«Wir haben keine Pommes Frites mehr»

Lara Abderhalden, 14. März 2017, 15:09 Uhr
Der Erdrutsch im Toggenburg hat nicht nur die Erde in Bewegung gesetzt, sondern auch bei der Familie Manser, die das Berggasthaus Chrüzegg in Wattwil bewirtet, einiges ins Rollen gebracht. Wegen des rund acht Meter tiefen Grabens in der Strasse können sie keine Lebensmittel mehr ins Restaurant fahren. Langsam gehen ihnen die Getränke und die eingefrorenen Sachen aus.

«Immer am Ende des Winters füllen wir normalerweise unser Lager wieder auf, da dann der meiste Schnee von der Strasse ist», sagt Robert Manser. Der Familie Manser gehört das Restaurant Chrüzegg in Wattwil. Im Moment sei es aber schlicht und einfach unmöglich, die Lebensmittel über die Strasse ins Restaurant zu befördern. «Wir haben im Moment keine Lösung, wie wir die Produkte hinauf bringen können.»

So sah die Strasse kurz nach dem Erdrutsch aus. (Bild: zVg)
So sah die Strasse kurz nach dem Erdrutsch aus. (Bild: zVg)

Menukarte muss angepasst werden

Die Strasse, die durch den Erdrutsch komplett zerstört wurde, ist die einzige befahrbare Strasse, die zum Berggasthaus führt. Es gibt noch eine Strasse in Libingen, allerdings ist es nicht ganz unproblematisch, diese für den Transport zu benutzen: «Diese Strasse ist im Moment voller Schnee. Um diese vom Schnee zu befreien, müssen einige Stunden investiert werden. Ausserdem ist die Strasse unglaublich steil und kann nur mit einem Traktor bewältigt werden.»

Der Lebensmittelengpass schlägt sich auf das Angebot im Berggasthaus nieder: «Uns sind am Wochenende die Pommes Frites ausgegangen. Ausserdem haben wir von einigen Getränkesorten nur noch einzelne Flaschen.» Es sei gut möglich, dass die Menukarte angepasst werden müsse.

Restaurant ist am Wochenende voll

An Gästen mangelt es in der Chrüzegg nicht. «Ein Grossteil unserer Gäste kommt aus dem Zürcher Oberland. Sie wissen zum Teil gar nichts über den Erdrutsch.» Am vergangenen Wochenende beispielsweise sei das Restaurant gleich voll gewesen wie an einem normalen sonnigen Wandertag. «Es gibt viele Wege, die in die Chrüzegg führen, nur eben leider nicht für grosse Fahrzeuge.»

Seit dem Erdrutsch vor einer Woche hat sich die Erde weiter verschoben. (Bild: zVg)
Seit dem Erdrutsch vor einer Woche hat sich die Erde weiter verschoben. (Bild: zVg)

Im Moment muss Robert Manser die Lebensmittel von Hand über den Erdrutsch tragen, um sie dann in seinen Traktor zu verladen und zum Restaurant zu fahren. «Die Strasse ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Wir dürfen sie aber benutzen.» Es sei sehr aufwändig, auf diese Art die Harassen und Lebensmittel ins Restaurant zu schaffen.

Provisorium soll entstehen

Wie lange es noch dauern wird, bis die Strasse wieder befahrbar ist, weiss Robert Manser nicht. «Die Gemeinde ist sehr kooperativ und arbeitet an einer Lösung.» Es werde in Betracht gezogen, ein Provisorium zu erstellen. Es soll vorübergehend ein Weg entstehen, der mit dem Auto befahren werden kann.

Die Gemeinde arbeitet an einer Lösung. (Bild: zVg)
Die Gemeinde arbeitet an einer Lösung. (Bild: zVg)

«Wir haben so etwas noch nie erlebt und es ist natürlich ungünstig», sagt Robert Manser. Auch der Förster habe ihnen mitgeteilt, dass es einen derart grossen Erdrutsch im Toggenburg noch nie gegeben habe. Umso grösser ist die Sorge und die Machtlosigkeit: «Wir können nichts tun. Wir haben bereits viele Reservationen für Anlässe, an welchen vor allem ältere Leute auf die Strasse angewiesen sind. Es soll zum Beispiel bald eine Hochzeit in der Chrüzegg stattfinden.» Robert Manser musste die Organisatoren vertrösten: «Wir wissen nicht, ob wir diese Hochzeit durchführen können.»

Weitere Bewegungen möglich

Problematisch sei auch, dass sich die Erde noch immer bewegen könne: «Seit der vergangenen Woche hat sich die Erde wieder ziemlich bewegt.» Regen und Schnee würden die Bewegungen verstärken, dadurch könne sich das Ganze weiter verzögern.

Trotzdem versucht man in der Chrüzegg, optimistisch zu bleiben. Das Wetter im Moment stimmt und lockt viele Wanderer ins Berggasthaus. «Dann müssen sie halt eine Weile ohne Pommes Frites auskommen, wir hoffen, die Gäste haben dafür Verständnis.»

TVO-Beitrag vom 5. März:

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Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 13. März 2017 12:23
aktualisiert: 14. März 2017 15:09