Viele Emotionen beim Elternabend

Dario Brazerol, 8. Februar 2019, 13:03 Uhr
Der Kindsmissbrauch passierte in der Fiorino-Kita St.Gallen Ost.
Der Kindsmissbrauch passierte in der Fiorino-Kita St.Gallen Ost.
© TAGBLATT/Benjamin Manser
Bei einem Elternabend hat die Fiorino AG über den Missbrauchsfall in der Kita St.Gallen Ost informiert. In einem geschützten Rahmen konnten die Eltern ihre Sorgen und Ängste ansprechen.

Der Missbrauchsfall in der Kita St.Gallen Ost der Fiorino AG beschäftigt weiter. Vor allem für die betroffenen Eltern ist der Fall noch lange nicht abgeschlossen. Für diese fand am Donnerstagabend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein ausserordentlicher Elternabend statt. Bettina Zimmermann, Mediensprecherin der Fiorino AG, war dabei.

Grosse Offenheit der Eltern

«Der Abend war mit sehr vielen Emotionen verbunden. Bei den Eltern war eine gewisse Unsicherheit spürbar», sagt Bettina Zimmermann. Während eineinhalb Stunden konnten die 96 anwesenden Eltern ihre Sorgen mit der Geschäftsleitung der Fiorino AG und dem Kinderschutzzentrum St.Gallen besprechen. Um diese Gespräche in einem geschützten Rahmen zu führen, wurden strenge Eingangskontrollen durchgeführt: «So konnte man den Eltern den Raum lassen, zu sagen, was sie beschäftigt. Alles in allem herrschten eine gute Stimmung und eine grosse Offenheit.»

Trotz der guten Stimmung war das grosse Ziel des Abends, die Sorgen der Eltern anzusprechen: «Die Eltern fragen sich, ob auch ihr Kind betroffen ist und wie sie dies merken würden. Solche Fragen konnten mit der Hilfe des Kinderschutzzentrums beantwortet werden.» Eine Frage konnte aber nicht beantwortet werden: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? «Das beschäftigt die Eltern sehr. Man wollte wissen, was die Fiorino AG in Zukunft unternimmt, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.»

Eins-zu-eins-Betreuung keine Option

Unter anderem tauchte die Forderung nach einer Eins-zu-eins-Betreuung auf: «Diese Form der Betreuung ist aber bei keiner Organisation möglich, weder bei kranken, älteren oder behinderten Personen. Dazu gibt es Vorgaben und Richtlinien vom Kanton, innerhalb welcher man sich bewegen muss», erklärt Bettina Zimmermann. Auch dafür hätten die Eltern grosses Verständnis gezeigt.

Den Schritt, das eigene Kind aus der Kita zu nehmen, habe bis jetzt noch kein Elternteil vorgenommen: «In über 90 Prozent der Rückmeldungen der Eltern wurde uns ihr Vertrauen ausgesprochen. Uns ist aber bewusst, dass dies noch passieren könnte, wenn gewisse Eltern mit der Situation nicht umgehen können.»

(dab)

 

Dario Brazerol
veröffentlicht: 8. Februar 2019 13:03
aktualisiert: 8. Februar 2019 13:03