Wattwil

Wegen Fachkräftemangel: Toggenburger Firma führt Viertagewoche ein

19. April 2022, 08:06 Uhr
Weil sie kaum neue Mitarbeitende findet, führt die Toggenburger Firma Bichler+Partner die Viertagewoche ein. Die Angestellten können nun statt 40 Stunden in fünf Tagen die gleiche Anzahl Stunden in vier Tagen arbeiten.
Die Toggenbruger Firma Bichler+Partner führt als eine der ersten Unternehmen die Viertagewoche ein.
© zVg

Wochenende ab Donnerstagabend. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Toggenburger Handwerksbetriebs Bichler+Partner ist das nicht nur Wunschdenken. Ab Juli führt das Unternehmen die Viertagewoche ein.

10 Stunden Arbeit am Tag

Konkret erhalten Mitarbeitende die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit auch innerhalb von vier Tagen zu leisten. «Meine Mitarbeitenden arbeiten unter dem Strich nicht weniger, sondern leisten einfach Zehn-Stunden-Tage», sagt der Inhaber Oliver Lacher. Eine Umstellung, die seinen Angestellten leichtfallen dürfte. «Viele Handwerkerinnen und Handwerker arbeiten jetzt schon zehn Stunden am Tag, weil sie Überstunden machen.»

Der Inhaber Oliver Lacher glaubt an das Arbeitsmodell der Viertagewoche.
© zVg

Neues Arbeitsmodell wegen Fachkräftemangel

Die Idee für die Viertagewoche entstand bei der Toggenburger Handwerksfirma aus der Not, denn auch Bichler+Partner leidet unter Fachkräftemangel. «Es ist im Moment extrem schwierig, an qualifiziertes Personal zu kommen», sagt Lacher. Mit dem neuen Arbeitsmodell wolle man attraktiver werden und sich von der Konkurrenz abheben. «Besonders für Familienväter eignet sich die Viertagewoche super, um einen Papi-Tag einzulegen, ohne auf Lohn zu verzichten.»

Kritische Stimmen auch unter den Mitarbeitenden

Am Anfang nach Bekanntgabe des Arbeitsmodells sei die Begeisterung unter den Angestellten gross gewesen. «Als wir die Viertagewoche unseren Mitarbeitenden angekündigt haben, fingen alle an zu klatschen», sagt Lacher. Trotzdem hätten sich später einige gegen die Viertagewoche und für eine normale Arbeitswoche entschieden. «Es gab bei uns einige Mitarbeitende, die bewusst darauf verzichten, weil sie sich mit der aktuellen Situation wohlfühlen.» Er wolle aber jedem die Option offen halten.

Als Trendsetter für alle Handwerker-Unternehmen

Lacher hofft auf eine grundsätzliche Änderung der Arbeitszeiten in Handwerker-Unternehmen. Viel zu oft seien Mitarbeitende ausgebrannt, weil sie unflexible Arbeitsbedingungen hätten. «Wir gehen mit unserem Modell als gutes Beispiel voran und hoffen, dass die ganze Branche nachzieht.»

Ausserdem sieht der Leiter von Bichler+Partner eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. «Für unsere Kundinnen und Kunden ist die Viertagewoche ein grosser Vorteil, denn wir sind unter der Woche viel länger erreichbar», sagt Lacher.

Ein erstes Fazit will der Leiter des Unternehmens erst im Herbst ziehen. Bis dahin lasse man sich Zeit und nehme unter Umständen noch Änderungen vor. «Je mehr Mitarbeitende positive Erfahrungen mit der Viertagewoche machen, um so mehr werden es im Team ausprobieren wollen.»

(noh)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. April 2022 08:08
aktualisiert: 19. April 2022 08:08
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