So reagieren die Schulen auf den Enten-Angriff

Noémie Bont, 18. Februar 2019, 18:00 Uhr
Die Volière im Stadtpark St.Gallen.
Die Volière im Stadtpark St.Gallen.
© Tagblatt
Der Schulweg von hunderten Schülerinnen und Schülern der Stadt St.Gallen führt täglich an der Volière im Stadtpark vorbei. Nachdem am vergangenen Wochenende eine Ente mit Schneebällen beworfen und so getötet worden ist, reagieren einige umliegende Schulen.

Für einen Spaziergang, für eine Joggingrunde oder als Schulweg-Abkürzung ist die Route durch den Stadtpark St.Gallen sehr beliebt. Immer mit einem Blick zu den Enten im Stadtpark-Weiher oder zu den Vögeln in den Volièren. Doch am vergangenen Wochenende machten sich drei Personen einen Spass daraus, mit Schneebällen auf die Enten zu zielen. Ein Kolbenente-Männchen starb dabei (FM1Today berichtete).

Sache der umliegenden Schulen

Hunderte Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule am Brühl, des Spelterini-Schulhauses und des Schulhauses Bürgli laufen täglich durch diesen Park, um zur Sporthalle Volksbad zu gelangen. Deshalb sei es vor allem Sache der Schulhäuser, die Kinder über den Umgang mit der Volière zu informieren, sagt Christian Müller, Präsident der Volièren-Gesellschaft St.Gallen.

Sobald sich jeweils neue Schulklassen bilden, «sind die Lehrer verpflichtet, die Kinder zu informieren, was man mit der Volière nicht machen sollte und zu betonen, dass die Volière ein Schauobjekt ist und nicht dazu gedacht ist, die Tiere zu plagen», sagt Christian Müller.

Die umliegenden Schulhäuser der St.Galler Volière, die über den Stadtpark zur Sporthalle Volksbad gelangen. (Bild: Screenshot Google Maps/FM1Today)
Die umliegenden Schulhäuser der St.Galler Volière, die über den Stadtpark zur Sporthalle Volksbad gelangen. (Bild: Screenshot Google Maps/FM1Today)
© Die umliegenden Schulhäuser der St.Galler Voliere. (Bild: Screenshot Google Maps / FM1Today)

Kanti am Brühl informiert über Screens

Den umliegenden Schulhäusern war der Volièren-Vorfall nicht bekannt. FM1Today informierte das Schulhaus Spelterini und die Kantonsschule am Brühl darüber. Die Primarschule Spelterini nahm den Vorfall am Montagnachmittag zur Kenntnis, wie Rektor Michael Werner auf Anfrage von FM1Today schreibt. «Wenn ein Vorfall geschehen ist und ich Kenntnis davon habe, werden die Kinder auf jeden Fall sensibilisiert. Das Andere, also keine Information, entspräche nicht der Realität.»

Diese Meinung teilt auch der Rektor der Kantonsschule am Brühl, Mathias Gabathuler. «Es ist uns wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler sensibilisiert sind, da sie oftmals durch den Stadtpark zur Sporthalle zirkulieren.» Sobald sich der Präsident der Volièren-Gesellschaft bei den Schulen meldet, wird die Kantonsschule am Brühl reagieren. «Wir haben Informationsbildschirme, wo man die Schülerschaft darauf aufmerksam machen kann. Auch den Klassenlehrpersonen wird die Problematik mitgeteilt, die dann mit allen Klassen in den Stunden besprochen wird.»

«Wir können nicht mehr viel machen »

Das Verständnis sei bei den Kindern jeweils sehr hoch, sagt Christian Müller von der St.Galler Volière. Während der Führungen werde den Kindern unter anderem beigebracht, dass man die Tiere im Stadtpark in Ruhe lassen sollte. Die meisten Kinder seien schockiert, wenn man davon redet, mit Wurfobjekten auf Enten zu zielen. «Sie wollen nicht, dass ein Tier, das sie während der Führung betrachten durften, einfach getötet wird.»

Damit nicht mit Schneebällen auf den Weiher geworfen wird, baut das Gartenbauamt jährlich einen 1,80 Meter hohen Winterzaun rund um den Weiher. «Wir sind aber immer noch nicht hundertprozentig abgedeckt. Vom «Bürgli» und vom Balkon vor der Volière aus kann man immer noch auf die Tiere schiessen», sagt Müller. Viel mehr könne man nicht mehr machen. Nach dem Vorfall haben die Verantwortlichen eine zusätzliche Informationstafel an das Gitter gehängt.

Bild: Facebook
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Als nächstes wird Müller über den St.Galler Stadtrat ein Sammelmail an alle umliegenden Schulhäuser verschicken, um sie über den Vorfall zu informieren.

Überwachungskamera zeigt: Es waren keine Schüler

Wer für den Angriff verantwortlich ist, kann Christian Müller noch nicht definitiv sagen. Er ist sich aber sicher, dass es keine Schüler der umliegenden Schulhäuser waren, da die Überwachungskamera Umrisse von drei Personen zeigt, die älter wirken. «Die müssen mindestens 20, wenn nicht 25 Jahre alt gewesen sein. Sie hatten die Kapuze über den Kopf gezogen und wirkten sehr breit gebaut», sagt Müller. Identifizieren konnte man die drei Täter aber noch nicht.

Nicht zum ersten Mal wurde auf diese Art und Weise eine Ente im Stadtpark getötet. Vor einigen Jahren bombardierten bereits Schüler der Kantonsschule am Brühl die Enten mit Gegenständen. Den Schülern zuliebe zog die Gesellschaft der St.Galler Volière die Strafanzeige jedoch wieder zurück.

Noémie Bont
veröffentlicht: 18. Februar 2019 17:58
aktualisiert: 18. Februar 2019 18:00