St.Gallen

Steigende Jugendgewalt in der Stadt – Polizei sucht das Gespräch

27. Oktober 2020, 16:25 Uhr
Die St.Galler Stadtpolizei hat am vergangenen Wochenende gemeinsam mit der Transportpolizei und der Kantonspolizei St.Gallen den Dialog mit Jugendlichen gesucht. Dies, weil es immer häufiger zu Gewaltdelikten auf den St.Galler Strassen kommt.

An den Wochenenden macht sich das Partyvolk auf den Weg in die Innenstädte. In Clubs und Bars wird gefeiert und getrunken. Mit steigendem Alkoholpegel steigt auch die Gewaltbereitschaft. Besonders Jugendliche sind deswegen in letzter Zeit immer häufiger auffällig geworden – auch in der Stadt St.Gallen.

Tätlichkeiten, Marihuana-Besitz und Alkoholmissbrauch

«An den Wochenenden kommt es in der Stadt immer häufiger zu Gewaltdelikten. Deshalb sucht die Polizei heute den Dialog mit den Jugendlichen», schrieb die St.Galler Stadtpolizei am Samstag auf Instagram. «Wir müssen jedes Wochenende intervenieren», bestätigt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Sei es mit Schlichten bei Konflikten oder Hilfeleistungen bei Betrunkenen oder Verletzten. Alleine letztes Wochenende musste die Stapo bei vier Tätlichkeiten eingreifen, einer Handvoll Jugendlicher hat sie Marihuana abgenommen und eine Minderjährige musste mit auf den Posten, weil sie zu betrunken war.

Zahl der Körperverletzungen steigt

Dass die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen in St.Gallen gestiegen ist, zeigt sich in der Kriminalstatistik des Kantons. 2018 wurden 18 Jugendliche wegen einfacher Körperverletzung angezeigt, 2019 waren es 28. Im ersten Halbjahr von 2020 sind bereits 18 Anzeigen gegen Jugendliche wegen einfacher und zwei wegen schwerer Körperverletzung eingegangen. Um solche Fälle künftig zu vermeiden, tritt die Polizei nun in den Dialog mit den Jugendlichen.

Neuralgische Punkte in der Stadt St.Gallen

«Es geht darum, den Jugendlichen aufzuzeigen, dass sie sich an uns wenden können, wenn es Probleme gibt. Deshalb haben wir zu Beginn des Samstagabends – dann, wenn die Jugendlichen noch gut ansprechbar sind und nicht zu viel Alkohol im Spiel ist – das Gespräch gesucht», sagt Kohler. Im Verlauf des Jahres habe die Polizei festgestellt, dass es in der Stadt St.Gallen neuralgische Punkte gibt. Besonders Minderjährige, welche keinen Eintritt in Bars und Clubs erhalten, seien auf öffentlichen Plätzen in der Stadt anzutreffen. «Am Bahnhof kommen die Auswärtigen an, von da aus verteilen sie sich auf Plätzen in der Innenstadt.»

«Müssen die Jugendlichen nicht erziehen»

Das Ziel der Polizei sei es aber nicht, den Jugendlichen zu ihren Versammlungsplätzen hinterherzurennen, sagt Kohler. «Solange sie sich an die Regeln halten, dürfen sie den öffentlichen Raum genauso nutzen, wie alle anderen auch. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Jugendlichen zu erziehen. Deshalb setzen wir auf den Dialog.»

Auch in Zukunft will die Stadtpolizei St.Gallen an Wochenenden mit den Jugendlichen ins Gespräch treten, sagt Kohler: «Die Jugendlichen sollen wissen, dass wir da sind und nicht wegschauen.»

(dab)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Oktober 2020 05:36
aktualisiert: 27. Oktober 2020 16:25