Coronavirus

St.Galler Regierung: «Niemand soll allein gelassen werden»

Laurien Gschwend, 17. März 2020, 21:59 Uhr
Mit genügend Sicherheitsabstand: Die St.Galler Regierung spricht im St.Galler Pfalzkeller vor den Medien.
© St.Galler Tagblatt/Benjamin Manser
Die St.Galler Regierung hat am Dienstagvormittag über die aktuelle Coronavirus-Lage informiert. Die Spitäler bereiten sich auf einen Anstieg der Fälle vor – Senioren werden dazu aufgerufen, sich zu melden, wenn sie Hilfe benötigen.

«Niemand soll allein gelassen werden», sagt die St.Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann. Sie meint insbesondere die ältere Bevölkerung, die zu einer der Coronavirus-Risikogruppen gehört. Gemeinsam mit den Gemeinden werde in den nächsten Tagen ein Brief an alle Senioren verschickt. «Damit jeder weiss, wo er Hilfe anfordern kann», erklärt Hanselmann. Die Gemeinden werden mit der Koordination der Nachbarschaftshilfe beauftragt.

«Es wird einen Anstieg geben»

Laut der Gesundheitsdirektorin haben die Spitäler im Kanton St.Gallen die Corona-Situation aktuell noch im Griff. «Es wird aber einen Anstieg geben. Darauf bereiten sich die Spitäler bereits seit einigen Wochen vor.» Jene Behandlungen, die nicht dringend sind, sollen verschoben werden – damit Betten für Schwerkranke freiwerden.

Hanselmann appelliert erneut an die Bevölkerung, die Hygieneregeln des Bundes umzusetzen, und möglichst zu Hause zu bleiben. «Das sind einschneidende Massnahmen, sie machen keine Freude. Wenn wir aber zusammenstehen, können wir die Ansteckungswelle eindämmen.» Eine Überlastung des Gesundheitssystems soll um jeden Preis verhindert werden. «Das hätte zur Folge, dass auch eine Person nach einem Töffunfall und eine Freundin mit Brustkrebs nicht mehr behandelt werden könnten.»

Fünf Kinder pro Schule ohne private Betreuung

Seit Montag und bis mindestens 19. April bleiben sämtliche Schulen geschlossen. Das sei im Kanton St.Gallen gut aufgenommen werden, sagt Bildungschef Stefan Kölliker. Viele Familien nähmen sich gegenseitig die Betreuung der Kinder ab. «Im Schnitt haben nur gerade fünf Kinder pro Schule die zur Verfügung gestellten Betreuungsmöglichkeiten genutzt.» Ob die Schulschliessungen verlängert werden sollen, will Kölliker heute noch nicht beurteilen.

Die Kindertagesstätten sollen weiterhin geöffnet bleiben, versichert Martin Klöti, Vorsteher des Departements des Innern. Berufstätige Eltern, die ihre Vorschulkinder bislang von Grosseltern betreuen liessen, sollen innerhalb der Nachbarschaft oder des Freundeskreises eine Lösung suchen. «Gewisse Kitas haben aber auch noch Platz, weil viele Kinder nun zu Hause bleiben.»

Martin Klöti ist 65-jährig und nimm deshalb nicht physisch an der Medienkonferenz teil.

© St.Galler Tagblatt/Benjamin Manser

Info-Hotline ab Mittwoch

Der Kanton sieht aktuell davon ab, die Armee beizuziehen, dazu gebe es noch keinen Anlass. Aktuell werden diverse Massnahmen geprüft, um insbesondere kleine Unternehmen finanziell zu unterstützen.

Für die Bevölkerung wird ab Mittwoch eine Info-Hotline eingerichtet. Diese wird von Montag bis Freitag zwischen 8 und 19 Uhr und am Wochenende zwischen 9 und 16 Uhr bedient.

Die Medienkonferenz des Bundes zum Nachlesen: 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. März 2020 11:26
aktualisiert: 17. März 2020 21:59