Versuch

St.Galler Primarschulhaus schafft die Hausaufgaben ab

Krisztina Scherrer, 23. Januar 2020, 13:20 Uhr
Seit letztem Sommer gibt es statt Hausaufgaben eine Lernzeit für die Schülerinnen und Schüler des Feldli-Schoren-Schulhauses.
© Tagblatt/Lisa Jenny
Die St.Galler Primarschule Feldli-Schoren hat seit letztem Sommer die Hausaufgaben versuchsweise abgeschafft. Das Projekt zeigt Wirkung, die Rückmeldungen sind meist positiv. Jetzt wird das Experiment um ein halbes Jahr verlängert.

«Man weiss schon länger, dass Hausaufgaben einen geringen bis keinen Einfluss auf das Lernen haben und auch die Chancengleichheit ist ein Thema, weshalb wir sie abgeschaffen haben», sagt Ralf Schäpper, Schulleiter des Primarschulhaus Feldli-Schoren, gegenüber FM1Today. 

«Die Schule ist der Lernort, nicht das Zuhause»

Die Schüler haben verschiedene Hintergründe und kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern. «Das Lernen kam über die Hausaufgaben ins Elternhaus. Das sollte aber eigentlich im Schulhaus passieren, denn die Schule ist der Lernort, nicht das Zuhause», so Schäpper. Hausaufgaben könnten manche Schüler überfordern, weil sie keine Hilfe hätten, andere erhielten wiederum zu Hause Hilfe.

Ralf Schäpper ist seit letztem Sommer Schulleiter des Schulhauses Feldli-Schoren.

© Tagblatt/Lisa Jenny

Viermal in der Woche Lernzeit

Doch die Hausaufgaben einfach zu streichen, wäre der falsche Ansatz. Wie das «St.Galler Tagblatt» schreibt, hat das Primarschulhaus dafür die Lernzeit eingeführt. Diese wird viermal in der Woche durchgeführt. «Die Schüler investieren, je nach Alter und Stufe, 15 bis 30 Minuten in die Lernzeit», so Schäpper. Sie entscheiden selber, woran sie arbeiten möchten. Die Lehrer stellen ihnen Aufgaben von aktuellen Themen zusammen und übernehmen eine Coachingfunktion. 

Verlängerung bis Sommer

Die Rückmeldungen auf das Experiment «Keine Hausaufgaben» sind positiv. «Für viele Kinder waren die Hausaufgaben ein Stress und manchmal ein Grund, weshalb sie nicht gerne in die Schule gingen. Die Lehrpersonen sind sehr engagiert und haben Freude daran – auch jene, die anfangs kritisch waren», sagt Schäpper. Eltern bedanken sich per Mail, weil die Kinder mehr Zeit zum Spielen, für den Sport oder Musikunterricht haben. «Wegen der positiven Erfahrungen verlängern wir das Ganze bis zum Sommer.»

Eltern erhalten weniger Einblick in Schulleistung der Kinder

Nur wenige Eltern seien etwas kritisch. Einer der Kritikpunkte sei, dass man als Eltern ohne Hausaufgaben weniger Einblick in die Schule habe. Das müsse man ernst nehmen: «Die Kinder bringen den Eltern wöchentlich eine Rückmeldung zu Lernstand und Themen in der Schule, damit sie auch ohne Hausaufgaben informiert sind», so Schäpper.

Dass der Austausch mit den Eltern nur über Hausaufgaben passiere, sei falsch. «Hausaufgaben haben uns auch oft eine falsche Rückmeldung gegeben, wenn die Eltern ihren Kindern zum Beispiel geholfen haben, wussten wir nicht, ob die Aufgaben verstanden wurden oder nicht.» 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 23. Januar 2020 13:20
aktualisiert: 23. Januar 2020 13:20