittelpiste am Pizol nicht sicher genug

Noémie Bont, 5. Februar 2019, 18:14 Uhr
Grosse Löcher in den Pisten, steile Abhänge daneben und ein holpriger Holzschlitten unter dem Allerwertesten lösen bei einigen Adrenalin, bei anderen Stirnrunzeln aus. Die Schlittelpiste Pizol schneidet im Sicherheitstest von Kassensturz ungenügend ab.

Rund 6700 Schweizerinnen und Schweizer verunfallen jährlich auf Schlittelpisten. Nicht nur wegen fahrtechnischer Gründe. Auch die Eigentümer der Pisten bieten nicht immer die nötige Sicherheit auf den präparierten Schneebahnen.

Deshalb mischte sich die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) unter die Schlittlerinnen und Schlittler der Schweiz und prüfte für die Fernsehsendung Kassensturz des SRF die längsten Schlittelpisten der Schweiz. Auch die sieben Kilometer lange Schlittelpiste Pizol in Wangs kam unter die Lupe der Unfallverhütungsexperten. Doch diese Piste, die zu den längsten Schlittelwegen der Ostschweiz gehört, weist mehrere sicherheitsrelevante Mängel auf, ergab der Kassensturz-Bericht.

Kassensturz analysierte die Schlittelpisten anhand von drei Kriterien. (Bild: Screenshot srf.ch)
Kassensturz analysierte die Schlittelpisten anhand von drei Kriterien. (Bild: Screenshot srf.ch)

Sicherheit auf der Strecke mangelhaft

Drei von fünf Gesamtpunkten erhält die Schlittelbahn am Pizol. Besonders niedrig ist die Punktzahl, wenn es um die Sicherheit auf der Strecke geht. Dabei wurde von den Unfallverhütungsexperten analysiert, wie gefährlich die Passagen sind, wie gut die Bahn signalisiert ist und ob die Sicherheitsvorkehrungen noch taugen.

Keine Helmpflicht, Pfosten und Drähte, die nicht abgedeckt sind und schlecht gesicherte Kurven sind die Hauptkritikpunkte des Kassensturz-Berichtes an die Schlittelpiste am Pizol. Vor allem im Bereich Sicherheit habe die Strecke noch viel Nachholbedarf, betont Marc Kipfer vom bfu. «An heiklen Stellen fehlt die Signalisation. Der Schlittler oder die Schlittlerin wird nicht auf Gefahren hingewiesen. Zum Teil gibt es auch ungesicherte Pfosten oder Drähte. Teilweise wurden Kurven mangelhaft gesichert. Überrascht hat es uns auch, dass plötzlich ein Mischverkehr herrscht, sprich, die Schlittler und die Skifahrer sind auf derselben Piste unterwegs. Schade ist auch, dass bei der Mietstation keine Helme verteilt werden und auf der Strecke keine Helmpflicht herrscht», sagt Kipfer.

Pink gekennzeichnet ist die Schlittelpiste im Skigebiet Pizol. (Bild: Screenshot infosnow.ch)
Pink gekennzeichnet ist die Schlittelpiste im Skigebiet Pizol. (Bild: Screenshot infosnow.ch)
© Pink gekennzeichnet ist die Schlittelpiste im Skigebiet Pizol. (Bild: Screenshot infosnow.ch)

Pizolbahnen zufrieden mit der Situation

Mit den aktuellen Sicherheitsmassnahmen der Schlittelstrecke sind die Pizolbahnen aber grundsätzlich zufrieden. Klaus Nussbaumer, Chef der Pizolbahnen AG, betont, man beziehe sich bei den Kritikpunkten des Kassensturz-Berichts hauptsächlich auf den letzten Abschnitt der Schlittelbahn, also von Maienberg nach Wangs, der ausdrücklich für fortgeschrittene Schlitter ausgeschrieben sei.

«Wir haben diese sicherheitsrelevanten Mängel, also ungesicherte Drähte und Pfosten, sicherlich nicht festgestellt. Die Schlittelbahn ist so gesichert, wie sie es sein muss und was die Ausrüstung betrifft, Schlitten und Helm, gehört zur Eigenverantwortung», erklärt Nussbaumer. «Wir haben hauptsächlich positive Rückmeldungen von unseren Gästen.»

«Wir können sie nicht zwingen, die Sachen umzusetzen»

Das A und O einer Schlittelbahn sei es, mögliche Hindernisse zu entfernen oder sie möglichst deutlich zu kennzeichnen, so dass man mit gutem Gewissen schlitteln könne, erklärt Marc Kipfer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Ob die Empfehlungen von der Pizolbahnen AG umgesetzt werden, ist nicht mehr Sache der bfu. «Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat keine Weisungsbefugnis. Wir können die Schlittelpisten-Eigentümer nicht dazu zwingen, die Kritikpunkte umzusetzen. Wir empfehlen es aber. Es kann schon sein, dass es bei Unfällen zu Gerichtsverhandlungen kommt und dann, bei Nichtumsetzung der Empfehlungen, das Gericht gegen den Schlittelbahn-Anbieter entscheiden könnte. Es liegt schlussendlich in der Verantwortung des Schlittelbahn-Eigentümers», führt Marc Kipfer aus.

Kritik stösst nicht auf taube Ohren

Trotzdem wollen die Kritikpunkte von den Pizolbahnen nicht ignoriert werden. «Wir nehmen natürlich auch jede Kritik als Chance wahr und schauen uns den Bericht detailliert an. Dort, wo wir Verbesserungen erzielen können, werden wir handeln», versichert Klaus Nussbaumer. Nun soll die Informationspolitik am Pizol verbessert werden. Gäste sollen besser darauf hingewiesen werden, dass Schlitteln mehr als nur ein Volkssport ist und gute Ausrüstung dazu gehört.

Bündner Schlittelpiste ist sicherer

Im Kassensturz-Ranking hat die Schlittelpiste im Oberengadin auf dem Muottas Muragl besser abgeschnitten. Sie erhält vier von fünf Punkten und erreicht im Bereich Sicherheit auf der Strecke fast die volle Punktzahl. Die Pisten seien gut gesichert, gut signalisiert und auf der Strecke habe es keine Wellen und Bucke. Einzig beim Material und beim Preis wird der Schlittelanbieter kritisiert. Die Bahn sei sehr teuer und die Schlitten uralt. Gleich gut beim Kassensturz-Test war die Strecke Faulhorn-Grindelwald im Berner Oberland. Die Strecke Fiescheralp-Lax im Wallis schneidet wie der Pizol mit drei von fünf Punkten ab, die Schlittelpiste Kreuzboden-Saas-Grund im Wallis erhält einen Punkt weniger.

Die Schlittelpiste Muottas Muragl im Oberengadin schneidet im Kassensturz-Test besser ab. (Bild: Screenshot srf.ch)
Die Schlittelpiste Muottas Muragl im Oberengadin schneidet im Kassensturz-Test besser ab. (Bild: Screenshot srf.ch)

Punkten kann die Schlittelpiste am Pizol auch nach dem Kassensturz-Bericht – mindestens mit einer atemberaubenden Aussicht.

Noémie Bont
veröffentlicht: 5. Februar 2019 18:14
aktualisiert: 5. Februar 2019 18:14