So gefährlich ist Schnee auf dem Auto

Sandro Zulian, 9. Januar 2019, 17:31 Uhr
Ein Brocken Eis fliegt vom Dach eines Autos auf die Windschutzscheibe eines anderen.
© Screenshot youtube.com/ Newsflare
Kaum beginnt es zu schneien, sieht man sie wieder überall. Autofahrerinnen und Autofahrer, die ihr Gefährt nicht richtig vom Schnee befreit haben. Wie gefährlich das ist, zeigen zig Videos und erklärt der Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Gerade eben ist es wieder passiert: Im vorarlbergischen Nenzing kam ein Lastwagen einem Personenwagen entgegen. Als die beiden Fahrzeuge auf gleicher Höhe waren, verlor der Lastwagen in einer Kurve die auf dem Dach liegenden Schnee- und Eisplatten. Diese trafen den Personenwagen, durchschlugen die Windschutzscheibe und verletzten den Fahrer im Gesicht und an der Hand. Der LKW-Chauffeur fuhr weiter, ohne sich um den Schaden, den Verletzten oder um den Schnee auf seinem Dach zu kümmern.

Erschreckende Videos aus Nordamerika

In unzähligen Videos auf Youtube sieht man Gefahrensituationen aus aller Welt, bei denen durchaus Menschen zu Schaden hätten kommen können. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:

«Peng» machte es vor einigen Jahren im US-Bundesstaat Massachusetts. Das vordere Auto hat gefrorenen Schnee auf dem Dach, der sich bei schneller Geschwindigkeit durch den Fahrtwind löst, durch die Luft wirbelt und beim nachfolgenden Auto mit voller Wucht auf die Windschutzscheibe kracht. Der Fahrer schrieb dazu: «Die Eisdecke flog vom Dach eines SUV und zerstörte meine Windschutzscheibe, wie auch den Scheibenwischer und meinen äusseren Rückspiegel.»

Das zweite Video wurde in New Brunswick, Kanada, aufgenommen. Hier löst sich ein Brocken Eis vom Dach eines Lastwagens und klatscht auf die Windschutzscheibe. Gegenüber «ABC News» gab der Fahrer des Wagens zu Protokoll, dass seine Frau, die Beifahrerin, mit Glasstücken der geborstenen Windschutzscheibe übersät worden ist. Weder der Fahrer noch seine Ehefrau wurden beim Zwischenfall verletzt.

Auch in der Schweiz ein Problem

«Fällt Schnee von einem Autodach auf die Fahrbahn und direkt vor ein nachfolgendes Auto, dann weiss man nie, wie der hintere Lenker reagieren wird», sagt Florian Schneider, Mediensprecher bei der Kantonspolizei St.Gallen. «Er könnte versuchen auszuweichen und damit einen Unfall verursachen.» Insbesondere bei Lastwagen könne es auch vorkommen, dass gefallener Schnee, der nicht von der Blache entfernt wurde, gefriert und dann auf der Autobahn als ganze Eisplatten auf die Fahrbahn fällt. «Dabei könnten nachfolgende Autos beschädigt und sogar Menschen schwer verletzt werden», warnt Schneider. Anfangs Winter komme es immer wieder vor, dass sich Autofahrerinnen und Autofahrer nicht an die Regeln halten. «Da müssen wir mahnend eingreifen oder im Extremfall auch Bussen aussprechen.» Dass die Beamten dieselbe Leier Jahr für Jahr wieder vortragen müssen, sei normal: «Wir sind für die Sicherheit im Strassenverkehr zuständig, da ist es egal ob man etwas 100 oder 1000 Mal wiederholen muss», sagt Schneider. Gegen Ende des Winters hätten es dann aber fast alle kapiert.

Das ganze Auto muss schneefrei sein

Bevor man losfährt, muss das Auto also komplett schneefrei sein. Ein Guckloch auf der Fahrerseite reicht nicht (FM1Today berichtete wieder und immer wieder.)  Sind die Fahrzeugscheiben vereist oder mit Schnee bedeckt, müssen die Frontscheibe und die vorderen Seitenscheiben freigekratzt werden. Damit der winterlichen Fahrt nichts im Weg steht, müssen zudem der Rückspiegel sowie Front- und Rücklichter, Blinker und Kontrollschild von Schnee und Eis befreit werden. Zu enteisen sind weiter das Fahrzeugdach sowie die Motorhaube, da während der Fahrt oder einem Bremsmanöver Eisstücke herunterfallen oder stiebender Schnee andere Verkehrsteilnehmer erschrecken oder gefährden könnte. Dasselbe gilt für Lastwagenblachen und ist auf langen wie auf kurzen Strecken zu beachten.

Autofahrerinnen und Autofahrer, die sich nicht daran halten, müssen bei einer Kontrolle mit einer Busse von bis zu 600 Franken rechnen.

(red.)

 

 

Sandro Zulian
veröffentlicht: 9. Januar 2019 17:10
aktualisiert: 9. Januar 2019 17:31