Weisstannental

«Vergiesse keine Träne»: Ein Original verlässt die Alp nach 50 Jahren

Linda Aeschlimann, 7. September 2020, 11:26 Uhr
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Quelle: FM1Today

Der Abschied fällt nicht leicht: Nach 50 Alpsommern kehrt Älpler Johann Wachter seiner Alp, der Alp Valtüsch im Weisstannental, den Rücken. FM1Today besuchte die «Legende» an einem seiner letzten Tage. Dabei sagt er, warum er jedem einen Alpsommer empfehlen würde und wie er seinem Sohn das Leben rettete.

Im Weisstannental, hoch über den berühmten Batöni-Wasserfällen, führt Johann Wachter die Alp Valtüsch. Ein Ort, an dem die Welt noch in Ordnung zu sein scheint.

Für Johann Wachter jedenfalls ist hier alles in Ordnung. Die Alp Valtüsch ist für ihn der schönste Ort der Welt. Seit 50 Jahren verbringt der Vater von vier erwachsenen Kindern hier, auf dieser Alp, jeden Sommer. Nun ist sein Letzter gekommen. Sein Alter lässt es nicht mehr zu, dass er zurückkehrt. Der zweistündige, steile Aufstieg ist für den 77-Jährigen Landwirt und schweizweit bekannten Viehzüchter zu anstrengend.

Der Älpler – der Lebensretter

«So wenige Tage vor dem Abschied kommen mir keine Tränen. Aber ganz viele Erinnerungen», sagt Johann Wachter, beim Besuch von FM1Today. Das prägendste Erlebnis in den 50 Jahren war ein Helikopter-Absturz 1982. «Im Helikopter sassen mein Sohn, der Pilot und der Flughelfer. Ich konnte alle retten», sagt Johann Wachter.

Er konnte damals alle drei Personen aus dem Helikopter ziehen. «Am meisten Angst hatte ich, dass der Helikopter explodiert». Die Rettungskräfte, welche später eintrafen, sprachen von einem Wunder, dass die Helikopter-Insassen diesen Absturz überlebten.

Der Älpler – der Gastgeber

Dies ist nur eine von vielen Geschichten, die Johann Wachter nach 50 Alpsommern zu erzählen hat. Alle Geschichten und Erinnerungen zusammen würden ein dickes Buch füllen.

Einen Sommer auf einer Alp würde Johann Wachter jedem empfehlen: «Heute ist es wirklich schön auf einer Alp zu arbeiten. Nach dem man die Alpweiden eingezäunt hat, muss man nicht mehr den ganzen Tag die Herde hüten», sagt Wachter.

Man habe viel mehr Zeit für die Gäste und Wanderer. «Die letzten Jahre sind auf der Alp von den Leuten her attraktiver geworden». In den ersten 30 Jahren habe er vielleicht pro Woche eine Person gesehen. Heute kämen viel mehr Touristen hoch zur Alp Valtüsch. Dies habe damit zu tun, dass die Alp Valtüsch auf einer beliebten Route im UNESCO-Weltnaturerbe «Tektonikarena Sardona» liege.

Der Älpler – der Teamplayer

Wenn dann die Touristen weiterwandern und der Besuch zurück ins Tal kehrt, geniesse man die Zeit mit den anderen Alp-Mitarbeitern. Auf einer Alp - wie dieser im Weisstannental - müsse man kollegial sein. «Am Abend jassen und reden wir viel», sagt Wachter. Es gibt aber auch einen Fernseher in der Hütte. «Fernsehen schauen wir nicht oft. Wenn dann Meteo und die Tagesschau». So wisse er auch Bescheid, was den Sommer durch im Tal passiert.

So hat Wachter auch mitgekriegt, dass zahlreiche Viehschauen in der Region wegen Corona abgesagt sind. «Das ist wirklich schade. Die hätte ich gerne besucht». Er schaut aber nach vorne: «Vielleicht mache ich mal eine Reise. Zum Beispiel ins Bündnerland». Und wenn es seine Gesundheit erlaube, würde er auch irgendwo mithelfen. Auf der Alp Valtüsch sei aber nach 50 Jahren Schluss – in wenigen Tagen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. September 2020 05:42
aktualisiert: 7. September 2020 11:26