Ostschweiz
St. Gallen

Sie fand den Ukrainer in Oberriet: «Er war völlig blutverschmiert»

In Engelberg entführt

Sie fand den Ukrainer in Oberriet: «Er war völlig blutverschmiert»

17.03.2023, 07:17 Uhr
· Online seit 16.03.2023, 19:30 Uhr
Am Mittwochabend wurde bekannt, dass ein in Obwalden entführter Ukrainer schwerverletzt in Oberriet gefunden worden ist. TVO konnte mit der Frau sprechen, welche den blutüberströmten Mann gefunden hat.

Quelle: TVO

Anzeige

Es klingt wie eine Szene aus einem Krimi: Ein seit mehreren Jahren in der Schweiz wohnhafter Ukrainer wurde Ende Februar in Obwalden aus seiner Tiefgarage entführt. Später wurde er in einem anderen Kanton aufgefunden. Seit Mittwoch ist nun bekannt: Der Mann tauchte in Oberriet wieder auf. Gefunden wurde er von Regula L.*. Wir konnten mit ihr über das Erlebte sprechen.

Wir treffen Regula L. draussen, die Sonne scheint. Regula will anonym bleiben. Sie wirkt immer noch mitgenommen, als sie sich für uns nochmal zurückerinnert. «Ich war um 6 Uhr mit dem Auto auf dem Weg nach Altstätten. Ende Oberriet kam mir dann ein torkelnder Mann entgegen.

Als ich an ihm vorbeifuhr, dachte ich: da stimmt etwas nicht», erzählt Regula. Sie haben dann angehalten, der Mann lief aber einfach weiter. Sie wendete und fuhr neben den Mann und fragte ihn, ob alles in Ordnung sei. «Dann sah ich, dass er übel zugerichtet war», fährt sie fort.

Sie habe den Mann dann abgefangen und begann ein Gespräch mit ihm. Der Mann sprach aber nur Englisch und verlangte nach der Polizei. «Er sagte zu mir, dass er wahnsinnig kalt habe, da nahm ich ihn bei mir hinten ins Auto und liess die Heizung laufen», führt Regula L. weiter aus. Daraufhin informierte sie die Polizei und fragte auch gleich nach einer Ambulanz.

Grossfahndung war bereits in Gang

Die Einsatzkräfte seien dann rasch gekommen. Auf die Frage der Polizei, wer ihn so zugerichtet habe, konnte der Mann nicht antworten. «Er sagte lediglich, es sei in Engelberg passiert», erinnert sich Regula L. Als der Mann sagte, dass er in Engelberg angegriffen wurde, merkten die Polizisten schnell, dass eine Grossfahndung nach ihm lief. «Funkgeräte liefen danach auf Hochtouren», erzählt die Frau. Sie durfte dann ziemlich rasch gehen.

Regula L. muss sich kurz sammeln, bevor sie weitererzählt. Man merkt, wie die Bilder in ihrem Kopf sie belasten: «Der Mann war so schlimm zugerichtet, er hatte wirklich schwere Verletzungen und war von oben bis unten blutverschmiert.»

Doch was ging ihr durch den Kopf, als sie den Mann sah? «Ich dachte nicht an eine Entführung, sondern dass er in die Baustelle gefahren war», schildert sie. Sie dachte, er sei betrunken und wolle gar keine Polizei. Als der Mann dann nach der Polizei verlangte und sie dann von der Grossfahndung hörte, konnte sie sich ein Bild machen.

Viele Autos seien einfach weiter gefahren

Das Erlebnis bewegt die Ostschweizerin. Sie sei aber ruhig geblieben. Von unserem Reporter darauf angesprochen, ob sie denn keine Angst vor dem Mann hatte, antwortet Regula: «Der war in einem so schlechten Zustand, was hätte er mir denn machen sollen? In einer solchen Situation muss man einfach handeln.» Sie sei auch überrascht gewesen, wie viele Autos einfach weiterfuhren.

Wie der Mann nach Oberriet kam und warum er so zugerichtet wurde, darüber weiss Regula nichts. Der Verletzte habe sehr wenig gesprochen. «Ich glaube, er konnte auch gar nicht mehr», denkt Regula laut. Wie es so weit kommen konnte, wundert Regula schon. Mehr weiss sie aber bis heute nicht.

*Name geändert

veröffentlicht: 16. März 2023 19:30
aktualisiert: 17. März 2023 07:17
Quelle: FM1Today/TVO

Anzeige
Anzeige