Ukraine-Krieg

So will der Kanton St.Gallen ukrainische Schulkinder integrieren

4. April 2022, 12:18 Uhr
Jedes Kind in der Schweiz hat einen Anspruch darauf, zur Schule zu gehen. Der Kanton St.Gallen will ukrainische Kinder und Jugendliche schnellstmöglich einschulen. Doch ganz so simpel gestaltet sich das nicht.
In der Schweiz gibt es Schätzungen zufolge rund 5000 Schulkinder aus der Ukraine.
© Keystone

Jedes Kind, das sich für eine gewisse Zeit in der Schweiz aufhält, hat einen grundrechtlichen Anspruch auf Beschulung. Dies trifft auch für Kinder aus der Ukraine mit dem Schutzstatus S zu. Schätzungen zufolge dürften das in der Schweiz rund 5000 Kinder sein. Im Kanton St.Gallen sollen sie beschult werden, sobald sie dafür psychisch und physisch bereit sind.

Die Verarbeitung der belastenden Erlebnisse erfolge von Kind zu Kind unterschiedlich: Während den einen eine schnelle Einschulung wertvolle Struktur und Ablenkung gibt, würde sie für andere nach dem Erlebten eine Überforderung bedeuten. Beim Einschulungszeitpunkt will der Kanton St.Gallen deshalb Rücksicht auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder nehmen, wie er am Montag mitteilt. «Die Schule soll für die geflüchteten Kinder ein sicherer Ort sein, an dem sie sich wohl fühlen, zur Ruhe kommen und lernen können.»

Kinder kommen in Regel- oder Integrationsklassen 

Die Schulen im Kanton seien auf aufgrund früherer Erfahrungen mit Flüchtlingsbewegungen gut für die Aufnahme von Kindern aus der Ukraine gerüstet. Im Kanton St.Gallen tauschen sich involvierte Behörden und Verbände in einer Taskforce zu diesem Thema aus.

Zuständig für die Beschulung von Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter sind im Kanton St.Gallen die Schulträger vor Ort. Sie nehmen die ukrainischen Kinder entweder in Regelklassen oder in Integrationsklassen auf.

Bei einer Beschulung in der Regelklasse lernen die ukrainischen Kinder mit zusätzlicher Unterstützung Deutsch und besuchen im Übrigen den Unterricht mit den anderen Kindern. Die Schulen bereiten sich laut Kanton auf ein Szenario vor, in dem aufgrund der hohen Anzahl ukrainischer Kinder der Unterricht nicht mehr in den Regelstrukturen, sondern in allenfalls regionalen Integrationsklassen stattfinden könnte.

Ukrainisches Ministerium stellt Lehrplan zur Verfügung

Mit der grossen Aufgabe werden die St.Galler Lehrkräfte aber nicht alleine gelassen. So können ukrainische Unterstützungspersonen sowie Dolmetschende engagiert werden. Zur Unterstützung können auch ukrainische Lehrpersonen angestellt werden. Der Trägerverein Integrationsprojekte St.Gallen (TISG) informiert mit Plakaten in ukrainischer Schrift über diese Möglichkeit. Die Anstellung erfolgt nach kantonalem Lehrerpersonalrecht und setzt grundsätzlich eine anerkannte Berechtigung voraus.

Ausserdem hat das ukrainische Bildungsministerium alle Staaten, die ukrainischische Geflüchtete aufnehmen, mittels einer Plattform über den Lehrplan ab der 5. Klasse informiert. Diese Plattform stehe laut Kanton nicht im Vordergrund, könne jedoch flankierend genutzt werden, um den Kindern den Wiedereinstieg in die Schule in der Ukraine zu erleichtern.Teilweise können die Schülerinnen und Schüler auch ukrainischen Fernunterricht aus der Heimat verfolgen.

Intensives Deutschtraining und Potenzialabklärung für Jugendliche

Für Geflüchtete aus der Ukraine zwischen 16 und 21 Jahren mit Schutzstatus S will der Kanton St.Gallen auf Sekundarstufe II ein neues Integrationsangebot schaffen. Von Anfang Mai bis Ende Schuljahr wird am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen (GBS) ein Kurs angeboten, der neben einem intensiven Deutschtraining auch eine Potenzialabklärung beinhaltet.

Dabei wird auf das Schuljahr 2022/23 eine passende Anschlusslösung gesucht. Möglich sind Brückenangebote, eine berufliche Grundbildung oder ein Gymnasium. Bei grosser Nachfrage könne dieses Angebot in einem nächsten Schritt auf das Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs (bzb) und das Berufs- und Weiterbildungszentrum Rapperswil-Jona (BWZR) ausgeweitet werden.

(red.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. April 2022 12:19
aktualisiert: 4. April 2022 12:19
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