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Neun Meter hoch

«Unorte verschönern» – hier entsteht das grösste Wandgemälde St.Gallens

15. Juni 2021, 16:17 Uhr
Der St.Galler Künstler Dominik Rüegg will mehr Farbe in seine Heimatstadt bringen. Mithilfe von Streetart verschönert er das Stadtbild. Erster Schritt: Das Bemalen einer neun Meter hohen Fassade. Bis dahin war es ein langer Weg.
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Quelle: FM1Today

Dominik Rüegg hat schon Wände in der ganzen Schweiz bemalt. Nun endlich auch in seiner Heimat: St.Gallen. Drü-Egg, wie der Künstler auch genannt wird, möchte mehr Farbe in die Stadt bringen: «Es geht darum, Unorte zu verschönern.» Nicht er alleine will die ganze Stadt bemalen. In seiner Vorstellung ist dieses Bild ein Startschuss für mehr Streetart in St.Gallen: «Es soll die Türe öffnen für mehr Künstler und mehr Farbe.»

Kampf mit der Bürokratie

Täglich fuhr Rüegg an der grauen Wand an der Oberstrasse vorbei und stellte sich vor, was er damit alles machen könnte. Es juckte ihm in den Fingern, bis er es nicht mehr lassen konnte: «Da die Liegenschaft der Stadt gehört, habe ich ein entsprechendes Baugesuch eingereicht.» Ein solches Gesuch ist öffentlich, heisst: Jeder kann Einspruch erheben und alles muss bis ins Detail geplant werden: «Von der Farbenwahl bis zu den Sujets, es musste alles seine Berechtigung haben.»

Viel Kaffee und 9000 Franken im Crowdfunding

Für den Künstler ist dies eine ungewohnte Art zu arbeiten, normalerweise kreiert er vieles aus dem Moment. In diesem speziellen Fall lag zwischen der ersten Sitzung mit der Stadt und dem effektiven Malen beinahe ein Jahr: «Es hat sich aber gelohnt. Schliesslich fahre ich weiterhin jeden Tag daran vorbei.»

Ausserdem habe sich gezeigt, dass die St.Galler Bevölkerung Freude an seinem Projekt hat: «Die Nachbarn bringen mir Kaffee und Autofahrer hupen freundlich.» Bereits beim Crowdfunding sei die Unterstützung zum ersten Mal spürbar gewesen. «Ich habe mir das Ziel von 9000 Franken gesetzt und war völlig überrascht, als wir das bereits nach drei Tagen erreicht haben», sagt Rüegg.

Von St.Gallen für St.Gallen

Obwohl die 9000 Franken nur knapp für die Hälfte des Projekts gereicht hätten, sei dies moralisch ein grosser Ansporn gewesen. «Das Wandgemälde ist von der Bevölkerung bezahlt und für die Bevölkerung gemalt.» Deshalb sei auch der Bezug zur Stadt sehr wichtig gewesen: «Jeder Teil des Bildes widerspiegelt für mich die Stadt St.Gallen.» So würden zum Beispiel die Zelte für das Openair stehen und das Kreuz für die Kreuzbleiche: «Es ist sehr persönlich. Mein Blick auf die Stadt. Darum gibt es auch keinen Dom, dafür aber eine Bratwurst», sagt der Künstler mit einem Lachen.

Sieben Tage Arbeit

Insgesamt belaufen sich die Kosten auf rund 20'000 Franken. «Mir sind diverse Leute massiv mit den Preisen entgegen gekommen, damit ich dieses Projekt realisieren kann», sagt der St.Galler. Die Farben und die Utensilien zum Malen seien nur ein Teil der Ausgaben. Da die Fassade neun Meter hoch ist, habe er auch eine Hebebühne gebraucht: «Sonst wäre ich gar nicht bis nach oben gekommen.» Da die Hebebühne auch irgendwo stehen müsse, habe er noch einen Parkplatz gemietet: «Jetzt freue ich mich, nun endlich sieben Tage malen zu dürfen.» Am Wochenende kann das Kunstwerk wohl in seiner finalen Form bestaunt werden.

(mau)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Juni 2021 18:54
aktualisiert: 15. Juni 2021 16:17