Vorarlberger Abfall landet in Buchs

Dario Brazerol, 19. August 2019, 11:08 Uhr
Das KVA Buchs übernimmt jährlich mehrere Tonnen Abfall aus dem Vorarlberg.
Das KVA Buchs übernimmt jährlich mehrere Tonnen Abfall aus dem Vorarlberg.
© Tagblatt/Heini Schwender
Die Schweiz importiert nicht nur Textilprodukte und Esswaren aus dem Vorarlberg, sondern auch Abfall. 40'000 Tonnen Vorarlberger Siedlungsabfälle landen jährlich im FM1-Land.

Die Ostschweiz und das Vorarlberg verbindet eine langjährige Freundschaft. Der Austausch zwischen den Regionen beschränkt sich dabei aber nicht nur auf Nettigkeiten und Waren, er umfasst auch rund 40'000 Tonnen Abfall. Ein spezielles grenzübergreifendes Abkommen macht dies möglich, denn grundsätzlich ist es den Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) verboten, Abfall aus dem Ausland zu importieren.

Der Vorarlberger Abfall hingegen geht an die Kehrichtverbrennungen Buchs, Trimmis und in die KVA Linth. Diese drei Anlagen bilden zusammen mit dem Kehrichtheizkraftwerk St.Gallen den Verbund thermischer Verwertungsanlagen Ostschweiz (VTV). «Die andere Option wäre die Lieferung der Vorarlberger Abfälle nach Wien gewesen. Die Abfälle über 600 Kilometer quer durch das Land zu fahren, wäre aber nicht sehr ökologisch gewesen», sagt Geschäftsführer Roger Hollenstein.

Ökologische Abfallentsorgung

Der VTV hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die Entsorgung brennbarer Abfälle jederzeit die richtige Kapazität bereitzustellen. Denn die Kehrichtsverbrennungsanlagen sind ausgelegt für rund 13'000 Haushalte. Durch Verbrennung der Abfälle können circa 400'000 Megawattstunden an Wärme und Dampf ans VTV-Gebiet abgegeben werden, dies entspricht etwa der Energie von rund 40 Millionen Liter Heizöl.

Zum Einzugsgebiet des VTV gehört neben mehreren Ostschweizer Gemeinden auch das Vorarlberg. Unsere Nachbarn können somit nicht nur ihren Abfall ökologischer entsorgen, die Gegend profitiert auch von der Energieversorgungssicherheit des VTVs.

Das Einzugsgebiet des VTV umfasst neben den Ostschweizer Kantonen auch das Fürstentum Liechtenstein und den Vorarlberg. (Grafik: vtvostschweiz.ch)
Das Einzugsgebiet des VTV umfasst neben den Ostschweizer Kantonen auch das Fürstentum Liechtenstein und den Vorarlberg. (Grafik: vtvostschweiz.ch)

«Es gab eine europäische Ausschreibung im Jahr 2015. Damals wurde die Lösung des VTV gutgeheissen», sagt Hollenstein. Während die ökologischen Aspekte des Abfall-Handels im Vordergrund stehen, wirft dieser aus finanzieller Sicht eher wenig ab: «Für die Verbrennung erhalten wir die regulären Entsorgungstarife aus Österreich. Da wir aber eine Non-Profit-Organisation sind, wollen wir keinen Profit daraus ziehen, sondern lediglich schwarze Zahlen schreiben, um den Betrieb durch Sanierungsarbeiten auf dem neusten Stand der Technik halten zu können.»

Abfall-Importe in die Schweiz keine Seltenheit

Zudem nimmt das Vorarlberg die aus der Verbrennung ihres Abfalls entstehenden Verbrennungsrückstände – die sogenannte Schlacke – als Gegenfuhre zu den Abfallanlieferungen wieder mit ins Vorarlberg, wo die Schlacke in Böschistobel fachgerecht deponiert wird. Somit wird verhindert, dass die Vorarlberger Abfälle die Schweizer Deponien belasten.

Doch der Vorarlberg ist für die Schweiz nicht der einzige Abfalllieferant: Im Jahr 2016 wurden laut dem Verband der Betreiber schweizerischer Abfallverwertungsanlagen 430'000 Tonnen Abfall aus dem grenznahen Ausland in die Schweiz importiert. Im Vergleich dazu beläuft sich der in der Schweiz produzierte Abfall auf 3,67 Millionen Tonnen.

Dario Brazerol
Quelle: dab
veröffentlicht: 19. August 2019 11:08
aktualisiert: 19. August 2019 11:08