«Schluss-di-Bus» für die Grossmutter

Raphael Rohner, 19. Juli 2017, 10:30 Uhr
Nach rund 26 Jahren und über 1,5 Millionen gefahrenen Kilometern geht die Ära der VBSG-«Grossmutter» heute Dienstag zu Ende. Der Doppelgelenkbus mit der Nummer 155 wurde einem Museum in der Romandie verkauft.

«Wir sind sehr, sehr glücklich, dass wir diesen Bus aus St.Gallen kaufen durften», sagt Henri-David Philippe, Präsident des Vereins RétroBus Léman. Er ist mit seinem Sohn aus dem Kanton Waadt angereist und freut sich riesig darüber, den Bus mitzunehmen. Der Mann wirkt entschlossen, erleichtert und als hätte er gerade ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Er steht etwas unruhig an diesem Vormittag in der Halle der St.Galler Verkehrsbetriebe. Immer wieder läuft er mit seiner Kamera rund um den Bus und macht Bilder. Dann hält er inne und legt seine Hand auf eine der Fensterscheibe des Busses, welcher über anderthalb Millionen Kilometer in der Stadt St.Gallen zurückgelegt hat: «Endlich ist unsere Sammlung komplett.»

«Dieser Bus ist eine Rarität»

Philippe präsidiert den Verein RétroBus Léman, der Busse aus der ganzen Schweiz sammelt. Der Westschweizer Verein hat eine Vielzahl an alten Fahrzeugen des öffentlichen Verkehrs bei sich und unterhält diese. Warum der Verein genau diesen Trolleybus aus St.Gallen haben wollte, erklärt er mit einem Strahlen im Gesicht: «Damals wurden 47 baugleiche Busse dieses Typs gebaut. Einige fuhren in Neuchâtel, in Biel und in Schaffhausen. Doch dieser St.Galler Bus ist eine Rarität. Er war der erste Prototyp eines Doppelgelenkbusses.» Zudem habe der Verein schon einige Busse aus den St.Galler Beständen. «Die Geschichte des öffentlichen Verkehrs in St.Gallen ist äusserst interessant», so Philippe.

Verkaufspreis ist geheim

Bei der VBSG ist man erleichtert, dass der Bus für einen symbolischen Beitrag verkauft werden konnte. «Wir haben eine Weile nach einem Käufer gesucht», sagt VBSG-Chef Ralf Eigenmann, «doch für einen fast 24 Meter langen Bus haben nur die wenigsten Städte Verwendung.» Man wollte die «Grossmutter», wie der Bus intern genannt wurde, erst nach Sarajevo verkaufen. Dort fahren bereits seit einigen Jahren ausgemusterte VBSG-Busse. Doch war der Bus zu lang für die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. «Weil wir keine Käufer finden konnten, ist der Verein RétroBus Léman ein echter Glücksfall für uns», sagt Eigenmann und übergibt die Fahrzeugpapiere an Henri-David Philippe. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Bus wird die nächsten Tage die rund 300 Kilometer lange Strecke in die Westschweiz abgeschleppt.

(rar)

 

Raphael Rohner
veröffentlicht: 18. Juli 2017 15:38
aktualisiert: 19. Juli 2017 10:30