Drohnenrettung

St.Gallen will Rehkitz-Rettungen nicht zahlen

14. November 2019, 06:24 Uhr
Rehkitze mit einer Wärmebildkamera aufzuspüren ist effektiv, aber auch teuer. Nicht dafür aufkommen will die St.Galler Regierung. Die Rehkitzrettung sei Sache der einzelnen Jagdreviere.

Sie liegen im hohen Gras, von der Mutter gut versteckt, sodass sie auch der erfahrene Landwirt kaum sieht: Die jungen Rehkitze. Weil sie bei Gefahr erstarren, statt wegzurennen, sterben in der Schweiz jedes Jahr rund 2000 Kitze am Mähtod, die Dunkelziffer wird allerdings deutlich höher geschätzt.

Drohnen, die mit einer Wärmebild-Kamera ausgestattet sind, können dies verhindern und beugen zusätzlich dem tödlichen Botulismus-Erreger vor, die durch das Verwesen der Kitze ins Heu gelangen. Die Krankheit hat schon ganze Schafherden ausgelöscht und Kuhställe geleert.

Kanton ist nicht zuständig

Die Suche per Drohne ist allerdings teuer, pro Feld kostet sie bis zu 200 Franken. Nicht dafür aufkommen will die Regierung des Kantons St.Gallen. Dies schreibt sie in der Antwort zum Vorstoss zweier Kantonsräte.

Die Regierung findet, für die Rettung der Rehkitze im hohen Gras sind die einzelnen Jagdreviere und die Landwirtschaft zuständig. Da die regionalen Jagdreviere für den Artenschutz verantwortlich sind, liege auch die Rettung der Kitze in ihrer Gewalt, dem Kanton fehle gar die gesetzliche Grundlage für eine Unterstützung.

Die Interpellation von Beat Tinner aus Wartau und Jörg Tanner aus Sargans verlangte nebst Unterstützung in finanzieller Form auch eine Meldepflicht für Landwirte, sollten sie ein Reh vermähen.

Einige St.Galler Reviere retten schon per Drohne

Bereits in der Umsetzung der Rehschutzmassnahmen sind die Reviere Oberbüren, die St.Galler Stadtgebiete, sowie das Appenzeller Vorderland, welches ein Pilotprojekt durchführt. «Teilweise haben die Reviere bereits eigene Drohnen, mit denen sie arbeiten», sagt Mirko Calderara. Er ist Wildhüter im oberen Rheintal und im Fürstenland und ist auch in das Appenzeller Pilotprojekt involviert.

FM1Today hat eine der Rehkitz-Rettungen begleitet:

«Der Haken liegt beim Personal»

Grundsätzlich ist er von der Methode überzeugt. Eine flächendeckende, kantonale Organisation sieht aber der Experte als schwierig an. «Der Haken liegt in meinen Augen hauptsächlich bei der ‹Manpower›.»

Im vergangenen Frühjahr sei eine Gruppe von Jägern freiwillig während sechs Wochen in der Rehkitzrettung aktiv gewesen. «Dabei ist man immer auf Abruf und muss sehr früh los.» Das Problem liege in der Ballung der Anfragen. An einem Morgen sei der Rettungstrupp auf 33 Parzellen unterwegs gewesen. Viele Jagdreviere würden deshalb weiter auf altbewährte Methoden setzen, beispielsweise das Abblenden der Kitze oder das Fiepen der Rehe zu imitieren.

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Erste Lösungsansätze sind da

Trotzdem gibt es in der Schweiz erste Lösungsansätze, um die Rehkitzrettung per Drohne zu organisieren und zu finanzieren. Der Verein «Rehkitzrettung Schweiz» bietet die Drohnenflüge gratis an, finanziert wird er durch Spenden von Organisationen und Privatpersonen.

Auch die St.Galler Stadtreviere haben davon bereits Gebrauch gemacht. «Die Aktion war sehr erfolgreich, wir konnten über 30 Kitze retten», sagt Peter Weigelt, Präsident des Jagdreviers St.Gallen Ost. Im kommenden Jahr will das Stadtrevier wiederum Drohnen zur Kitzsuche einsetzen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. November 2019 05:53
aktualisiert: 14. November 2019 06:24