St.Gallen plant Elektro-Trottinett-Pilot

Laurien Gschwend, 9. Juli 2019, 05:37 Uhr
Helme sind für E-Trotti-Nutzer empfehlenswert, aber nicht vorgeschrieben.
© Keystone/DPA/Roland Weihrauch
Die einen lieben es, mit Elektro-Scootern durch die Stadt zu flitzen – andere versenken sie im Fluss. Nun plant die Stadt St.Gallen ein Pilotprojekt mit den umstrittenen Gefährten.

Wer in letzter Zeit in Zürich oder anderen grösseren Städten Europas unterwegs war, ist als Fussgänger fast schon aufgefallen. Elektro-Scooter – sie heissen etwa «Tier», «Circ» oder «Bird» – haben Bahnhöfe, Strassen und Velowege geflutet. Es leuchtet ein, wieso viele zu den Leih-Trottinetts greifen: Sie sind einfach per App zu bedienen, relativ kostengünstig (rund zehn Franken pro Stunde) und können je nach Verfügbarkeit überall gemietet und wieder parkiert werden.

Trottis landen in Zürcher Gewässern

In Paris gibt's mittlerweile über 20'000 E-Scooter. Nach einem tödlichen Unfall musste die französische Hauptstadt gegen die «Plage» vorgehen: Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat ein komplettes Fahrverbot auf Trottoirs verfügt. 135 Euro müssen jene bezahlen, die das Verbot ignorieren. Schwere Unfälle mit Elektro-Scootern hat es in Zürich bislang nicht gegeben. Der Boom der letzten Monate scheint aber so manchen Passanten zur Weissglut zu treiben: Vandalen werfen haufenweise Leih-Trottis in die Limmat und den Zürichsee, wie Recherchen von Watson zeigen.

St.Gallen spannt mit Voi zusammen

Testweise sollen die Elektro-Trottis jetzt auch St.Gallen erobern. «Wir planen ein Pilotprojekt mit dem Anbieter Voi», sagt Maja Bretscher, Medienverantwortliche der städtischen Dienststelle Umwelt und Energie, auf Anfrage von FM1Today. Es seien verschiedene Anbieter auf die Stadt zugekommen, gemeinsam mit Voi werde in den kommenden Wochen das Vorgehen konkretisiert. «Noch ist unklar, ab wann die Trottis in St.Gallen zum Einsatz kommen und wie lange der Pilot dauert.»

Ein Blick auf die Website von Voi zeigt, dass es der schwedische E-Trottinett-Anbieter mit dem Standort St.Gallen ernst zu meinen scheint. Es werden ein «Vehicle Operations Specialist» und ein «City Operations Specialist» gesucht, welche sich um die Bewirtschaftung der Fahrzeuge kümmern sollen. Voi zählt nach eigenen Angaben über eine halbe Million Nutzer in acht europäischen Ländern.

«Für uns ist das Pilotprojekt dazu da, Erfahrungswerte in Bezug auf die Elektro-Scooter zu sammeln», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Ob die zusätzlichen Verkehrsteilnehmer Probleme verursachen, sei schwierig abzuschätzen. «Es kommt darauf an, wie sich die Nutzer verhalten.»

Gleiche Regeln wie auf dem Velo

E-Trottinetts fallen in die Kategorie der Leichtmotorfahrräder (E-Bikes). Sprich: Die Lenker haben die gleichen Regeln einzuhalten wie Velofahrer und auf dem Trottoir nichts zu suchen. «Sie müssen auf der Strasse fahren und dürfen die Scooter nur dort parkieren, wo sie niemanden stören. In Halte- und Parkverboten dürfen sie nicht abgestellt werden», erklärt Widmer. Wer ein Trottinett auf dem Trottoir parkiere, müsse sicherstellen, dass mindestens anderthalb Meter für Fussgänger freibleiben. Ein Helm ist empfehlenswert, aber keine Pflicht.

Ob Partygänger in Zukunft auf teure Taxipreise verzichten und stattdessen mit E-Scootern heimfräsen können, hängt davon ab, wie viel Durst sie am Abend hatten. «Sie dürfen den Alkoholwert von 0,25 mg/l (entspricht 0,5 Promille) nicht überschreiten», sagt Widmer. Wer sich nicht an die Obergrenze halte, müsse mit einer Anzeige und einem Führerscheinentzug rechnen.

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 9. Juli 2019 05:37
aktualisiert: 9. Juli 2019 05:37