Buchs

Stadtrat bedauert Kündigung von Markus Büchel – Soziale Dienste unter Druck

Angela Müller, 2. März 2021, 12:01 Uhr
Die Kündigung des langjährigen Jugendarbeiters Markus Büchel wird von allen Seiten kritisiert.
© Tagblatt (Archiv)
Über 20 Jahre hat er als Jugendarbeiter in der Region Werdenberg gewirkt: Letzte Woche wurde Markus Büchel entlassen und freigestellt. Nun gerät der Vorstand der Sozialen Dienste Werdenberg massiv unter Druck. Der Buchser Stadtrat zeigt sich öffentlich überrascht, die CVP stellt die Organisationsstruktur infrage und eine Online-Petition gegen die Entlassung hat schon 1000 Unterschriften.

«Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich gehört habe, dass Markus Büchel gekündigt wurde», sagt Daniel Gut, Stadtpräsident von Buchs, auf Anfrage von FM1Today am Montagabend. Am Dienstag meldet sich der Buchser Stadtrat per Medienmitteilung: Der Stadtrat habe die Kündigung und Freistellung mit grossen Bedauern zur Kenntnis genommen. «Markus Büchel hat über viele Jahre die offene Jugendarbeit und die Schulsozialarbeit massgeblich geprägt – und allseits anerkannt Ausserordentliches geleistet, nicht nur für Buchs, sondern für die ganze Region.»

Allerdings kann der Buchser Stadtrat nicht direkt Einfluss nehmen. Denn alle sechs politischen Gemeinden der Region Werdenberg haben den Verein Soziale Dienste Werdenberg (SDW) zur Führung der Sozial- und Suchtberatung und auch des Kompetenzzentrums Jugend (KOJ) für die Region Werdenberg beauftragt. Büchel war Abteilungsleiter des KOJ.

Stadtrat Buchs will Aufarbeitung 

«Es ist denn auch der Vereinsvorstand, welcher den auch für den Stadtrat Buchs sehr überraschenden Personalentscheid getroffen hat.» Der Stadtrat betont, er habe Verständnis für das Anliegen, dass die genauen Umstände, die zur Kündigung und Freistellung führten, geklärt werden, heisst es in der Mitteilung weiter und er werde sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für eine neutrale und lückenlose Aufarbeitung des Geschehenen einsetzen.

Vorstand der Sozialen Dienst zeigt sich überrascht

Beim Vorstand des SDW zeigt man sich überrascht über den Aufruhr, den die Kündigung verursacht hat. «Es war uns bewusst, dass Eltern und Jugendliche Anteil an der Kündigung nehmen werden», sagt Eduard Neuhaus, Vorstandspräsident der SDW. Wir haben aber nicht erwartet, dass die Reaktionen so gross sein könnte. Neuhaus betont, dass Büchel in der Vergangenheit sicher gute Arbeit geleistet habe. Er deutet an, dass man im Vorstand die Situation nochmals vertieft analysiert: «Man denkt darüber nach, wie es weiter gehen wird.»

CVP findet die Vereinsform des SDW als «ungeeignet»

Inzwischen hat sich auch die CVP zu Wort gemeldet: Die Vereinsform sei ungeeignet für eine Organisation, die ausnahmslos öffentliche Aufgaben erbringe und fast ausschliesslich durch öffentliche Gelder finanziert werde. Die Alternative wäre für die CVP ein Zweckverband.

In Buchs und der Region werden noch bis Ende Woche Unterschriften gegen die Entlassung gesammelt.

© zVg

Direkt nach der Kündigung letzter Woche kam es in der Bevölkerung zu einer riesigen Solidaritätswelle: Schülerschaft, Vereine und Organisationen sammeln Unterschriften für eine Petition, die sich direkt an die Gemeinde und Stadträte der Region Werdenberg richtet. Unter anderem verlangt die Petition den sofortigen Rückzug der Kündigung und die sofortige Aufhebung der Freistellung, auch soll der Fall von unabhängiger Stelle untersucht werden.

Bald 1000 Online-Unterschriften 

Online sind bereits knapp 1000 Unterschriften zusammengekommen, am Samstag standen die Leute im Stadtzentrum von Buchs an, um ihrem Unmut Ausdruck zu geben und die Unterschriftenbögen der Schülerinnen und Schüler zu unterschreiben. Auch hier dürften sehr viele zusammen gekommen sein. Ende Woche sollen alle Unterschriften den zuständigen Behörden in den verschiedenen Gemeinden überreicht werden.

Warum Markus Büchel überhaupt gekündigt wurde, bleibt weiterhin ein Rätsel. Auf Anfrage von FM1Today sagt Neuhaus: Er könne aus Persönlichkeitsschutzgründen nichts dazu sagen. Naheliegend scheint ein Machtkampf innerhalb der Sozialen Dienste Werdenberg, denn Büchel ist nicht die erste Person, der unter der neuen Leitung von Alexandra Baumann innert kürzester Zeit gekündigt wurde. Bereits im Dezember verlor die Abteilungsleitung Zentrale Dienste nach über 17 Jahren ihre Stelle.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. März 2021 13:23
aktualisiert: 2. März 2021 12:01