Wildhaus mehr wert als Chäserrugg

Lara Abderhalden, 8. Dezember 2017, 12:29 Uhr
Immer noch keine Einigung zwischen den Bergbahnen Wildhaus und Unterwasser.
Immer noch keine Einigung zwischen den Bergbahnen Wildhaus und Unterwasser.
© Facebook/Bergbahnen Wildhaus
Die Bergbahnen Wildhaus informierten heute, wie es mit dem Übernahmeabgebot der Chäserruggbahnen weiter geht. Ausserdem fordern sie die Freigabe der blockierten Bundesgelder.

Es ist ein Kapitel, das die Toggenburger gerne abschliessen möchten: Zwei Bergbahnen in einem Gebiet, die sich streiten und es nicht schaffen, sich zu einigen. Auslöser war ein Inserat in dem die Toggenburg Bergbahnen den Aktionären der Bergbahnen Wildhaus anboten, ihre Aktien zu kaufen. Dieser feindliche Übernahmeversuch kam bei Kanton und Gemeinden alles andere als gut an. Deshalb lehnte die St.Galler Kantonsregierung ein Gesuch um ein Darlehen der Bergbahnen Wildhaus ab. Sie verlangten, dass sich die konkurrierenden Bergbahnen im Toggenburg zusammenraufen und ein gemeinsames Ticket anbieten.

Das gemeinsame Winterticket ist noch sicher bis ins 2019 gültig. Dies weil beide Bahnen noch bis dann im gemeinsame Tarifverbund sind. Wie es dann weiter geht, ist noch offen. Die Frist für das feindliche Übernahmeangebot wurde bis zu diesem Zeitpunkt verlängert.

Bundesgelder als Initialzündung

Heute informierten die Bergbahnen Wildhaus nun, dass sie eine Bewertungsanalyse bei der Hochschule Luzern in Auftrag gegeben hatten. Diese kommt zum Schluss, «dass die Aktien der Bergbahnen Wildhaus nicht etwa weniger, sondern deutlich mehr wert sind als diejenigen der Chäserruggbahnen». Die Toggenburger Bergbahnen wollten eine ihrer Aktien gegen zehn Aktien der Bergbahnen Wildhaus tauschen: «Das Gutachten des Fachspezialisten hat gezeigt, dass das Angebot unhaltbar und hoch peinlich ist», sagt Präsident Jack Rhyner. Berechnungen würden beweisen, dass zehn Aktien der Bergbahnen Wildhaus ungefähr 15-20 Aktien der Toggenburger Bergbahnen wären.

«Man kann sagen, dass die Aktien der Bergbahnen Wildhaus mehr wert sind, als die der Toggenburger Bergbahnen», fasst Jack Rhyner zusammen. Ein weiterer Wert verblüfft: Die Toggenburger Bergbahnen wollten die Aktien für 20 Franken kaufen, der Nennwert der Aktien würden aber bei 200 Franken liegen. «Für uns ist das Gutachten der Beweis, den der Regierungsrat umdenken lassen soll.» Das Gutachten werde man der Regierung noch heute schicken. «Wir hoffen, dass der Regierungsrat seine Meinung änder, denn es ist eine Stärke, einen falschen Entscheid wieder zu ändern und zu einem richtigen zu machen.»

Projekt 2.0 verschiebt sich

Die vom Kanton St.Gallen blockierten Bundesgelder würden die Bergbahnen Wildhaus zwingen, das Projekt Wildhaus 2.0 um ein Jahr zu verschieben. «Die Blockade ist unverständlich. Die 5 Millionen wären eine Initialzündung. Indirekt würde damit eine Wertschöpfung von 30 bis 40 Millionen Franken angestossen», sagte Verwaltungsratspräsident Jakob Rhyner an der Medienkonferenz. Weiter: «Für uns ist nur sehr schwer nachvollziehbar, dass der Regierungsrat dies nicht als Chance erkennt.»

Fusionsverhandlungen auf Augenhöhe

Die Kritik am Tarifverbund seitens der Chäserruggbahnen weist Rhyner zurück. «Die Transportanlagen von Unterwasser und Alt St.Johann weisen einen doppelt so hohen technischen Wert aus wie die Anlagen von Wildhaus. Wildhaus befördert aber deutlich mehr Gäste als die beiden Anlagen zusammen.» Das sei kein Problem des Tarifverbundes und könne auch nicht durch eine feindliche Übernahme der Bergbahnen Wildhaus behoben werden.

Rhyner betonte einmal mehr, dass die Bergbahnen Wildhaus das Übernahmeangebot ablehnen würden und ein Fusionsprozess auf Augenhöhe «als gangbar» betrachten.


Lara Abderhalden
veröffentlicht: 8. Dezember 2017 10:22
aktualisiert: 8. Dezember 2017 12:29