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Coronavirus

So will die St.Galler Regierung die Impfquote erhöhen

6. Oktober 2021, 16:27 Uhr
Der Kanton St.Gallen wehrt sich gegen die Impf-Vermittlerprämie des Bundesrates und fordert stattdessen höhere Tarife für impfende Ärztinnen und Ärzte. Wie die St.Galler Regierung die noch immer tiefe Impfquote im Kanton erhöhen will, erklärt Regierungsrat Bruno Damann im Interview.
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Quelle: FM1Today

Bruno Damann, die St.Galler Regierung findet keinen Gefallen an einem 50-Franken-Gutschein für Impfvermittler. Wieso?
Bruno Damann: Wir sind damit gar nicht glücklich und haben das auch deutlich zurück nach Bern geschrieben. Es gibt zwei problematische Punkte. Zum einen ist da der riesige organisatorische Aufwand, das auszubezahlen. Zweitens glauben wir nicht, dass Geld als Anreiz für eine Impfung gut ist. Die Impfung sollen jene Leute bekommen, die davon überzeugt sind.

Aber sonst sind Sie zufrieden mit den Vorschlägen des Bundesrates?
Mit gewissen Punkten schon. Zum Beispiel ist eine nationale Impfwoche für uns machbar. Das wollen wir unterstützen. Aber da müssen wir die Ärztinnen und Ärzte wieder ins Boot holen.

Das heisst?
Wir sind der Meinung, dass Ärzte und Apotheker gleich viel Geld für eine Impfung bekommen sollen. Und zwar deutlich mehr als bisher, jetzt ist das fast nicht selbsttragend. Der Bundesrat muss den Tarif erhöhen. Die Ärztinnen und die Apothekerinnen sind beim Volk, bei den Leuten. Die können sie viel eher fachlich von einer Impfung überzeugen. Das wäre die vernünftige Lösung.

Der St.Galler Regierungsrat Bruno Damann.

© Ralph Ribi/St.Galler Tagblatt

Und die Impfmobile?
Die finden wir auch nicht gut. Wir gehen lieber in den Häusern impfen. Wir haben dazu nochmals alle Gemeinden angeschrieben, dass sie sich zusammenschliessen können, damit wir nochmals Walk-in-Impfungen in allen Regionen des Kantons durchführen können. Ich glaube, das bringt mehr als ein Impfbus.

Der Kanton Thurgau hat zum Beispiel einen Impfbus. Wieso war das in St.Gallen nie eine Option?
Wir haben mit den Thurgauern über den Impfbus gesprochen. Die haben das jetzt seit Juni. Am Anfang lief es auch gut, aber jetzt läuft da sozusagen gar nichts mehr. Sie sagen selbst: Eigentlich müssten wir die Impfmobile abschaffen.

Jetzt kommt der neue Impfstoff von Johnson & Johnson. Wird da die Impf-Nachfrage nochmals steigen?
Wenn man sieht, wie viel Impfstoff wir bekommen, werden da nicht grad viele Leute damit geimpft. Es wird also nicht wahnsinnig viel bringen. Wir hoffen, dass wir wenigstens den Impfstoff, den wir bekommen haben, komplett verimpfen können. Zuerst sind jetzt da jene Leute dran, die den anderen Impfstoff nicht vertragen. Danach gibt es spezielle Walk-in-Impfungen mit dem Johnson & Johnson-Impfstoff. So sollten wir alle Dosen wegbringen.

St.Gallen hinkt bei der Impfquote im Vergleich zu anderen Schweizer Kantonen hinterher.
Da sind wir auch nicht zufrieden. Wir wären froh, wenn sich mehr Leute impfen lassen würden. Aber es ist schwierig. Irgendwann ist man am Anschlag, irgendwann hat man alle Leute erreicht, die sich impfen lassen wollen.

Wie geht es da weiter?
Wir versuchen es jetzt nochmals mit Werbung in den Gemeinden. Dort soll man niederschwellig zu einer Impfung kommen können. Auch bei den Firmen bleiben wir dran. Bei Jansen in Oberriet hatten wir 400 Leute, die eine Impfung bekamen. Bei Bühler in Uzwil waren es über 500 Leute und bei der SFS in Heerbrugg sind auch etwa 500 Personen gekommen. Das sind gute Zahlen, da wollen wir weiter machen.

(rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. Oktober 2021 05:43
aktualisiert: 6. Oktober 2021 16:27