Schüler testen E-Sport als Schulfach

Krisztina Scherrer, 25. Oktober 2018, 16:03 Uhr
Experiment E-Sport: Acht St.Galler Oberstufenklassen haben sich zum Digitaltag 2018 im Athletik-Zentrum zur ersten E-Sport-Schullektion der Schweiz versammelt. Die Schüler sollten so über den Sport aufgeklärt werden und erste Erfahrungen sammeln.

«Als professioneller E-Sportler kannst du Preisgelder in Millionen-Höhe gewinnen», sagt Edouard Wanner, E-Sportler beim Team «mYsanity». Ein Raunen geht durch die Klasse. Trotzdem kann sich Dave (14) nicht vorstellen einmal professioneller Gamer zu werden: «Das Leben als E-Sportler kann ich mir nicht vorstellen, mehr als 14 Stunden zu spielen ist doch langweilig.»

«E-Sport ist eine Professionalisierung»

Acht Oberstufenklassen aus St.Gallen haben am Donnerstag bei der ersten E-Sport-Schullektion der Schweiz im Athletik-Zentrum mitgemacht. Der Auslöser für den speziellen Unterricht ist der Digitaltag: «Wir wollten einen Bereich davon rauspicken und haben ein Thema gewählt, das die Kinder nicht gut kennen. Da aber das Gamen für viele Schüler wichtig ist, haben wir mit E-Sport die Möglichkeit es umfassend zu behandeln», sagt Marco Käppeli, Schulleiter des Schulhauses Bürgli in St.Gallen.

Der Unterschied zwischen Gamen und E-Sport erklärt Edouard Wanner: «Gamen ist ein Hobby. Wenn man nach Hause kommt und entspannen will spielt man. E-Sport ist eine Professionalisierung des Gamens, das heisst man möchte besser werden, schaut den Profi-Spielern zu und hat vielleicht sogar einen Coach.»

Möglichkeiten und Gefahren aufzeigen

Die Schulklasse darf sich an die Computer setzen und die beiden Spiele «Rocket League» und «League of Legends» gamen. Ein Teil des E-Sport-Teams «mYsanity» steht den Kindern zur Verfügung und hilft ihnen bei Fragen.

«Das Ziel dieser Lektion ist es, dass wir die Lebenswelten der Jugendlichen berühren. Wir möchten ihnen aufzeigen, welche Möglichkeiten und Gefahren die Digitalisierung bietet. Es geht hier nicht nur um Spass sondern auch um ernste Themen wie Sucht», sagt Marlis Angehrn, Leiterin Dienststelle Schule und Musik in der Stadt St.Gallen. «Für uns ist es eine Chance den Medienkonsum auf eine ganz andere Art und Weise zu thematisieren», ergänzt Marco Käppeli.

E-Sport als Schulfach?

«Beim E-Sport geht es um ein gesellschaftliches Phänomen, um die Technologieentwicklung und die ganze Digitalisierung. Das muss uns berühren», sagt Marlis Angehrn. «Wir müssen die Jugendlichen auf die Zukunft vorbereiten.»

Julian (13) spielt gerade das Computerspiel «Rocket League»: «Es ist mega cool und spannend, dass wir das von der Schule aus machen können.» Als Schulfach könne er sich E-Sport aber nicht vorstellen. «Am Anfang wäre es bestimmt noch toll, aber irgendwann würde es komisch werden, weil nicht jeder gerne gamet.» Jerune (14) spielt in ihrer Freizeit nicht: «Es ist mal was Neues und man erfährt viele Sachen, die man vorher nicht gewusst hat. Ich frage mich, wie dir E-Sport als Schulfach im Leben weiterhelfen soll.»

Krisztina Scherrer
veröffentlicht: 25. Oktober 2018 15:42
aktualisiert: 25. Oktober 2018 16:03