Kanton St.Gallen

So leicht sind Jugendliche 2021 an Alkohol und Tabak gekommen

16. Mai 2022, 11:03 Uhr
Letztes Jahr wurden in 536 Verkaufsstellen im Kanton St.Gallen Alkohol- und Tabak-Testkäufe durchgeführt. Verglichen mit der Zeit vor der Corona-Pandemie, stieg die Verstossquote stark an. Der Kanton vermutet einen Zusammenhang mit der Pandemie.
Im Jahr 2021 wurden in 536 Verkaufsstellen im Kanton St.Gallen Alkohol- und Tabak-Testkäufe durchgeführt. (Symbolbild)
© Keystone

Im Jahr 2021 wurden in 536 Verkaufsstellen im Kanton St.Gallen Alkohol- und Tabak-Testkäufe durchgeführt. Die durchschnittliche Verstossquote blieb im Vergleich zum Vorjahr gleich, stieg verglichen mit der Zeit vor der Corona-Pandemie jedoch stark an. Das Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen vermutet einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Verstossquote im Onlinehandel am höchsten

Insgesamt wurden im letzten Jahr 536 Betriebe in 24 Gemeinden getestet. Getestet wurden Gastronomiebetriebe (47%), Detailhandel (34%), Tankstellen und Kioske (16%), sowie neu der Onlinehandel (3%).

Im Gegensatz zu 2020 waren viele Gemeinden mit der Durchführung von Testkäufen zurückhaltend, da sie die Gastronomiebetriebe nicht noch zusätzlich belasten wollten, so das Amt für Gesundheitsvorsorge in einer Mitteilung.

Beim Alkoholverkauf betrug die Verstossquote 44 Prozent (2020: 40%) und beim Tabakverkauf 25 Prozent (2020: 27%). Festveranstaltungen wurden im Jahr 2021 praktisch keine abgehalten und damit auch keine entsprechenden Testkäufe durchgeführt. Neu wurden Testkäufe beim Onlinehandel durchgeführt. Die Verstossquote war hier mit 84 Prozent wie erwartet sehr hoch.

Corona als möglicher Einflussfaktor

Die Fachpersonen beim Amt für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen vermuten vor allem drei Gründe, die für die Häufung der Verstösse in Frage kommen:

«Das Coronavirus war auch im Jahr 2021 durch die Corona-Massnahmen eine schwere Belastung für viele Verkaufsstellen. Es ist denkbar, dass existenzielle Fragen den Jugendschutz in den Hintergrund drängten», so der Kanton Mitteilung. Im Klartext: Es ist nicht auszuschliessen, dass das Alter der Testkäufer bewusst ignoriert wurde, damit dem Betrieb der Verdienst nicht entgeht. 

Weiter wird vermutet, dass die Einschätzung des Alters möglicherweise zusätzlich erschwehrt wurde, weil die Testkaufpersonen eine Maske trugen.Das Alter bei der Ausweiskontrolle korrekt auszurechnen, erfordere Konzentration. «Stresssituationen führen dabei häufiger zu Rechenfehlern.»

Hinweisschilder werden sichtbarer

Eine positive Entwicklung zeigte sich wiederum bei den Hinweisschildern, die auf das Verkaufsverbot für Alkohol und Tabak an Jugendliche aufmerksam machen. Während im Jahr 2020 nur 62 Prozent der Verkaufsstellen Hinweisschilder sichtbar angebracht hatten, waren es im Jahr 2021 86 Prozent. Der Kanton vermutet, dass viele fehlbare Betriebe von den Gemeinden auf ihren Verstoss aufmerksam gemacht wurden und dementsprechend Verbesserungen angebracht haben. 

Sensibilisierung statt Strafe

Für die fehlbaren Betriebe haben die Testkäufe keine strafrechtlichen Konsequenzen. Einerseits fehle dazu die gesetzliche Grundlage, andererseits stehe nicht die Bestrafung im Fokus, sondern die Sensibilisierung des Verkaufspersonals für das Thema Jugendschutz.

Im Kanton St.Gallen sind die Gemeinden für die Umsetzung des Jugendschutzes zuständig. Der Kanton unterstützt die Gemeinden bei dieser Aufgabe und bietet ihnen die kostenlose Durchführung von Testkäufen an.

(mle)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 16. Mai 2022 10:57
aktualisiert: 16. Mai 2022 11:03
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