Zweiter Lockdown

Vorarlberger kommen zum Essen in den Kanton St.Gallen

Laurien Gschwend, 19. November 2020, 10:17 Uhr
Im Restaurant gilt eine Maskenpflicht – ausser, man sitzt. (Symbolbild)
© Keystone
Österreich hat im Unterschied zur Schweiz anfangs November vieles dicht gemacht – einige Vorarlberger verlagern ihre Freizeit deshalb in den Kanton St.Gallen. Das spüren die Beizer.

Im ganzen Land steht die Corona-Ampel auf Rot: Österreich ist am Dienstag in einen harten Lockdown gegangen. Geschäfte müssen mindestens bis zum Samichlaustag am 6. Dezember schliessen – ausgenommen sind etwa Supermärkte und Apotheken. Bereits seit dem 3. November sind Restaurants und Hotels geschlossen.

Ausländische Gäste im Rheintal

Das hat Auswirkungen auf die Gastronomie im Kanton St.Gallen, wo Lokale bei einer Vier-Personen-Beschränkung pro Tisch und einer Sperrstunde ab 23 Uhr nach wie vor geöffnet haben dürfen. «Gerade im Rheintal spüren die Beizer merklich, dass Vorarlbergerinnen und Vorarlberger auf Restaurants in der Schweiz ausweichen», sagt Walter Tobler, Präsident von Gastro St.Gallen, auf Anfrage von FM1Today. Es sei allerdings zu früh, diesen Trend an Zahlen festzumachen.

Walter Tobler, Präsident Gastro St.Gallen
© St.Galler Tagblatt/Urs Bucher

Und auch Gäste aus dem Fürstentum Liechtenstein, wo die Gastro vor drei Wochen dicht machen musste, würden des Öfteren über der Grenze im St.Galler Rheintal einkehren, so Tobler. «Hingegen hat mir in der Stadt St.Gallen bislang niemand gesagt, dass mehr ausländische Gäste kommen würden.»

«Wir sind froh um jeden Gast»

Dass für einmal nicht die Schweizerinnen und Schweizer in Vorarlberg essen gehen, sondern umgekehrt, ist für die St.Galler Gastronomie nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Wir sind froh um jeden Gast, denn wir machen momentan nur gerade 20 Prozent des Umsatzes im Vergleich zu vorher», sagt Tobler.

Die Städte treffe die zweite Welle und die damit verbundene Gehemmtheit, ins Restaurant zu gehen, am härtesten. «Das Mittagsgeschäft ist hier komplett eingebrochen, weil die Leute wieder im Homeoffice arbeiten.» Und auch abends lassen die Gäste laut Tobler nach. «Es ist ein schleichender Lockdown, der uns grosse Sorgen bereitet.»

Dadurch, dass die Betriebe in der Schweiz offen bleiben dürfen, komme immerhin ein wenig Geld rein. «Ich will auf alle Fälle keinen Lockdown mehr mit Darlehen wie im Frühling. Wir können uns nicht noch mehr verschulden.»

Mehr Schweizer im Einkaufszentrum

Auf den Einkaufstourismus scheinen die neuesten Entwicklungen in Österreich bislang kaum einen Einfluss zu haben. Marc Schäfer, Centerleiter der Shopping Arena in St.Gallen, hat in den letzten Tagen nicht festgestellt, dass vermehrt Österreicherinnen und Österreicher für einen Einkaufstrip vorbeigekommen sind. Durch die Ausgangsbeschränkungen glaubt er auch nicht, dass sich dies in den kommenden Wochen ändern wird. «Wir werden aber wohl spüren, dass die Schweizerinnen und Schweizer nicht über der Grenze einkaufen gehen können.»

Normalerweise seien die Nachbarn in Vorarlberg und Liechtenstein gern gesehen in der Shopping Arena. Insbesondere das Möbelhaus Ikea habe ein grosses Einzugsgebiet. «Doch nun, da Ausgangsbeschränkungen in Österreich gelten, ist natürlich zu hoffen, dass sich alle an die Regeln halten.»

«Wir nutzen das nicht aus»

Ralph Bleuer, Präsident des stadtsanktgaller Gewerbeverbandes Pro City und Mitglied des kantonalen Gewerbeverbandes Gewerbe St.Gallen, bestätigt: «Es ist schwierig, zu sagen, ob Leute aus Vorarlberg nun im grossen Stil in die Schweiz kommen, um einzukaufen. Eher wird es den Effekt von mehr Schweizer Kundinnen und Kunden geben.»

Sicher sei, dass das St.Galler Gewerbe aus dem Lockdown in Österreich keinen Profit schlagen werde. «Wir wollen das nicht künstlich auszunutzen, denn die Ursache ist sehr unerfreulich», sagt Bleuer.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. November 2020 05:54
aktualisiert: 19. November 2020 10:17