St.Gallen

Wegen viralem Hit der Velokuriere: Polizei prüft Videos

4. Mai 2022, 11:43 Uhr
Mehrere Millionen Menschen haben sich die Videos des St.Galler Velokuriers «Die Fliege» angesehen. Weil die Kuriere freihändig mit dem Velo unterwegs sind und auf dem Trottoir fahren, prüft die Polizei nun eine Busse oder eine Anzeige.
Mit lustig gemeinten Stunts machen die Kuriere Werbung für ihren Dienst. Doch die Medaille des Erfolgs hat eine Kehrseite.
© zVg/Collage FM1Today

Sie sind wohl die bekanntesten Velokuriere der Schweiz: «Die Fliege». Ihr meistgeklicktes Video hat auf Instagram fast drei Millionen Menschen erreicht. Mit lustig gemeinten Stunts machen sie Werbung für ihren Dienst. Doch die Medaille des Erfolgs hat eine Kehrseite. In den Clips springen die Kuriere nämlich über Treppen, fahren auf dem Trottoir und lassen mitten in der Fahrt den Velolenker los, alles Verkehrsregelverletzungen.

Kuriere müssen möglicherweise mit Anzeige rechnen

Was Millionen von Menschen gefällt, stösst bei der Stadtpolizei St.Gallen auf wenig Wohlwollen. «In den Videos kommen klare Regelverletzungen vor», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. So sei das Fahren auf dem Trottoir als Velofahrer klar verboten und den Lenker mitten in der Fahrt loszulassen ebenfalls. Man werde mit der Firma Kontakt aufnehmen und nächste Schritte prüfen.

Entscheidend für die Polizei: Sind Menschen bei den Dreharbeiten gefährdet worden? «Besonders bei dem Video, in welchem ein Kurier auf dem Trottoir eine Treppe hinunterspringt, kann das durchaus der Fall gewesen sein», so Widmer.

Für solche, auf Video festgehaltenen Regelverstösse, kann eine Busse oder Anzeige bei der Staatsanwaltschaft drohen. «Im Falle einer Anzeige entscheidet die Staatsanwaltschaft über das Urteil», sagt der Mediensprecher.

In diesem Video werden laut der Polizei Verkehrsregeln gebrochen:

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: FM1Today/Tim Allenspach

Verständnis für Kritik an viralen Videos

Bei dem Velokurier «Die Fliege» stösst die Aussage, dass bei einzelnen Dreharbeiten Verkehrsregeln gebrochen worden seien, auf Verständnis. «Wir sind trotzdem immer verantwortungsbewusst unterwegs», sagt Ueli Traber, Co-Geschäftsführer von «Die Fliege». Gesamthaft habe man über 70 Videos gedreht und nur in zwei Fällen Verkehrsregeln gebrochen.

Bei den Dreharbeiten seien keine Menschen gefährdet worden und es sei alles gestellt gewesen. Ausserdem würden sich die Velokuriere an die Verkehrsregeln halten, denn die Fahrerinnen und Fahrer seien entsprechend geschult und müssten etwaige Bussen selbst bezahlen. «Ein Verkehrsregelbruch passiert maximal ein bis zwei Mal im Jahr, also wirklich wenig», sagt Ueli Traber.

Werbevideos generieren kaum Aufträge

«Die Videos sind sowieso mehr lustig als ernst, denn sie sorgen bei uns kaum für mehr Aufträge», sagt der Co-Geschäftsführer von «Die Fliege». Die Videos hätten als Pausenprojekt begonnen und seien dann Schritt für Schritt professionalisiert worden. «Mittlerweile haben wir eine niedrigprozentige Stelle für die Videoproduktion geschaffen.»

(noh)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. Mai 2022 05:22
aktualisiert: 4. Mai 2022 11:43
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