St.Galler Spitäler wollen sparen

René Rödiger, 31. Mai 2018, 15:22 Uhr
Das Kantonsspital in St.Gallen.
Das Kantonsspital in St.Gallen.
© Urs Bucher/St.Galler Tagblatt/Archiv
Den Spitalverbunden des Kantons St.Gallen droht ein jährliches Defizit von 70 Millionen Franken. Nun will der Verwaltungsrat die Leistungen kürzen und so Geld sparen.

Bereits im März kündigte der Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen ein Strukturprojekt an. Jetzt wird es konkreter: Künftig sollen nur noch an den Spitälern in St.Gallen, Grabs, Uznach und Wil stationäre Leistungen erbracht werden.

Die neun St.Galler Spitäler haben im vergangenen Jahr einen Gewinn von 4,7 Millionen Franken erwirtschaftet. Das sind rund 6,7 Millionen Franken weniger als im Vorjahr.

Mit den Fortschritten in der Medizin und der zunehmenden Spezialisierung werde es zu einer grossen Herausforderung, die bisher sehr gute Qualität der Dienstleistungen auch in Zukunft gewährleisten zu können.

Ohne wirksames Gegensteuern drohe den Spitalverbunden in den nächsten sieben Jahren ein strukturelles Defizit von jährlich 70 Millionen Franken. Dieses gefährde langfristig die medizinische Versorgung im Kanton St. Gallen.

Konzentration vorgeschlagen

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde schlägt der Kantonsregierung und dem Parlament eine medizinische Leistungskonzentration in den Spitalverbunden vor. Die stationäre Leistungserbringung solle künftig an einem Standort pro Spitalverbund angeboten werden: konkret an den Spitälern St. Gallen, Grabs, Linth (Uznach) und Wil.

99 Prozent der St. Galler Bevölkerung würden auch in Zukunft innerhalb von 30 Minuten ein Spital mit Notfall- und stationärer medizinischer Versorgung erreichen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Ziele dieses Grobkonzeptes sind die Konzentration, der Abbau von teuren Doppelspurigkeiten, die Erhöhung der Fallzahlen und eine weitere Qualitätssteigerung zum Wohl der Patientinnen und Patienten.

Der Verwaltungsrat schlägt zudem vor, das Leistungsangebot an den fünf Spitalstandorten Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach neu zu konzipieren.

Sie könnten nach Möglichkeit die ambulante Gesundheitsversorgung in Kooperation mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten anbieten oder teilweise einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Regierung bildet Lenkungsausschuss

Der Vorschlag liegt jetzt bei der St. Galler Regierung. Die Regierung anerkennt die schwierige finanzielle Situation und sieht Handlungsbedarf, wie es in einer Mitteilung der St. Galler Staatskanzlei heisst. Gestützt auf die vorliegenden Informationen könne aber noch kein Entscheid zur Strategieentwicklung gefällt werden.

Die Regierung hat beschlossen, die Entscheidungsgrundlagen zu erweitern und zu vertiefen. Ein Lenkungsausschuss aus Mitgliedern der Regierung und des Verwaltungsrats soll die unternehmerische Sicht mit einer gesundheitspolitischen und finanzpolitischen Sicht zusammenführen. Der Lenkungsausschuss wird noch vor den Sommerferien das nächste Mal informieren.

Diese Spitäler sollen zukünftig keine Bettenstation mehr haben:

  • Altstätten
  • Walenstadt
  • Wattwil
  • Flawil
  • Rorschach

Diese Spitäler werden auch künftig stationäre Patienten behandeln:

  • St.Gallen
  • Grabs
  • Uznach
  • Wil
René Rödiger
Quelle: red./SDA
veröffentlicht: 31. Mai 2018 10:18
aktualisiert: 31. Mai 2018 15:22