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Steigende Zahlen

Verschärfte Massnahmen im Kanton St.Gallen – falls Lage sich verschlimmert

René Rödiger, 11. November 2021, 10:20 Uhr
Seit Wochen steigen die Coronazahlen in der Schweiz und auch im Kanton St.Gallen. Der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann sagt im Interview gegenüber FM1Today, dass sich der Kanton deshalb bereits weitere Massnahmen überlege.
Bruno Damann: «Die Impfung ist die einzige Möglichkeit, aus der Pandemie zu kommen.»
© Ralph Ribi/St.Galler Tagblatt

542. So viele neue Coronafälle vermeldete der Kanton St.Gallen am Mittwoch. Ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Der Vorsteher des St.Galler Gesundheitsdepartements, Regierungsrat Bruno Damann (CVP), erklärt im Interview, wie man diese Zahlen einordnen soll und wie die Regierung sich auf strengere Massnahmen vorbereitet.

Herr Damann, noch nie wurden so viele Neuansteckungen im Kanton St.Gallen innert 24 Stunden vermeldet.
Bruno Damann: Für uns ist auch nicht erfreulich, dass die Zahlen dermassen steigen. Aber man muss vorsichtig sein und die Zahlen über eine gewisse Periode anschauen. Und man muss genau beobachten, was in den Spitälern passiert. Im Moment sind sie noch nicht überlastet.

Auffällig ist ja, dass insbesondere an Orten mit einer tiefen Impfquote, zum Beispiel im Toggenburg, die Zahlen stark steigen.
Vereinfacht könnte man sagen: Im Toggenburg sind die wenigsten Leute geimpft. Aber ob das die alleinige Ursache ist, bezweifle ich. Meistens gibt es irgendwo einen Herd und dann kommt es zu einem grösseren Ausbruch.

Sie sagen, dass trotzdem die Spitäler noch nicht überlastet sind. Ist die Zahl der Neuinfektionen überhaupt noch aussagekräftig oder muss man nicht viel eher vermehrt auf die Spitalzahlen schauen?
Das ist so und das haben wir schon immer gesagt. Die Hospitalisationen sind matchentscheidend, das ist massgebend. Im Augenblick haben wir einige Impfdurchbrüche, aber diese Leute werden nicht schwer krank und kommen nicht ins Spital. Deshalb glauben wir auch, dass sich die Situation vom letzten Jahr nicht wiederholen wird.

Die wissenschaftliche Taskforce warnte aber diese Woche, dass die Spitäler wieder an den Anschlag kommen könnten.
Das wird sich zeigen. Wenn man steigende Fallzahlen hat, steigen nicht gleichzeitig die Spitalzahlen. Das kommt immer ein bisschen später. Wir werden jetzt genau darauf schauen müssen. Wir haben aber den Eindruck, dass dieses Jahr nicht so viele Leute hospitalisiert werden.

«Genau darauf schauen.» Heisst das, dass Sie schon strengere Massnahmen im Hinterkopf haben?
Ich habe in der Regierung angesprochen, dass wir allenfalls gewisse Vorkehrungen treffen müssen, damit wir dann nicht zu spät sind. Jetzt schauen wir die Situation mit dem kantonalen Führungsstab an und überlegen uns, welche Massnahmen wir eventuell treffen müssen.

Was wären das konkret für Massnahmen?
Das sind wir jetzt am ausarbeiten. Da will ich noch nicht zu viel dazu sagen. Wir müssen das ein stückweit auch mit den anderen Kantonen absprechen.

Kommen wir noch zu den Impfungen. Da sind die Zahlen im Kanton St.Gallen auch nicht berauschend.
Nicht nur die Regierung, sondern auch ich als Mediziner sage: Die Impfung ist die einzige Möglichkeit, aus der Pandemie zu kommen. Darum hoffen wir, dass sich die Leute das wirklich überlegen. Und jene, die zweifeln oder noch unschlüssig sind, sich impfen lassen. Ich glaube, wenn wir den Winter einigermassen überstehen wollen, brauchen wir mehr Leute, die sich impfen lassen.

Der Impfschutz lässt langsam nach. Sollten jetzt nicht alle Geimpften einen Booster bekommen?
Da können wir nichts anderes machen, als uns an die Bundesvorgaben zu halten. Der Bund müsste die Bewilligung erteilen. Man muss klar sagen: Wir haben nie behauptet, dass man durch die Impfung immun ist. Wir haben immer gesagt, dass man weniger krank wird. Wir haben auch nie behauptet, dass geimpfte Personen keine anderen Leute anstecken. Darum glaube ich, dass die Durchbrüche bisher nicht so tragisch sind. Ich bin überzeugt, dass man mittelfristig einen Booster machen muss, aber bei den Jungen scheint die Impfung länger zu halten, als man bisher dachte.

Macht die St.Galler Regierung Druck auf Bern, dass der Booster bald für alle kommt?
Wir haben in der Vernehmlassung schon mehr als einmal geschrieben, dass man die Boosterimpfung relativ zügig bewilligen müsste.

Derzeit sieht es aber nicht danach aus.
Jene Leute, auch die unter 65 Jahren, die gewisse Ängste haben, sollen zu den Hausärzten gehen. Ein Hausarzt findet immer einen Grund, dass ein gewisses Risiko vorhanden ist und man den Booster braucht. Wir werden kaum in den Impfzentren im grossen Stil Boosterimpfungen verteilen können. Aber wenn das heute ein Hausarzt macht, werden wir das nicht kontrollieren.

Wie läuft es mit den Boosterimpfungen im Kanton St.Gallen?
Die mobile Equipe, die in den Heimen impfen war, fragt dort erneut an, ob Personen einen Booster wollen. Dort gehen sie dann wieder vorbei. Alle anderen Leute wurden über die Medien informiert.

Hier können sich Personen über 65 Jahren zur Boosterimpfung anmelden, alle Ungeimpften können sich ebenfalls für eine Impfung registrieren.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. November 2021 10:20
aktualisiert: 11. November 2021 10:20