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«Substanzen sind für Kinder sehr gefährlich» – Immer mehr Spielplätze werden rauchfrei

Stefanie Rohner, 2. Juni 2020, 05:28 Uhr
Immer mehr St.Galler Gemeinden möchten die Spielplätze rauchfrei haben.
© KEYSTONE/PETRA OROSZ
Kinder vor Passivrauchen schützen: Immer mehr St.Galler Gemeinden machen ihre Spielplätze rauchfrei. Zwar gibt es im Kanton keine gesetzliche Grundlage dafür, die Verbotsschilder würden dennoch wirken und hätten eine sensibilisierende Wirkung.

Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel und der Qualm, der spielende Kinder einnebelt: Das soll der Vergangenheit angehören – zumindest zeigen sich viele St.Galler Gemeinden daran interessiert, am Projekt «Rauchfreie Spielplätze» des kantonalen Gesundheitsdepartements mitzuwirken.

So entschied sich auch die Gemeinde Gaiserwald, bestehend aus den drei Dörfern Engelburg, Abtwil und St.Josefen, dafür, die Hinweisschilder «Rauchfreie Spielplätze« auf ihren Spielanlagen anzubringen.

"Bei uns sind alle Spielplätze auf den Schulanlagen öffentlich und nicht eingezäunt. Für die Benutzung der Schulanlagen und deren Spiel- und Sportanlagen wurden bereits Benutzungsvorschriften erlassen – unter anderem gilt bereits heute ein Rauchverbot auf der gesamten Schulanlage», sagt Guido Rüber, Leiter Liegenschaften der Gemeinde Gaiserwald. «Manche beachten die bestehenden Schilder bei den Zugängen nicht, oder wollen diese nicht sehen. Deshalb haben wir entschieden, diese Schilder zusätzlich direkt an den Spielplätzen anzubringen.» Es hätten immer wieder Zigarettenstummel aus den Fallschutzbelägen der Spielanlagen mühsam entfernt werden müssen, so Rüber.

«Zigarettenstummel werden achtlos weggeworfen»

Es seien weniger die Eltern der Kinder, die rauchen. Das Problem bestehe hauptsächlich am Abend, wenn die Schulanlagen nicht mehr beaufsichtigt werden. Nach zehn Uhr abends dürfen sich keine Personen mehr auf dem Schulgelände aufhalten, dennoch kommt das laut Rüber vor – «und in diesen Fällen haben wir dann auch das Problem, dass Zigarettenstummel achtlos weggeworfen werden».

Die Anlagen werden ausserhalb der Schulzeiten periodisch, insbesondere an Wochenenden, von einer Sicherheitsfirma überwacht. Fehlbare Personen, die gegen die Hausordnung verstossen, werden weggewiesen und namentlich erfasst. Im Wiederholungsfall droht eine Verzeigung wegen Hausfriedensbruchs. «Die Massnahmen haben Erfolg und es kommt nur in seltenen Fällen zu einer Verzeigung wegen Hausfriedensbruchs», sagt Rüber.

Projekt seit 2019

Die Gemeinde Gaiserwald ist die dritte St.Galler Gemeinde im Jahr 2020, die die offiziellen Hinweisschilder des Gesundheitsdepartements angebracht hat. Das Projekt «Rauchfreie Spielplätze» wurde vom Gesundheitsdepartement St.Gallen im Jahr 2019 im Rahmen des kantonalen Tabakpräventionsprogramms initiiert.

St.Gallen war die erste Gemeinde, die es umgesetzt hat, gefolgt von der Stadt Wil und Lütisburg im Toggenburg. Nun folgen nach der Gemeinde Gaiserwald auch Rapperswil-Jona und Nesslau. Weitere Gemeinden sind interessiert.

«Das Interesse ist auf jeden Fall gross», sagt Jolanda Welter von der Fachstelle Suchtprävention beim Amt für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen, Abteilung «Zepra». Initiiert wurde das Projekt, da die liegengebliebenen Zigarettenstummel und der Passivrauch für die spielenden Kinder schädlich sind. «Gerade für Kleinkinder kann es sehr schädlich sein und – wenn sie die Stummel in den Mund nehmen – kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen und sie müssen erbrechen oder haben Durchfall», sagt Welter.

Mit diesem Schild solld das Rauchen von Spielplätzen verbannt werden.

© zVg

«Niemand will Polizist spielen»

Gebüsst werden kann im Kanton St.Gallen allerdings niemand, der auf einem Spielplatz raucht, die gesetzliche Grundlage fehlt. «Es wäre schön, wenn es soweit funktioniert, dass auch keine Grundlage nötig sein wird. Niemand will Polizist spielen oder Bussen ausstellen», sagt Welter.

Es gehe bei diesem Projekt vor allem um die Sensibilisierung der Menschen. «Tagsüber kommt es schon mal vor, dass Eltern auf den Spielplätzen rauchen, mit einem solchen Schild können sie freundlich darauf hingewiesen werden, es lieber sein zu lassen. Abends kommt es sicher auch vor, dass Jugendliche auf den Spielplätzen sind und rauchen», sagt Welter.

Mehrheitlich funktioniere es wahrscheinlich überall. Und wie überall gebe es auch solche, die sich nicht daran halten würden. «Aber ich denke, die wenigsten sehen einen Platz voll mit spielenden Kindern als ideal für eine Zigarette an», sagt Welter.

Andere Kantone mit ähnlichen Projekten

In Deutschland sind viele Spielplätze von Gesetzes wegen rauchfrei, dort stellt man laut Welter fest: Steht ein Verbotsschild, wird das Verbot viel besser eingehalten.

Gemeinden, die beim Projekt mitmachen, erhalten von «Zepra» das offzielle Schild kostenlos. Wie gut die Verbote bei den ersten mitwirkenden Gemeinden eingehalten werden, kann noch nicht gesagt werden. «Im kommenden Jahr werden wir Rückmeldungen einholen, dann sehen wir auch, wie es funktioniert», sagt Welter.

Der Kanton St.Gallen ist nicht der einzige, der auf rauchfreie Spielplätze setzt. Vergleichbare Projekte gibt es auch in anderen Kantonen. «Es wäre wünschenswert, wenn das Ganze für alle Kantone gelten würde, auch wenn keine gesetzliche Grundlage geschaffen wird», sagt Welter.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Juni 2020 05:28
aktualisiert: 2. Juni 2020 05:28