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Illegale Biketrails

St.Gallen will mehr offizielle Strecken – und einen Bike-Lift in St.Georgen?

Nico Conzett, 19. Juli 2021, 16:45 Uhr
Das Thema wird seit langem diskutiert, Lösungen gab es aber bisher keine: Die Möglichkeiten für Mountainbiker sind rund um die Stadt St.Gallen stark begrenzt. Deshalb weichen die Bikenden auf illegale Trails in den Wäldern aus, was problematisch ist. Ein neues Sportkonzept schlägt nun Lösungen vor.
Der Mountainbike-Sport hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt – in St.Gallen wurde dem Trend aber noch nicht Rechnung getragen. (Symbolbild)
© Keystone

Mountainbiken liegt im Trend, auch in St.Gallen. Doch die Möglichkeiten, den Sport auszuüben, sind begrenzt, besonders für Downhill-Fahrer. Die einzige derzeit offizielle Strecke ist der Waldeggtrail oberhalb von St.Georgen. Wohl deshalb gibt es Bikerinnen und Biker, die auf Strecken im Bruggwald (beim Peter und Paul) oder dem Hagenbuchwald (oberhalb des Neudorfs) ausweichen und mit ihren Bikes auf illegalen Trails durch die Waldlandschaft donnern. Das ist problematisch, weil damit Tiere in ihrem Lebensraum gestört oder gar Wandernde gefährdet werden.

Abhilfe schaffen soll ein neues Sportkonzept der Stadt, das Gemeindesportanlagenkonzept (GESAK). Darin werden zahlreiche Ideen skizziert, wie den Bikenden mehr Möglichkeiten geboten werden könnten, um sie damit von illegalen Strecken fernzuhalten.

Bikerparadies St.Georgen?

Eine Idee beinhaltet beispielsweise, den Waldeggtrail in St.Georgen zu erweitern. Nebst der Fertigstellung des bestehenden Trails stehen die Vorschläge im Raum, einen Pumptrack sowie einen Bikepark mit Downhillstrecken zu errichten. Dazu könnte der Skilift Beckenhalde im Sommer als Transportmöglichkeit für die Bikenden genutzt werden.

Die unbewilligten Pisten in den Gebieten Peter und Paul sowie Feldli könnten zudem zusammengelegt und damit legalisiert werden. Indem einige Strecken für legal erklärt werden, soll eine «Kanalisierung und konzentrierte Belastung» der Bike-Aktivitäten erreicht werden. «Eine Kanalisierung wäre für alle Beteiligten gut», sagt Marcel Thoma, Leiter der Dienststelle Sport der Stadt St.Gallen. Thoma leitet derzeit eine Untersuchung, die Aufschluss über die tatsächliche Nutzung der Trails bringen und als Grundlage für den Beschluss konkreter Massnahmen dienen soll.

Das neue Sportkonzept soll in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments Ende August besprochen werden.

«Leicht frustrierend»

Für Adrian Gerber, Präsident des Vereins Funpark SG, welcher den Waldeggtrail betreibt, ist es höchste Zeit, dass die Probleme endlich angegangen werden. «Es ist schon leicht frustrierend, dass es seit Jahren nicht wirklich vorwärtsgeht.»

Der Bedarf an neuer Infrastruktur für Velofahrerinnen und Velofahrer sei gross – zu dieser Erkenntnis kommen die Verfassenden des Sportkonzepts ebenfalls. «Ich hoffe, dass die Diskussionen über konkrete Massnahmen endlich breiter geführt werden und dass wirklich etwas geht», so Gerber weiter. Es sei vor allem wichtig, dass endlich jemand das Heft in die Hand nehme und einen Plan für die Umsetzung der Ideen erarbeite.

Regionales Bikenetz immer noch nicht umgesetzt

Gerber stört sich insbesondere daran, dass es nach wie vor kein gemeindeübergreifendes, regionales Bikenetz gibt – der Bedarf an einem solchen wurde schon vor Jahren erkannt. Umgesetzt wurde es aber nie, obwohl diese Massnahme im sogenannten Waldentwicklungsplan schriftlich festgehalten ist. Dieser Plan ist im Jahr 2013 in Kraft getreten.

Dass nach der Tagung des Parlaments über das neue Konzept wirklich etwas geht, davon ist Gerber nur bedingt überzeugt: «Alles, was im Konzept steht, ist nicht handfest. Es handelt sich nur um Ideen.»

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Juli 2021 05:55
aktualisiert: 19. Juli 2021 16:45