Ausgehverbot

Wegen Katzen sind unsere Tiere bedroht

Noémie Bont, 5. Dezember 2019, 11:42 Uhr
Unser Stubentiger frisst zu viel Eidechsen und Blindschleichen
© Tagblatt
Zum Schutz der Artenvielfalt wird in den Niederlanden aktuell über ein Ausgehverbot für Katzen diskutiert. Auch die Ostschweiz hat ein Streunerproblem. Einige Echsen- und Vogelarten sind deswegen massiv bedroht.

Fast in 30 Prozent der Schweizer Haushalte lebt eine Katze, das sind gemäss Statistik etwa 1,6 Millionen Katzen. Für die Natur rund um die Siedlungsgebiete ist das ein grosses Problem. Der Stubentieger zieht seine Kreise nämlich mittlerweile weit grösser als nur in seinem eigenen Quartier.  

Katzen verlassen Siedlungen 

Die Katze lässt kilometerweite Strecken hinter sich – vom abgelegenen Bauernhof bis tief in das Naturschutzgebiet und dort werden sie zum Problem. «In der freien Wildnis darf man Katzen nicht tolerieren. Viele Kleintiere werden Opfer einer spiellustigen Katze», sagt Jonas Barandun, der Beauftragte für Amphibienschutz im Kanton St.Gallen und den beiden Appenzell. «Rund um die Siedlungsgebiete hat es deshalb praktisch keine Eidechsen mehr. Auch die Blindschleiche, das Rotkehlchen und verwandte Vögel sind durch die Katze massiv bedroht», sagt Barandun. 

Katzen auf Bauernhöfen sind das Problem

«Einfluss haben vor allem die vielen Katzen auf den Bauernhöfen», sagt der Amphibienschützer. Die Bauernhöfe produzieren in den Kantonen St.Gallen und Appenzell einen Überschuss an Katzen und lassen ihre Kleintiere verwildern, die sich dann in den Naturschutzgebieten ausbreiten. «Das muss man in den Griff bekommen», findet Jonas Barandun. Haustiere in den Städten verursachen am wenigsten Schäden. 

Katzensteuer statt Ausgehverbot

Streunerkatzen sind in der Schweiz schon länger ein Thema. Erst gerade im letzten Jahr wurde eine Petition dazu abgelehnt, die eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen in der Schweiz einführen wollte. Mit dieser Massnahme sollte der Katzenbestand reduziert werden. Auch über eine Katzensteuer wird aktuell diskutiert. 

Zwei Juristen aus den Niederlanden sehen eine andere Lösung für dieses Problem, die aber etwas umstritten ist. Sie wollen ein Ausgehverbot für Katzen einführen. «Es ist ein guter Denkanstoss, aber utopisch», findet Amphibienschützer Barandun. Die Schweizer Stiftung Tier im Recht findet diese Massnahme auf Anfrage von FM1Today inakzeptabel. 

Katzen bedrohen 367 Arten

«Weltweit waren Hauskatzen an der Ausrottung von mindestens zwei Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten beteiligt - das heisst an 26 Prozent aller bekannten derzeitigen Ausrottungen in diesen Tiergruppen», schreiben die beiden niederländischen Juristen in ihrem Vorstoss. Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 5. Dezember 2019 05:39
aktualisiert: 5. Dezember 2019 11:42