Sex im Gefängnis dank Familienzimmer

Sandro Zulian, 2. März 2017, 15:44 Uhr
Wer wegen einer Straftat im Gefängnis sitzt, dem fehlt nicht nur die Freiheit, sondern auch der Geschlechtsverkehr. Der Kanton St.Gallen will nun Abhilfe schaffen: Im Massnahmenzentrum Bitzi in Mosnang entsteht ein «Familienzimmer».

Auf dem Vorplatz unzähliger amerikanischer Vollzugsanstalten stehen mobile Wohncontainer, sogenannte «Trailer». Diese dienen der Gemeinsamkeit und Intimität von Häftlingen mit ihren Liebsten. Natürlicherweise werden diese Aufenthaltsräume aber nicht nur für persönliche Gespräche, sondern auch für Sex genutzt. Ein solches Angebot soll bald auch im Kanton St.Gallen entstehen. Genau gleich wie das amerikanische Pendant sollen die Familienzimmer jedoch nicht sein.

«Familienzimmer ist keine 'Verrichtungsbox'»

Konkret plant der Kanton St.Gallen ein sogenanntes «Familienzimmer». Ein erstes Zimmer im Massnahmezentrum Bitzi in Mosnang soll Insassen ermöglichen, sich alleine mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zu treffen. Laut Joe Keel, Leiter des Justizvollzugs des Kantons St.Gallen soll dieses Familienzimmer den Häftlingen die Beziehungspflege erleichtern und nicht nur dem Sex dienen. Er sagt gegenüber dem «SRF Regionaljournal»: «Es geht uns nicht darum, eine Art 'Verrichtungsbox' einzurichten, in der Insassen mit ihren Partnern, die in Freiheit leben, intim werden können.» Es gehe darum, die Beziehung der Insassen mit ihren Lebensgefährten zu stärken.

Familienzimmer ist als solches gemeint

Das Wort Familienzimmer ist nicht als Deckname gemeint, es soll auch ebenjenen Zweck erfüllen. Denn gestärkt werden kann eine Beziehung auch ohne Geschlechtsverkehr. Beispielsweise dann, wenn auch Kinder mit ins Zimmer kommen dürfen. Den Insassen soll ein privater Raum geboten werden, in dem sie Zeit mir der Familie verbringen könne. Angeregt wurde das Familienzimmer mitunter aufgrund der langen Verweildauer gewisser Häftlinge, sagt Keel: «Die Frage nach diesem Angebot hat sich bei uns aufgrund der längeren Aufenthaltsdauer der Häftlinge gestellt.» Das Thema angerissen hat die nationale Kommission gegen Folter, als diese im Massnahmenzentrum auf Besuch war. Noch ist das Familienzimmer in Mosnang Zukunftsmusik. Keel rechnet in den nächsten zwei Jahren mit einer Realisierung.

Sex unter Häftlingen wird nicht toleriert

In der Schweiz wird Geschlechtsverkehr im Gefängnis unterschiedlich behandelt. So sind in verschiedenen Strafanstalten und Massnahmenzentren sexuelle Beziehungen unter Häftlingen verboten und werden geahndet. So auch in Mosnang. Wie das SRF am Mittwoch berichtete, ist genau das kürzlich im Massnahmenzentrum Bitzi passiert. Keel erklärt, warum Sex unter Häftlingen verboten ist und bestraft wird: «Im Massnahmenvollzug kommen Menschen, die eine psychische Störung oder eine schwere Suchterkrankung haben, zusammen.» Das seien Menschen, die verletzlich sind und einfach ausgenutzt werden können. «Im Vollzug haben wir die Pflicht sicherzustellen, dass Insassen nicht unter die Räder kommen.» Auch Sex gegen Geld sei schon vorgekommen. All das erschwere das Zusammenleben in der Gruppe und ist deshalb verboten.

Sandro Zulian
Quelle: saz
veröffentlicht: 2. März 2017 11:19
aktualisiert: 2. März 2017 15:44