Anzeige
Tod auf dem Feld

Whatsapp-Gruppen sollen Katzen das Leben retten

7. Juni 2021, 05:41 Uhr
Wenn Bauern mähen und Katzen im hohen Gras liegen, endet das oft tödlich für die Tiere.
© FM1Today
Immer wieder werden Katzen von Landmaschinen erfasst. Die Tiere werden dabei oft tödlich verletzt. Die Ostschweizer Kleintierrettung hat nun einen Vorschlag, wie dieses Problem behoben werden kann – der Bauernverband St.Gallen ist skeptisch.

Wenn Haustiere sterben, bricht für viele Halterinnen und Halter eine Welt zusammen. Besonders tragisch ist es aber, wenn die Tiere durch Menschen zu schaden kommen. Ein bekanntes Beispiel dafür sind Katzen, die von Landmaschinen tödlich verletzt werden.

Unfälle verhindern

Der Ostschweizer Verein Kleintierrettung will jetzt dafür sorgen, dass das in Zukunft seltener vorkommt. Die Idee: Whatsapp-Gruppen, in denen Bauern und Katzenbesitzer sich austauschen können. Die Bauern sollen jeweils einen Tag zuvor in den Chat schreiben, wann sie mit ihren Maschinen aufs Feld gehen. So könne man sehen, wann es für die Katzen draussen sicher ist und wann man seine Katzen besser im Haus behält. Diese Chats sollen Katzenbesitzer privat organisieren.

Die Präsidentin des Vereins, Vivienne Lareida, sagt gegenüber FM1: «Auch ein Bauer findet es nicht schön, wenn er merkt, dass ihm eine Katze unter den Mäher gelaufen ist. Unser Vorschlag ist die einfachste und effizienteste Lösung für das Problem.» Vergangenes Wochenende seien ihrem Verein innert 24 Stunden gleich zwei solcher Vorfälle gemeldet worden. Das habe sie nun dazu veranlasst, diese Idee voranzutreiben. «Wir hoffen, dass wir mit unserer Idee weitere Vorfälle verhindern können», führt Vivienne Lareida aus.

Keine gute Idee

Von der Idee wenig begeistert zeigt sich Andreas Widmer, Präsident des St.Galler Bauernverbandes: «Die Bauern müssen inzwischen Angaben zu allem möglichen abgeben. Man kann nicht verlangen, dass die Bauern alles, was sie machen, rapportieren. Das geht zu weit.»

Seiner Meinung nach ist die Idee theoretisch zwar nicht schlecht, doch er glaubt nicht daran, dass das in der Praxis wirklich etwas nützt. Ausserdem findet er es falsch, hier die Bauern in die Verantwortung zu nehmen: «Ich glaube, Katzenbesitzer sollten versuchen, ihre Katzen auf dem eigenen Grundstück zu halten, wenn sie Unfälle verhindern wollen.» Ausserdem sei seine Erfahrung aus der Praxis, dass es nicht sehr oft vorkomme, dass Katzen von Landmaschinen verletzt werden.

Im Widerspruch

Diese Aussage überrascht. Vor zwei Jahren gab der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, Markus Ritter, gegenüber «20 Minuten» an, dass es sich dabei durchaus um ein Problem handle. Im Artikel wird er folgendermassen zitiert: «Rehkitze und natürlich auch Katzen, die sich im hohen Gras verstecken, sind ein grosses Problem.» Weiter sagte er: «Ein Besitzer hängt an seinem Tier, da müssen wir Rücksicht nehmen. Es ist das Interesse jedes Bauern, kein Tier zu erwischen.»

Ritter begrüsste damals die Idee, per SMS über die Feldarbeitszeiten zu informieren. Ihm selbst sei in 35 Jahren viermal eine Katze unter die Mähmaschine geraten. «Das schmerzte mich jedes Mal unglaublich», sagte er. Markus Ritter war für ein aktuelles Statement zur Angelegenheit nicht erreichbar.

(sju)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. Juni 2021 05:41
aktualisiert: 7. Juni 2021 05:41